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Putins neuer Mr. Fussball

Energie-Manager Alexander Djukow rückt an die Spitze des russischen Fussball-Verbandes.

Alexander Walerjewitsch Djukow (51) ist ein russischer Manager und höchstwahrscheinlich bald der Präsident des russischen Fussballverbands. (Foto: CC BY-SA 3.0/Gazprom Neft)
Alexander Walerjewitsch Djukow (51) ist ein russischer Manager und höchstwahrscheinlich bald der Präsident des russischen Fussballverbands. (Foto: CC BY-SA 3.0/Gazprom Neft)

Vor ein paar Jahren kam Alexander Djukow mit einem bemerkenswerten Ansinnen um die Ecke. Dem Energie-Manager und damaligen Präsidenten von Zenit Sankt Petersburg passte es nicht, dass bei Sportveranstaltungen in Russland der Ausschank alkoholischer Getränke normalerweise untersagt ist. «Bier ist ein wichtiges Attribut eines Fussballspiel-Besuches», sagte er in einem Interview mit dem Portal Championat: «Und das, was wir sehen, ist eine Diskriminierung. Denn Fussball ist nicht nur Sport, sondern auch Unterhaltung. Im Theater, im Konzert, im Kino, überall können Sie noch stärkere Getränke konsumieren, aber hier gibt es das Verbot.»

Inzwischen deutet tatsächlich manches darauf hin, dass das Bier-Verbot bald kippt, und Djukow kann das in neuer Rolle begleiten. Denn an diesem Freitag wird er zum wichtigsten Fussball-Funktionär des Landes aufsteigen, zum Präsidenten des nationalen Verbandes RFS. In den vergangenen Monaten gab es formal zwar zwei Interimschefs. Aber faktisch wird Djukow damit der Nachfolger von Witalij Mutko, dem Multifunktionär, den die Sportwelt insbesondere, aber nicht nur aufgrund seiner zentralen Rolle im russischen Staatsdopingskandal kennengelernt hat. Djukow ist beim RFS-Kongress der einzige Kandidat - und er zeigt mal wieder, wie die russische Politik im Fussball mitmischt.

Der wichtige Mann bei Zenit

Russlands Wirken in der internationalen Kickergemeinde ist immens. Zu wichtigen Akteuren ist der Draht eng, nicht zuletzt zu Gianni Infantino, dem Präsidenten des Weltverbandes Fifa. Noch immer werden von Moskau aus insbesondere viele der kleineren osteuropäischen Föderationen dirigiert. Und staatlich kontrollierte Firmen wie der Energieriese Gazprom sind als Sponsoren diverser Verbände (Champions League) und Vereine (Schalke 04) aktiv.

Aber beim eigenen Führungspersonal, da war es zuletzt eher schwierig. Minister Mutko war ob seiner Ämterfülle als Mitglied des Fifa-Councils nicht mehr haltbar. Für ihn rückte Alexej Sorokin nach, der Cheforganisator der WM im Sommer 2018, der nicht so apparatschikhaft daherkommt wie viele andere russische Funktionäre, der sich aber national noch nicht genügend Hausmacht aufbauen konnte. Und in Europas Fussball-Union Uefa sitzt seit 2014 kein Russe im obersten Gremium, was manchen Strategen missfällt.

Seit Langem bestimmt Djukow über die Geschicke von Zenit Sankt Petersburg. Dafür soll Djukow Russlands neuer «Mr. Fussball» werden, natürlich abgesegnet von Staatspräsident Wladimir Putin, wie es in Moskau heisst. Der 51-Jährige ist ein Mann des Systems – und ein Beleg dafür, dass sich im dauernden Kampf der Machtgruppen in diesem Fall die Gazprom-Fraktion durchsetzen konnte.

Unter den 200 Reichsten Russlands

Im Petersburger Geschäftsgeflecht, aus dem so viele Karrieren entwuchsen, begann Djukow seinen Aufstieg; seit mehr als einem Jahrzehnt ist er Vorstandschef von Gazprom Neft, der Ölsparte des Energieriesens. Sein Vermögen lag laut jüngster Forbes-Schätzung bei 500 Millionen Euro, womit er zu den 200 Reichsten des Landes zählt. Und im Fussball wiederum bestimmt er seit Langem über die Geschicke von Zenit Sankt Petersburg, dem Club, bei dem Gazprom die Aktienmehrheit hält.

Im Frühjahr 2008 wurde er dort zum Präsidenten gewählt, kurz vor Zenits überraschendem Triumph im Uefa-Pokal. Einen Finalsieg gegen die Glasgow Rangers und einen Halbfinal-Erfolg gegen den FC Bayern gab es damals, was später mit Verweis auf abgehörte Telefonate führender Mafia-Mitglieder und deren Gerede über angeblich gekaufte Spiele zu Aktivitäten von Spaniens Justiz und der Uefa führte. Inzwischen ist Djukow nicht mehr Präsident, sondern Vorstandschef, aber mit seiner Wahl zum RFS-Chef soll das enden.

Im russischen Verband gäbe es nun eigentlich eine Reihe an Baustellen zu beackern. Vieles ist erstarrt, die Fussball-WM hat trotz des überraschenden Viertelfinal-Einzuges der Sbornaja nur bedingt Schwung erzeugt, häufig ertönt der Vorwurf, dass es unsauber zugehe. Zudem fragen sich viele, warum dieses riesige Land mit seinen vielen Einwohnern nicht mehr Talente hervorbringt. Djukow kündigte schon an, dass er «keine Revolution» plane. Ziemlich unwahrscheinlich ist in jedem Fall, dass er noch einmal eine russische Gesetzeslage als «Diskriminierung» einstufen wird.

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