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Sein Freund und Helfer

Matteo Vanetta ist nicht nur Assistent von Gerardo Seoane, sondern dem YB-Trainer seit über zwei Jahrzehnten auch freundschaftlich verbunden. Der 40-jährige Tessiner beabsichtigt, dereinst aus dem Schatten zu treten.

Permanent in Ausbildung: Matteo Vanetta.
Permanent in Ausbildung: Matteo Vanetta.
Raphael Moser

«Berndeutsch», sagt Matteo Vanetta bestimmt, aber in charmantem Akzent, wie ihn nur ein Tessiner haben kann. Es ist Donnerstagmittag, und die Frage an den 40-jährigen Assistenten von Gerardo Seoane hat gelautet, in welcher Sprache das Gespräch geführt werden solle. Er wolle dazulernen, schiebt Vanetta als Erklärung nach. Als sich der Termin nach einer Dreiviertelstunde dem Ende zuneigt, wird klar: Er hat die Aussage nicht nur auf die Sprache bezogen.

Seit bald einem Jahr ist Vanetta bei YB tätig. Er ist gekommen, um die Verteidiger im Nachwuchs auszubilden. Als die Young Boys im Sommer Trainer Adi Hütter sowie dessen Assistenten Christian Peintinger an Eintracht Frankfurt verloren und sich Seoane in den Bewerbungsgesprächen aufdrängte, entstand bei YB rasch die Idee, Peintingers Job dem Mann aus dem Nachwuchs anzubieten. Und dieser musste nicht lange überlegen zuzusagen.

Das hängt in erster Linie mit Seoane zusammen. Den YB-Trainer und seinen Assistenten, der drei Monate älter ist, verbindet seit zwei Jahrzehnten eine Freundschaft. Sie lernten sich als Teenager in den Schweizer Juniorennationalteams kennen, teilten sich bei Zusammenzügen das Zimmer. Die Sprache – Seonae war mit seinen spanischen Wurzeln des Italienischen mächtig – schuf erste Berührungspunkte. Als sie dann 1997 18-jährig zu Sion wechselten, wohnten sie monatelang zusammen. Für beide war es der erste Wechsel weg von zu Hause, das schweisste zusammen. Es entstand eine Bindung, die bis heute anhält. «Es passt einfach», sagt Vanetta, die Familien seien sich ebenfalls nahe. Wird er gefragt, ob es denn auch mal Differenzen gebe, sagt er nach kurzem Überlegen, er könne sich an keine erinnern. «Wir sind ähnliche Typen. Und wir haben dieselbe Idee vom Fussball.»

Zwei Freunde im Trainerteam, es kann eine schwierige Konstellation sein für den Dritten im Bunde, Harald Gämperle, der nach Uli Forte und Adi Hütter nun Seoane assistiert. Vanetta meint, das Verhältnis sei von Beginn an unkompliziert gewesen. Die Aufgabenteilung habe sich von alleine ergeben. «Wir haben sofort zueinander gefunden.» Gämperle ist für die Analyse der Gegner zuständig, verantwortet die Standardsituationen. Vanetta ist Bindeglied zur U-21-Equipe, sein Fokus gilt zudem dem Defensivverhalten.

Lust am Verteidigen

Vanettas Augen funkeln, das Gespräch ist nun an einem Punkt angelangt, der ihn leidenschaftlich umtreibt.

Es geht um die Abwehr von Juventus Turin im Allgemeinen, um den 37-jährigen Verteidiger Andrea Barzagli im Speziellen. «Er mag nicht mehr der Jüngste sein, nicht mehr der Schnellste», sagt Vanetta. «Aber er hat gegen uns keinen einzigen Zweikampf verloren.» Er sagt: «Solche Spieler müssen wir in der Schweiz ausbilden.»

Vanetta, der beim Schweizerischen Fussballverband in den U-Nationalteams dem heutigen YB-Ausbildungschef Gérard Castella assistierte, findet, in der Schweiz werde bei der Förderung von Defensivakteuren zu stark auf offensive Qualitäten geachtet. Ihm missfällt, dass ein Verteidiger, der eine starke Spielauslösung hat, sogleich als gute Abwehrkraft gilt. «Die wichtigste Aufgabe ist es doch, zu verteidigen», sagt er. Es brauche wieder vermehrt Typen wie Steve von Bergen, der richtiggehend Lust am Verteidigen verspüre. Wie war er denn selbst als Fussballer? In der Ausrichtung von Bergen nicht unähnlich, findet Vanetta und schmunzelt.

Vanetta brachte es auf 132 Partien in der höchsten Schweizer Liga. Er spielte für Lugano, Servette und Sion. In Aarau traf er erneut auf Seoane, bis 2005 war er Captain, ehe sein Vertrag nicht verlängert wurde. Vanetta ging zurück ins Tessin, heuerte beim FC Chiasso in der Challenge League an, eröffnete mit Kollegen ein Modegeschäft in der Innenstadt Luganos, das er später aus Zeitgründen verkaufte. 2008, erst 30-jährig, musste Vanetta die Karriere beenden. «Das Knie», sagt er. Der Arzt habe zu ihm gemeint: «Wenn du mal als Trainer stundenlang auf dem Platz stehen willst, musst du nun aufhören.»

«Ich bin ja auch gut»

Das Karriereende, es kann ein einschneidendes Erlebnis sein. Vanetta erzählt, wie er, wenn er einmal pro Jahr einen Trainerkurs für Super-League-Akteure leite, den Profis rate, so lange wie möglich zu spielen. «Weil es der schönste Job der Welt ist.» Coach zu sein, mache auch Spass. «Aber es ist nicht das Gleiche.» Vanetta bezieht die Aussage weder auf die höhere zeitliche Belastung noch auf die grössere Verantwortung. «Was am meisten fehlt», sagt Vanetta, «ist das Spiel. Die neunzig Minuten auf dem Platz.» Ihm habe das malträtierte Knie die Entscheidung aufzuhören erleichtert. «Das Timing stimmte.» Er konnte die U-17 Bellinzonas übernehmen, bald darauf war er wieder Profi – als Trainer. Der Tessiner ist selbstbewusst genug, mit einem Lächeln zu sagen: «Ich bin ja auch gut.»

Im Winter 2017 schloss er den Lehrgang zur Uefa-Pro-Lizenz mit Seoane ab. Wie der YB-Trainer bildete sich Vanetta privat weiter, arbeitete mit einem Personalcoach zusammen. Das alles deutet darauf hin, dass er beabsichtigt, dereinst aus dem Schatten zu treten. Das stimme, sagt Vanetta, er verfolge aber keinen Zeitplan. Er meint, er befinde sich trotz Diplomen in Ausbildung, mit dem Job bei YB könne er diese bestmöglich abschliessen. «Aber», schiebt Vanetta nach, «als Trainer hat man nie ausgelernt.»

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