Schicksalsmatch auf Sandplatz

Vor dem Rückspiel (18.00) in Baku sorgt der miserable Rasen des Stadions für Aufregung. Harald Gämperle mag aber keine Diskussionen über das Terrain führen.

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Ruedi Kunz

Vom «Debaku» von Baku war am Mittwoch im «Bund» die Rede. Ein erstes Debakel gibt es auch schon rund um das Spiel Karabach - YB zu vermelden. Ursache ist das Terrain im Nationalstadion Tofik Bachramow, welches sich vor dem Rückspiel im Europa-League-Playoff in ­einem schäbigen Zustand präsentiert. Halb verdorrtes Gras, ein braungrüner Fleckenteppich und Tauben, die Jagd auf die frisch angesäten Samen­körner machen – für die Gastgeber beileibe keine gute Visitenkarte.

Karabach-Coach Gurban Gurbanow schritt am frühen Abend missmutig das Geläuf ab, welches bereits in der Champions-League-Qualifikation für Aufregung gesorgt hatte. Celtic Glasgow, ­gegen das der FC Karabach anzutreten hatte, beklagte sich lautstark über den Zustand des Rasens. Die Aseris verstanden die Empörung und flogen eilends einen schottischen Greenkeeper ein. Viel half es nicht. Als Gurbanow auf die Unterlage angesprochen wurde, verdüsterte sich sein ohnehin finsteres Gesicht noch eine Spur mehr. «Ich mag nicht mehr über dieses Thema sprechen», brummte er. «Wir haben keine andere Möglichkeit, als darauf zu spielen.» Bei der morgendlichen Platzinspektion wurde sogar eine Verlegung in ein anderes Stadion in Baku in Erwägung ­gezogen, aber schnell wieder verworfen. Der von der Uefa delegierte Funktionär sei zum Schluss gekommen, der Zustand des Rasens sei nicht gesundheitsgefährdend, sagte YB-Pressesprecher Albert Staudenmann.

YB-Interimscoach Harald Gämperle mochte sich gar nicht erst auf eine ­Polemik einlassen. «Das bringt nichts. Der Boden ist für beide Teams der gleiche. Wir werden unser Spiel ein wenig anpassen müssen», sagte er vor dem ­Abschlusstraining. Im Gegensatz zu ­Karabach führten die Berner dieses im ­Nationalstadion durch. Dort dürften heute Abend gegen 30?000 Zuschauer anwesend sein und das beste Team des Landes lautstark unterstützen. Gämperle erwartet «ein heissblütiges Publikum, welches bei jeder halbwegs guten Szene applaudiert». Dem gebürtigen Ostschweizer ist bewusst, dass sein Team «einiges besser machen muss als im Hinspiel», um die Qualifikation für die Gruppenphase doch noch zu realisieren. Von den Offensivkräften verlangt er «mehr Konsequenz im Abschluss» und ein aufsässigeres Stören in der Zone drei. «Wir müssen die Innenverteidiger mehr beschäftigen.» Was die Defensivarbeit anbetrifft, ist der Auftrag klar: YB muss jederzeit wachsam sein, um nicht von einem der gefährlichen Karabach-Konter überrascht zu werden.

Ein anderer Punkt, den Gämperle in der Vorbereitung angesprochen hat, ist der Wirkungskreis von Reynaldo Silva und Dani Quintana. Den beiden stärksten Individualisten weniger Spielraum lassen als letzten Donnerstag im Stade de Suisse, lautet die Forderung des ­temporären Berner Übungsleiters.

Das wichtigste Spiel des Jahres

Für YB geht es in Baku nicht um die nackte Existenz, aber doch um sehr, sehr viel. Schaffen es die Berner nicht, sich aus der selbst verschuldeten Rücklage zu befreien, so haben sie zweierlei Schaden. Der erste ist finanzieller Natur. Dem Club fehlen dann rund fünf Millionen Franken, welche die Qualifikation für die Gruppenphase in jedem Fall einbringt, da jeder Teilnehmer neu eine Antrittsgage von 2,6 statt 1,4 Millionen Franken ausbezahlt erhält. Der zweite ist weniger gut messbar, aber nicht minder schwerwiegend. Weil der Meisterschaftsstart auch schwach war, müsste der mit grossen Ambitionen in die Saison gestiegene Club schon Ende August fast alle Saisonziele revidieren. Und der neue Trainer, der in diesem Fall kaum Harald Gämperle heissen wird, stünde vor der delikaten Aufgabe, eine Vielzahl von teuren Spielern bei Laune zu halten.

So weit ist es noch nicht. YB hat noch 90 Minuten, oder möglicherweise sogar 120 Minuten (bei einer 1:0-Führung nach Ablauf der regulären Spielzeit), um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Allzu viele Veränderungen in der Aufstellung wird Gämperle nicht vornehmen. In der Innenverteidigung kehrt Vilotic zurück (für Wüth­rich), im zentralen Mittelfeld dürfte der routiniertere Gajic den Platz des 19-jährigen Zakaria übernehmen.

DerBund.ch/Newsnet

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