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Grädel erzählt interessante Details aus dem Leben eines Kolumnisten. Dabei geht der Fussball nicht vergessen.

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Mit dem Chef vom Sport beim «Bund» hat Grädel seit Jahren ein Abkommen: Er darf schreiben, was er will. Solange er dabei einigermassen anständig bleibt, seinen Wortschatz einigermassen im Zaum hält und niemanden zu sehr beleidigt. Dazu sollte es irgendwie auch noch immer ein bisschen um Fussball gehen, obwohl eigentlich schon genug darüber geschrieben, gesendet und gebloggt wird. Da wird es für jeden Kolumnisten schwierig, etwas zu finden, das noch nicht auf allen Kanälen und in allen Spalten breitgetreten worden ist.

Da sitzt dann Grädel mit seinem «Pädli» am Stubentisch und versucht – mal mehr, mal weniger verzweifelt – die über die Länge einer Woche gesammelten Notizen zu einem logischen Ganzen zu verbinden und daraus einen luziden Schluss zu ziehen. «Können die von der Zeitung das eigentlich nicht selber machen, Grädel-Schatz?», lautet die wiederkehrende Frage seiner Frau. Ja, genau, fuhr es Grädel da neulich durch den Kopf, das könnten die wirklich auch selber! Eigentlich kann das jeder. Man braucht bloss eine träfe, unpassende oder provokative Aussage eines Spielers, Trainers oder Funktionärs.

Anschauungsbeispiel: Der Spieler Robert Lewandowski von Bayern München forderte in einem Interview mit dem «Spiegel», dass sein Arbeitgeber doch gefälligst endlich einmal mehr als nur läppische 40 Millionen Euro für einen neuen Spieler auf den Tisch blättern solle. In anderer Lesart: Die Mitspieler des treffsicheren Polen können ihm kaum das Wasser reichen. 40 Millionen sind doch schon eine eigene Hausnummer, dafür kriegt man auf dem entfesselten Transfermarkt gut und gerne zehn Ravets oder einen Zehntel Neymar. Und was man sonst mit diese Summe machen könnte!

Etwa zwei Schulhäuser luxussanieren, ein paar Meter Autobahn im Wallis bauen oder – sicher sinnvoller – unzählige Dörfer in der Dritten Welt mit sauberem Wasser versorgen. Und was sagen Lewandowskis Mitspieler dazu? Ist es ein Dürfen oder ein Müssen, sich mit dem grossen Robert Garderobe und Dusche zu teilen?

Dazu nun noch – innerhalb der vorgegebenen Zeichenzahl natürlich – eine schmissige Pointe zu basteln, das könnten die von der Zeitung wirklich selber, da hat Grädels Frau total recht. Herr Lewandowski wurde für seine Äusserung von seinem Arbeitgeber übrigens umgehend gemassregelt und zurechtgewiesen. Richtig so. Wo käme der moderne Fussball denn hin, wenn einfach jeder Spieler reden würde, wie ihm der Schnabel gewachsen ist? (Der Bund)

Erstellt: 14.09.2017, 06:45 Uhr

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