Zum Hauptinhalt springen

Shaqiris neue, verrückte Welt

Der Schweizer ist Inter Mailand über 20 Millionen Franken wert. Er soll den Erfolg zurückbringen.

Das Kapitel Bayern ist für Xherdan Shaqiri Geschichte, jetzt bietet Inter Mailand verlockende Aussichten.
Das Kapitel Bayern ist für Xherdan Shaqiri Geschichte, jetzt bietet Inter Mailand verlockende Aussichten.
Bernd Feil (Pixathlon)

Es herrschte kürzlich schon Aufregung auf dem Flughafen Malpensa. Vor einer Woche, als aus London Lukas Podolski eingeflogen kam und heissblütige Inter-Fans auf ihn warteten. Gegen 22 Uhr war es gestern wieder ähnlich in Mailand.

Dieses Mal sass Xherdan Shaqiri in der Maschine. Ein paar Stunden davor hatten sich die Bayern und Inter geeinigt. 18 Millionen Euro, 21,6 Millionen Franken, sollen die Mailänder zu zahlen bereit sein, wenn der 23-Jährige heute die medizinischen Tests besteht. Inter übernimmt Shaqiri zuerst leihweise, ab Sommer läuft der Vertrag bis 2019 – wohl mit 3 Millionen Franken Nettogehalt pro Jahr.

Nie hat ein Schweizer Nationalspieler für mehr Geld gewechselt. Das macht auch den FC Basel nicht unglücklich. Er hatte Shaqiri im Sommer 2012 für rund 16 Millionen Franken nach München ziehen lassen und partizipiert jetzt mit geschätzten 15 bis 20 Prozent an der Preissteigerung von rund 5 Millionen.

«Diese Verpflichtung ist ein grosser Coup für Inter», findet der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Aus der Sicht von Shaqiri kommentiert der frühere Bayern- und Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld: «Es ist höchste Zeit, dass er wechselt. Die Luftveränderung ist wichtig für Shaqiri. Und auch, dass er eine neue Chance erhält. Und mit offenen Armen empfangen wird.»

Wichtig für Shaqiris Psyche

Es hat Hitzfeld schon als Coach der Schweiz nicht gefallen können, wie selten Shaqiri bei den Bayern gespielt hat. Jetzt, freier in seiner Rolle, sagt Hitzfeld: «Wenn ein junger Spieler zwei Jahre wenig zum Einsatz kommt, kann er sich nicht weiterentwickeln.» Hitzfeld glaubt, dass der Transfer auch für Shaqiris Psyche und Selbstvertrauen wichtig ist.

«Verrücktes Inter, ich liebe es», heisst eine Zeile in einer Clubhymne. Der Verein hat gerade wieder bewegte, aber nicht mehr ganz so verrückte Jahre hinter sich wie unter Präsident Moratti. Der Ölindustrielle hatte mit Ausgaben von über 1 Milliarde (nicht Lire, Euro!) Weltaus­wahlen zusammengekauft und lange trotzdem fast nichts erreicht, bis Inter ab 2006 fünf Meisterschaften in Folge und 2010 die Champions League gewann.

Sehr hohe Erwartungen

Seit Oktober 2013 ist Moratti nur noch Ehrenpräsident, er hat den Club Indonesiern mit Erick Thohir an der Spitze verkauft. Der Erfolg ist weit weg. Nach Mourinhos Abgang im Sommer 2010 sind sechs Trainer gekommen und gegangen, im November kehrte Roberto Mancini zurück, Meistertrainer 2006, 2007, 2008. Nun scheint Inter wieder bereit zu sein für grössere Investitionen. Podolski und Shaqiri stehen dafür, sie sollen das Team mit Handanovic, Ranocchia, Vidic, Kuzmanovic und Rodrigo Palacio zurückführen von Rang 11 an die Spitze.

Was bei Inter auf Shaqiri zukommt, hat ein anderer Schweizer erlebt. Ciriaco Sforza wechselte 1996 ebenfalls aus München zu den Nerazzurri und blieb eine Saison. Der heute 44-jährige Trainer von Wohlen glaubt, dass Shaqiri sehr hohe Erwartungen zu erfüllen habe: «Der Druck auf ihn ist brutal gross. Inter ist ein Verein, bei dem gerade in einer schwierigen Zeit wie jetzt nur Resultate zählen.»

Sforza traut Shaqiri zu, dass er in eine dominante Rolle hineinwachsen kann, warnt aber auch vor dem italienischen Stil. «Die Mannschaften sind sehr gut organisiert. Shaqiri muss damit rechnen, dass ihm nicht viel Raum gewährt, dafür mehr als in der Bundesliga auf die Füsse gestanden wird.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch