«Sonst geht es Richtung Abgrund»

Ligen und Uefa nähern sich an im Streit um die Champions League. Spaniens Ligapräsident Javier Tebas erklärt, warum auch Grosse die Reformen ablehnen.

«Die Reform als Ganzes schädigt Spaniens Liga»: Spaniens Ligapräsident Javier Tebas. (Archivbild)

«Die Reform als Ganzes schädigt Spaniens Liga»: Spaniens Ligapräsident Javier Tebas. (Archivbild)

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Javier Tebas, Spanien erhält mit der neuen Champions League vier fixe Plätze in der Gruppenphase. Sie könnten als Präsident von La Liga zufrieden sein?
Ich könnte, aber die Reform als Ganzes schädigt Spaniens Liga. So, wie sie alle ­Ligen destabilisiert, weil die grössten Clubs sehr viel mehr Geld verdienen. Dabei müssten umgekehrt die kleineren Ligen und Vereine mehr Geld erhalten, um die Lücke zu den Grossen zu schliessen.

Wie wollen Sie die Grossen dazu bringen, mit den Kleineren zu teilen?
Die nationalen Ligen sind wirtschaftlich viel stärker als die Champions League. Nehmen Sie Premier League, La Liga, die Bundesliga und die Serie A zusammen: Dann sind wir viermal grösser. Wir müssen diese wirtschaftliche Stärke in Verhandlungen zu unserem Vorteil verwenden. Das haben wir in den letzten Jahren zu wenig gemacht.

Die Grossclubs drohen immer wieder damit, eine eigene Liga zu gründen. Ist das keine reelle Gefahr?
Sie reden viel, aber es ist nicht so einfach, das auch umzusetzen: Sie würden ihre Haupteinnahmequelle gefährden. Und die liegt weiterhin in den heimischen Wettbewerben.

Aber der US-Milliardär Stephen Ross hat doch ein Angebot für eine solche Superliga gemacht?
Mein Freund Stephen Ross von den Miami Dolphins wird keine Superliga gründen.

Aber sein Angebot war real?
Ja, ja. Es gab diese Idee, sie haben sie auf den Tisch gelegt. Aber es ist alles sehr kompliziert – und sie werden sie nicht weiterverfolgen.

Ist das Ganze nicht einfach ein Kampf der grossen europäischen Ligen, die sich mit der Champions League um die besten TV-Verträge balgen?
Es gibt diesen Kampf, wir bewegen uns auf demselben Markt. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn wir Spanier mit der Premier League konkurrieren. Aber die Uefa vermarktet mit der Champions League nicht nur einen wichtigen Wettbewerb, sie übt auch sportpolitische Macht aus. Und beides zusammen geht meiner Meinung nach eigentlich nicht.

Im Kampf um die besten TV-Plätze soll es sogar Pläne gegeben haben, Spiele der Champions League am Samstag auszutragen?
Ja, ja, davon habe ich natürlich gehört. Aber keine grosse nationale Liga würde zulassen, dass am Samstag Europacup gespielt wird. Eher verschwindet die Champions League, als dass das geschieht.

Wird sich ab 2021 wirklich etwas an der Verteilung der Champions-League-Gelder ändern?
Es muss sich etwas ändern. Wenn das nicht geschieht, bewegt sich der gesamte europäische Fussball auf einem ganz gefährlichen Pfad in Richtung ­Abgrund.

Die Revolution bleibt aus. Im März noch hatte die Vereinigung der europäischen Profiligen (EPFL) die Muskeln spielen lassen und ihren 32 Mitgliedern erlaubt, Begegnungen gleichzeitig mit Partien der Champions League anzusetzen. Es war ein Protest dagegen, wie die Ligen bei der Reform der Champions League von der Uefa übergangen worden ­waren. Der Schweizer Liga-CEO Claudius ­Schäfer hatte damals von einem ­«Skandal» gesprochen.

Gestern hat die EPFL bekannt gegeben, dass sie sich ihre Plätze an den Verhandlungstischen der Uefa erkämpft habe. Sogar Einsitz im Uefa-Exekutiv­komitee soll sie erhalten. Dazu bekommen die Ligen ein Vetorecht, mit dem sie die Einführung von Europacupspielen am Wochenende verhindern können. Unterschrieben werden soll die Vereinbarung im September.

Laut Schäfer ist der neue Uefa-Präsident Aleksander Ceferin massgeblich daran beteiligt, dass die EPFL künftig gleich viel Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Clubwettbewerbe nehmen kann wie die von Grossclubs dominierte European Club Association (ECA). Diese hat die Zeit für einen Coup genutzt, in der die Uefa mit ihrem ­gesperrten Präsidenten Michel Platini faktisch führungslos war. Auf Druck der ECA wurde die Champions League so ­reformiert, dass die grossen Ligen mehr direkte Startplätze erhalten – und Grossclubs auch für vergangene Erfolge ­bezahlt werden.

Diese Änderungen, beschlossen für den Zyklus 2018 bis 2021, dürften auch mit dem wachsenden Einfluss der Ligen kaum mehr zu verhindern sein. Die ­Ligavertreter wollen aber erreichen, dass das Geld ab 2021 wieder gerechter verteilt wird. Verlierer der aktuellen ­Reform sind kleinere und mittlere Nationen – unter anderem die Schweiz. Aber auch die grossen Ligen in Deutschland, England und Spanien sind gegen das neue Regime, wie Javier Tebas erklärt. Er gehört als Präsident der spanischen La Liga zu den einflussreichsten ­Männern im europäischen Clubfussball.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2017, 00:04 Uhr

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