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Nur eine Ehrenmeldung

Beim 1:2 gegen den WM-Dritten Belgien müssen die Schweizer erkennen, was sie von einer absoluten Topmannschaft trennt.

Ein kleines Kunstwerk: Die Schweizer Hintermannschaft wird von den Belgiern ausgespielt. Lukaku schliesst mit dem 2:1 für Belgien ab. (Video: SRF)

Und dann geht es schnell, so richtig schnell. Hazard legt den Ball mit der Hacke ab, Lukaku leitet ihn weiter, Mertens passt ihn zurück, und dann ist Romelu Lukaku auf einmal ganz frei vor Yann Sommer. Er verzögert den Schuss einen Moment, um den Schweizer Goalie zu narren. Und erzielt so das 2:1.

Das Tor in der 84. Minute ist ein kleines Kunstwerk, es ist der Beweis der spielerischen Klasse dieser belgischen Mannschaft, die der Schweizer Coach Vladimir Petkovic «goldene Generation» nennt. Und ja, es ist der Sieg für den Favoriten in dieser Gruppe der Nations League – und ein weiteres Mal der Nachweis, dass den Schweizern noch ein Stück fehlt, um sich mit einem Gegner von diesem Kaliber erfolgreich messen zu können.

Den Match nutzt Vladimir Petkovic, um wieder einmal an seiner Mannschaft zu basteln. Im März in Griechenland wählte er noch ein 4-1-2-2-1; es gab ein 1:0 in der tristen Atmosphäre von Athen. Vor einem Monat war es ein 3-5-1-1, das er für den Test in England ausgrub; die Schweiz verlor 0:1.

Bilder: Der Schweizer Auftritt in Brüssel

Da hatten sie ihn noch halbwegs im Griff. Romelu Lukaku spielte eine Halbzeit lang unauffällig, dann wurde er doch noch zum Matchwinner.
Da hatten sie ihn noch halbwegs im Griff. Romelu Lukaku spielte eine Halbzeit lang unauffällig, dann wurde er doch noch zum Matchwinner.
John Thys, AFP
Die Schweizer waren gut ins Spiel gestartet. Xherdan Shaqiri hatte zwei Möglichkeiten aus der Distanz, hier wurde er noch im letzten Moment von Alderweireld gestört.
Die Schweizer waren gut ins Spiel gestartet. Xherdan Shaqiri hatte zwei Möglichkeiten aus der Distanz, hier wurde er noch im letzten Moment von Alderweireld gestört.
Julien Warnand, Keystone
Und so klatscht Vincent Kompany mit seinem Matchwinner ab: Romelu Lukaku, eine Halbzeit unter-, die andere überirdisch.
Und so klatscht Vincent Kompany mit seinem Matchwinner ab: Romelu Lukaku, eine Halbzeit unter-, die andere überirdisch.
Geer Vanden Wijngaert, Keystone
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Und jetzt in Belgien ist es ein 4-4-1-1, sehr flexibel interpretiert. Michael Lang und Ricardo Rodriguez sind die Aussenverteidiger, die wenn immer möglich die Offensive unterstützen sollen. Nico Elvedi vertritt den angeschlagenen Manuel Akanji an der Seite von Fabian Schär in der Innenverteidigung.

Granit Xhaka, wieder der Captain, weil Stephan Lichtsteiner fehlt, zeigt Präsenz im Zentrum, Steven Zuber, Remo Freuler und Denis Zakaria verrichten die Laufarbeit vor ihm. Xherdan Shaqiri bekommt die Rolle des Freigeistes in der Offensive. Und ganz vorne wird Haris Seferovic das Vergnügen zuteil, sich mit den belgischen Recken Alderweireld, Kompany und Vermaelen herumzuschlagen.

Nicht in Ehrfurcht erstarrt

Was die Schweizer machen, sieht ordentlich aus. Sie tun alles, um sich in der Defensive keine Fehltritte zu leisten und dem Gegner mit seiner grundsätzlich spielerisch-physisch überragenden Angriffsreihe keine Freiräume zu erlauben. In Ansätzen verraten die Belgier, was in ihnen steckt. Das Publikum raunt, wenn Eden Hazard am Ball ist und Tempo aufnimmt. Aufmerksamkeit ist auch geboten, wenn Carrasco auf der linken Seite Lang überläuft.

Aber Petkovics Spieler stehen zumindest bis zur Pause defensiv gut, sie sind aufmerksam und erstarren nicht gleich in Ehrfurcht, wenn Hazard angerannt kommt oder Lukaku die Brust reckt. Der eigene Strafraum ist ihr Hoheitsgebiet. Tielemans kommt deshalb nur aus 20 Metern zum Abschluss oder Carrasco aus 18 Metern, auch Lukaku muss sein Glück aus der Distanz suchen. Mertens ist es kurz vor der Pause schliesslich, der Sommer vom Strafraumrand am nächsten kommt, der Goalie hält den Ball auch in diesem Fall ­sicher.

Doch die Belgier haben zu viel Klasse und Selbstvertrauen, um gleich ins Zweifeln zu verfallen, wenn es ihnen in der Offensive nicht perfekt läuft. Sie machen einfach immer weiter, und darum sind sie es, die nach der Pause nachsetzen und das Geschehen bestimmen.

Video: Das 1:0 für Belgien

Yann Sommer sieht nicht gut aus. (Video: SRF)

Hazard passt zu Meunier, der dreht sich von Rodriguez weg und findet mit seinem kurzen Zuspiel Lukaku. Der Mann von Manchester United ist von allen Schweizern vergessen und nutzt die Freiheit, um den Führungstreffer zu erzielen. Sommer sieht nicht gut aus, solche Bälle hat er auch schon gehalten.

Gavranovics Bilanz

Die Schweiz sucht an diesem Abend jede Möglichkeit, um selbst in die Offensive zu gehen. Hasenfüssig ist sie nicht, und zwei-, dreimal arbeitet sie sich ganz gut nach vorne. Das erste Mal ist das schon in der 8. Minute der Fall, doch Seferovics Schuss fällt zu harmlos aus. Alderweireld fängt den weiten Pass von Schär ab, Shaqiri wäre sonst allein auf Courtois gestürmt.

Das Bemühen ist da, auch gegen diese Belgier. Shaqiris Freistoss nach gut einer halben Stunde fliegt in den Nachthimmel. Dass er es besser kann, zeigt er eine Viertelstunde nach dem Gegentor.

Video: Der Schweizer Ausgleich

Gavranovic vollendet zum 1:1. (Video: SRF)

Von der rechten Strafraumecke zieht er den Freistoss auf den hinteren Pfosten zu Elvedi, der aufgerückte Verteidiger legt den Ball von der Grundlinie zurück, und Gavranovic ist es, der die Vorarbeit dezidiert abschliesst. Es ist sein 6. Tor im 18. Länderspiel. Und sein Bewerbungsschreiben, um den Platz im Sturmzentrum vom glücklosen Seferovic zu übernehmen.

Am Ende aber ist sein Treffer nur die Ehrenmeldung der Schweiz. Der Gegner hat eben Lukaku. Und die Schweiz noch das Pech, dass die Intervention von Courtois gegen Gavranovic in der letzten Minute keinen Elfmeter einbringt.

Xhaka und die Penaltyfrage

Die umstrittene Szene gegen Belgien. (Video: Sebastian Rieder)

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