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Schällibaums Ausraster im Letzigrund

Wutentbrannt lief der Aarau-Trainer nach dem glücklichen Sieg des FC Zürich durch das Stadion – auch wegen umstrittener Schiedsrichterentscheide.

War mit dem Schiedsrichter nicht einverstanden: FC-Aarau-Trainer Marco Schällibaum. Foto: Keystone
War mit dem Schiedsrichter nicht einverstanden: FC-Aarau-Trainer Marco Schällibaum. Foto: Keystone

Gesichtsfarben geben gewöhnlich einen trefflichen Einblick in das Innenleben von Fussballtrainern. So beantwortet die Farbe von Marco Schällibaums Antlitz nach dem Spiel alle Fragen zu seiner Laune, noch bevor andere sie überhaupt stellen. Das Gesicht hat etwas von einem roten Grausen.

Der Aarau-Trainer marschiert also in grossen Schritten durch den Bauch des Letzigrunds. «Keine Eier», entfährt es ihm, «kein Wunder, ist er so schnell verschwunden.» Der Aarau-Trainer sucht Schiedsrichter Bieri. Der Mann hat ihm mächtig die Laune verdorben.

Schällibaum will nach der Partie nicht über den Schiedsrichter sprechen, etwas huscht ihm aber doch noch über die Lippen. Eine Verschwörungstheorie.

92 Minuten sind vorbei, es steht 2:2, und der FC Zürich probiert es noch einmal. Brunner flankt, Cavusevics Kopfball wird geblockt, Rodriguez übernimmt den Ball, Trier foult ihn, der Schiedsrichter entscheidet auf Vorteil, denn Cavusevic kann unbedrängt schiessen – doch er trifft nicht. Dann ein Pfiff. Penalty. Rodriguez nimmt den Ball und schiesst ein zum 3:2-Sieg.

Der gefoulte Rodriguez sagt: «Dann pfeift er doch noch.» Heisst: Auch er war überrascht. Darum: Darf der Schiedsrichter den Vorteil nach vergebener Chance abpfeifen? «Klar», sagt Uli Forte. «Weiss nicht», sagt Rodriguez. Den roten Schällibaum muss man nicht fragen. Doch der Aarau-Trainer ist im Recht. Lässt der Schiedsrichter in dieser Situation Vorteil laufen, darf er später nicht mehr auf Penalty entscheiden.

Weil Bieri bereits 30 Sekunden nach Anpfiff höchst umstritten auf den Punkt zeigte – Aarau-Goalie Pelloni trifft Ball und Dwamena –, ist Schällibaums nach dem Spiel noch eine Nuance röter. Backsteinrot. «Nie und nimmer Penalty», sagt er.

Schällibaum will nach der Partie nicht über den Schiedsrichter sprechen, etwas huscht ihm aber doch noch über die Lippen. Referee Bieri habe vor ­Wochen fälschlicherweise Zürichs Winter vom Platz gestellt. Logisch also, dass er nun etwas gutmachen müsse und der FCZ einen Bonus habe. «Ich weiss nicht, weshalb die Liga ihn für dieses Spiel ­ansetzt.» Hatte Schällibaums Zorn zuvor allerlei Berechtigung, verirrt er sich mit diesem Gedanken ins Genre der wilden Verschwörungstheorien.

Die Riesenfehler von Vanins

Dass Schällibaum aus seiner Wohlfühlzone gedrängt wurde, liegt aber nicht nur an Bieri – auch der FCZ hat daran aktiv mitgearbeitet. 30 Minuten lang spielt er attraktiven Fussball. Er attackiert den Gegner hoch, er kombiniert sich hübsch durch die Aarauer Reihen, er kommt zu Chancen. Aussenverteidiger Kempter setzt regelmässig zu Läufen auf seiner linken Seite an, Schönbächler spielt gelungene Pässe in die Tiefe, Dwamena befreit sich auch aus misslichsten Situationen.

Doch dann setzt sich der FCZ von einem Moment auf den anderen zur Ruhe, will vom Spiel nichts mehr wissen. Der Mut ist weg, die Gegentore sind der Lohn der Angst. Es sind Stimmungsschwankungen, die sich seit dem Rückrundenstart ­akzentuieren. Vanins lässt zweimal einen bereits entschärft geglaubten Ball fallen. Einmal vor die Füsse von Tréand, einmal über sich ins eigene Tor.

Es sind Treffer, die gewöhnlich Spielberichte prägen. Diesmal ist es anders – der lettische Torhüter kann sich bei Schiedsrichter Bieri bedanken.

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