Saidy Janko: Weniger Lohn, mehr Beständigkeit

Die Young Boys verpflichten von Porto vorerst leihweise für ein Jahr den Schweizer Rechtsverteidiger Saidy Janko. Hätte der 23-Jährige nicht auf Geld verzichtet, wäre der Deal nicht zustande gekommen.

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Dominic Wuillemin

Als die Young Boys am Montagmorgen im österreichischen Zillertal trainieren, fehlt Saidy Janko. Die neuste Verpflichtung des Meisters hat zwar letzte Woche den Medizincheck in Bern bestanden, weilt seit Samstag im Trainingslager. Weil sich die Finalisierung des Wechsels hinzieht, darf der Rechtsverteidiger aber keine Einheit mit dem Team absolvieren.

Doch beim Training am Nachmittag ist Janko dabei, sind die letzten Details mit Porto geklärt. Nach Tagen des Wartens darf er endlich tun, was er am liebsten macht: Fussball spielen. Die letzten Tage seien etwas mühsam gewesen, sagt Janko. «Umso schöner, hat es jetzt geklappt.»

Missverständnis in Porto

Janko und YB, es ist eine Verbindung, die sich seit letztem Sommer anbahnte. Damals fassten die Young Boys den Zürcher als Ersatz Kevin Mbabus ins Auge. Janko war kurz zuvor zum FC Porto gewechselt und hatte miterlebt, wie das Fussballbusiness auch sein kann: rücksichtslos und hart.

Portos Sportchef hatte den 23-Jährigen ohne Absprache mit dem Trainer geholt, nach zwei Wochen beim portugiesischen Grossclub teilte man ihm mit, genügend Aussenverteidiger im Kader zu haben.

«Ich führte das Dasein eines Nomaden. Nun ist es an der Zeit, sesshaft zu werden.»YB-Zugang Saidy Janko 

Janko, für den der Wechsel nach Portugal ein Karrierehöhepunkt gewesen war, musste sich erneut umorientieren. Janko habe die Erfahrung gemacht, wie es sei, wenn man als Fussballer wie eine Ware betrachtet werde, sagt Christoph Spycher. Der YB-Sportchef stand in jener Zeit oft mit dem Schweizer in Kontakt, erlebte dessen Schicksal aus der Distanz mit.

Weil Mbabu schliesslich in Bern blieb, kam die Ausleihe nicht zustande. Janko zog es stattdessen zu Nottingham Forest in die zweite englische Liga. Es war sein siebter Club in sechs Jahren, eine Zeit, in der Janko stets aus dem Koffer lebte. «Ich führte das Dasein eines Nomaden», sagt Janko. «Nun ist es an der Zeit, sesshaft zu werden.»

Der Rat seines Freundes Sow

Seine Reise begann 2013 mit dem Wechsel aus der U-18 des FC Zürich in den Nachwuchs von Manchester United. Einmal spielte er für die Profimannschaft des Weltclubs, im vernachlässigbaren Ligacup. Es folgten eine Ausleihe nach Bolton, dann der Wechsel zu Celtic Glasgow, ein Leihengagement in Barnsley, der Transfer nach Frankreich zu Saint-Étienne, das Intermezzo in Porto und zuletzt eine Saison in Nottingham. Bereuen tut Janko nichts, im Gegenteil: Die Jahre auf Durchreise seien eine super Erfahrung gewesen, die ihn hätten reifen lassen.

In letzter Zeit jedoch wuchs in ihm der Wunsch nach Beständigkeit, wie sie einer seiner besten Freunde, Djibril Sow, nach einem Auslandsengagement bei Mönchengladbach in Bern gefunden hatte. Die beiden kennen sich seit Kindestagen im Zürcher Kreis 4, der kürzlich zu Frankfurt transferierte Mittelfeldspieler legte Janko den Wechsel zu YB nahe. «Ich möchte in der Schweiz Fuss fassen und zeigen, was ich kann», sagt er.

YB hat Kaufoption

Janko passt ins Beuteschema der Young Boys, die regelmässig junge Schweizer mit Auslandserfahrung verpflichten. Und doch bildet er eine Ausnahme: Anders als Mbabu, Sow, Ulisses Garcia und zuletzt Vincent Sierro hat er sich im Ausland durchgesetzt, zumindest zwischenzeitlich. Er kommt auf 83 Profieinsätze.

Dementsprechend schwierig gestaltete sich seine Übernahme. Sein bis 2022 gültiger Vertrag in Porto ist hoch dotiert, mit einem Lohn, den die Young Boys nicht zu zahlen bereit gewesen wären. Janko verzichtete auf Geld, um das Geschäft möglich zu machen.

Die Young Boys haben ihn vorerst für ein Jahr ausgeliehen, im Vertrag ist jedoch ein Betrag festgeschrieben, für den sie den früheren Nachwuchsnationalspieler mit Wurzeln in Gambia definitiv übernehmen können. Wobei Janko dann seinen lukrativen Vertrag in Porto für einen Verbleib bei YB aufgeben müsste.

Einer kommt, einer geht

So weit ist es nicht, vorerst gilt es für Janko, sich bei YB einzufügen. Das Kraftpaket bezeichnet seine Physis als grosse Stärke. Ist er in Form, kann er die Aussenlinie wie ein Güterzug auf und ab donnern. Gemeinsam mit dem wiedergenesenen Jordan Lotomba ist er für die rechte Seite vorgesehen, hinten links sind Garcia und Zugang Cédric Zesiger eingeplant. Wobei Lotomba auch auf dieser Seite agieren kann. Janko bringe viel Erfahrung mit, sei auch deshalb eine wertvolle Kaderergänzung, sagt Spycher.

Während Janko am Nachmittag in Fügen sein erstes Training bestreitet, steht der Sportchef am Seitenrand und unterhält sich mit Léo Seydoux. Am Morgen hat der Rechtsverteidiger noch mittrainiert, doch jetzt trägt er Freizeitkleidung, neben sich die gepackten Taschen. Jankos Kommen leitet seinen Abgang ein, er reist später mit dem Zug nach Bern. Er soll an Xamax verliehen werden, wo er unter seinem früheren Trainer im YB-Nachwuchs, Joël Magnin, Spielpraxis in der Super League sammeln könnte.

Saidy Janko im Porträt von YB-TV. Video: Youtube/BSC Young Boys

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