«Ribéry ist eine tickende Zeitbombe»

Ab Freitag rollt in der Bundesliga der Ball wieder. Bayerns französischer Stürmerstar hat sich im Vorfeld gar keinen Gefallen getan. Was alles vorgefallen ist.

2012: Der heutige Ribéry-Kritiker Thorsten Kinhofer zeigt dem Franzosen nach einer Tätlichkeit am Augsburger Koo Rot und stellt ihn vom Platz.

2012: Der heutige Ribéry-Kritiker Thorsten Kinhofer zeigt dem Franzosen nach einer Tätlichkeit am Augsburger Koo Rot und stellt ihn vom Platz.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Stürmerstar Franck Ribéry, der morgen im Heimspiel gegen Bremen mit dem deutschen Meister in die neue Saison startet, ist zuletzt wieder einmal in die negativen Schlagzeilen geraten. Auf der USA-Tournee legte er sich in einem Testspiel gegen Inter Mailand mit dem Gegenspieler Felipe Melo an und lieferte sich mit diesem ein Privatduell, worauf er vom neuen Trainer Carlo Ancelotti, dem Nachfolger von Pep Guardiola, einen Rüffel bekam. «Ich mag solche Spieler nicht», ärgerte sich der Italiener.

Nicht genug: Auch im Supercup in Dortmund hatte sich Ribéry beim 2:0-Sieg nicht im Griff, arbeitete mit den Ellbogen nach hinten und traf seinen Gegenspieler Felix Passlack voll im Gesicht, was zwingend Rot hätte geben müssen. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel verurteilte Ribérys Verhalten nach dem Spiel aufs Schärfste.

«Das kann eine Taktik sein»

Und im Pokal folgte dann Ribéry, die dritte Klappe. Beim 5:0-Sieg in Jena geriet er mit seinem Gegenspieler Matthias Kühne aneinander. Nachdem er von diesem gerempelt worden war, drückte der Star den Drittligakicker mit dem Arm zu Boden, was prompt ein Déjà-vu hervorrief.

Der ehemalige Fifa- und Bundesligaschiedsrichter Thorsten Kinhöfer macht sich vor dem Bundesligastart am kommenden Freitag Sorgen um Ribéry. Der 48-Jährige lässt gegenüber «Bild» keine Zweifel offen. «Franck Ribéry ist eine tickende Zeitbombe. Er wird natürlich auch oft gefoult, ist aber auch sehr leicht reizbar. Das versuchen Gegner auszunutzen, indem sie ihn bewusst provozieren – das kann eine Taktik sein.»

Ironie der Geschichte

Als Schiedsrichter habe man Offensivspieler wie Ribéry ohnehin im Blick, weil diese oft an entscheidenden Szenen und Zweikämpfen beteiligt seien. «Man will keinen Fehler machen. Denn man sieht, was passiert, wenn man eine Szene übersieht wie die Tätlichkeit im Supercup. Da hast du sofort Alarm im Stadion, und das Spiel ist schwieriger zu leiten.» Ironie der Geschichte: Kinhöfer hatte Ribéry nach einer Tätlichkeit an Augsburgs Koo 2012 im Pokalspiel des Feldes verwiesen.

Während Ribérys Teamkollegen und auch Karl-Heinz Rummenigge, Bayerns Vorstandsvorsitzender, den Franzosen durchs Band weg in Schutz nehmen, stellt sich auch die «Süddeutsche Zeitung» mit der Schlagzeile die sorgenvolle Frage: «Wie stabil sind die Nerven von Franck Ribéry?» Wie auch immer: Ribéry, der in der vergangenen Saison oft verletzt ausfiel und jetzt endlich wieder beschwerdefrei Fussball spielen kann, ist einer gewissen Stresssituation ausgesetzt. Denn der mittlerweile auch schon 33-Jährige strebt die Verlängerung seines Vertrages, der in einem Jahr ausläuft, beim deutschen Rekordmeister an.

DerBund.ch/Newsnet

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