Rizzo hadert, Buff rätselt

2:5 gegen Luzern und in der Tabelle hinten statt vorne: Der FCZ kämpft mit Interimstrainer Rizzo nach sechs Runden gegen die Krise.

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Ueli Kägi@ukaegi

Nachfolgend eine Serie von Adjektiven: elend, grässlich, furchtbar, dürftig, schrecklich, fatal, desaströs, kümmerlich, stümperhaft, trostlos, jämmerlich. Und für alle mit FCZ-Blut gibt es auch noch: qualvoll, bejammernswert, bitter.

Jeder dieser Begriffe passt zur jüngsten Heimspielserie des FCZ. Von 15 Super-League-Partien im Letzigrund konnte er saisonübergreifend nur eines gewinnen. In allen anderen hat er verloren (zehnmal) oder unentschieden gespielt.

«Brutal bestraft»

Am Samstag reiste der FC Luzern an. Und gewann zum dritten Mal in Folge in Zürich. FCZ-Interimstrainer Massimo Rizzo musste nach dem Schlusspfiff feststellen: «Wir hatten einige gute Chancen. Wir haben Moral gezeigt. Aber wir sind am Schluss brutal bestraft worden. Es ist sehr bitter.»

Das ist eine treffende Zusammenfassung eines Spiels, das der FCZ nicht hätte verlieren müssen. Oder: nicht hätte verlieren dürfen. Die erste Halbzeit war nicht besonders ereignisreich und teilweise geprägt von zu vielen Fehlern. Die zweite Halbzeit wuchs sich zum Spektakel aus. Dem FCZ gelang das 1:0 durch einen wunderbaren Abschluss von Christian Schneuwly. Er wäre 2:0 in Führung gegangen, hätte Oliver Buff eine seiner drei guten bis sehr guten Chancen genutzt. Er verlor Innenverteidiger Kukeli nach einem Hands auf der Torlinie, konnte in Unterzahl trotzdem das 2:2 erzielen mit Grgics 35-Meter-Freistoss und den Haarspitzen Sadikus, der offiziell Torschütze ist.

Die Mannschaft hätte sich wenigstens über die Zeit retten müssen nach diesem Treffer in der 84. Minute. Nur gelang ihr das nicht, weil ihr derzeit in den wirklich entscheidenden Momenten scheinbar fast nie etwas gelingt. Sie kassierte in den letzten Augenblicken noch drei Tore bis zum 2:5.

Gestern Sonntag, nach dem Auslaufen, fiel es Oliver Buff nicht schwer, Gründe zu finden für diese Niederlage gegen Luzern: «Wenn du fünf Tore zulässt, kannst du keinen Match gewinnen. Und natürlich müssen wir im Abschluss effizienter sein.»

Das fehlende Zürcher Gespür

Es fiel Buff aber schwer, die Negativserie im Heimstadion zu erklären: «Es ist ja nicht so, dass wir in jedem Match untendurch müssen und dominiert werden. Wir sind teilweise das bessere Team und verlieren trotzdem.» Im Derby Anfang August war das der Fall gewesen, da hatte der FCZ in der zweiten Hälfte die besseren Momente. Gegen Luzern war es nach der Pause und bis zum 1:1 ähnlich.

«Es hat schon seine Gründe, dass wir solche Spiele verlieren», sagt hingegen Rizzo. Ihm fehlt manchmal die letzte Entschlossenheit vor dem gegnerischen Goalie und im Spiel gegen den Ball. Und manchmal hat er das Gefühl, der Mannschaft fehle das Gespür für die Situation. Andere Teams seien bereit, der Partie eine andere Richtung zu geben, wenn Kleinigkeiten wie zwei, drei Fehlpässe auf dieser oder ein gelungener Angriff auf jener Seite neue Gefühlslagen schaffen. Diesen Sinn für den Moment zu verbessern, das ist für Rizzo der Prozess, den der FC Zürich schnell hinter sich bringen muss.

Die Mannschaft hat einen Fehlstart hingelegt: 6 Spiele, 5 Punkte, 10:14 Tore. Sie hat den alten Trainer frei- und den neuen vorgestellt. Nur: schnelle Unterstützung wird es von Sami Hyypiä nicht geben. Er stapelt in Finnland Umzugskisten, während der FCZ gegen die Krise ankämpft. Nach dem Auswärtsspiel vom nächsten Sonntag im Basel erst nimmt er seine Arbeit auf. Buff bedauert das: «Es wäre wichtig gewesen, dass er sofort hätte beginnen können.»

Zürich - Luzern 2:5 (0:0) 7621 Zuschauer. - SR Klossner. Tore: 50. Christian Schneuwly (Philippe Koch) 1:0. 57. Jantscher 1:1. 72. Lezcano (Handspenalty) 1:2. 83. Sadiku (Grgic) 2:2. 86. Lezcano (Foulpenalty) 2:3. 89. Kryeziu (Hyka) 2:4. 94. Lezcano (Schachten) 2:5. Zürich: Brecher; Philippe Koch, Nef, Kukeli, Djimsiti; Grgic, Cabral; Christian Schneuwly (76. Simonjan), Buff (73. Gavranovic), Bua; Etoundi (81. Sadiku). Luzern: Zibung; Thiesson, Affolter, Puljic, Lustenberger; Fandrich (66. Hyka), Freuler, Kryeziu, Jantscher (90. Schachten); Lezcano; Marco Schneuwly (88. Basha). Bemerkungen: Zürich ohne Chermiti (gesperrt), Chiumiento, Kleiber, Alesevic, Schönbächler und Vinicius und Yapi. Luzern ohne Rogulj und Sarr (beide verletzt). Rote Karte: 72. Kukeli (Hands auf der Torlinie). Verwarnungen: 23. Philippe Koch (Foul), 28. Jantscher (Foul), 40. Djimsiti (Foul), 45. Puljic (Foul), 83. Kryziu (Foul).

DerBund.ch/Newsnet

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