Nur 4:0 statt ein Kantersieg

Trotz 39:2 Schüssen und 22:0 Cornern gelingen den Schweizern gegen Gibraltar lediglich vier Tore – eine gute Nachricht kommt aus Georgien, wo Dänemark wichtige Punkte verliert.

Das schönste Tor: Ricardo Rodriguez trifft per Weitschuss zum 3:0. (Quelle: SRF)
Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Am Vortag sagten sich die Schweizer Fussballer: Wir brauchen Geduld. Jede Minute kann wichtig sein. Am Sonntag brauchen sie kurz vor der Pause 12 Minuten, 11 Minuten und 44 Sekunden genau, um drei Tore zu erzielen und die Arbeit bereits zu erledigen.

Am Ende gewinnen sie in der EM-Qualifikation gegen Gibraltar 4:0. Das Resultat bietet ihnen keinen Anlass für Freudensprünge, es steht nur dafür, dass sie die Pflicht erfüllt haben. Eigentlich sollte es 6:0, 7:0, 8:0 für sie heissen, zu schlecht, zu harmlos, zu unbedarft ist dieser Gegner vom südlichsten Zipfel Iberiens, er ist halt die Nummer 198 der Weltrangliste. Er führt jedenfalls eine Aussage von Vladimir Petkovic ad absurdum. Am Samstag hat der Nationalcoach gesagt, es gebe «keine kleineren Mannschaften mehr».

Diese drei Punkte sind für die Schweiz seit der Gruppenaus­losung eingeplant, sie helfen darum noch nicht, das gutzumachen, was sie wegen der späten Gegentore beim 3:3 im März gegen Dänemark und beim 1:1 am Donnerstag in Irland an Punkten verschenkt hat. Was ihr dafür hilft, ist die Nachricht aus Tiflis. Da hat Dänemark beim 0:0 gegen Georgien zwei wichtige Punkte eingebüsst.

8318 Zuschauer sind im Tourbillon, nicht abgeschreckt von Eintrittspreisen bis zu 90 Franken. Es ist das erste Länderspiel hier seit über neun Jahren, damals verlor die Schweiz auf dem Weg an die WM in Südafrika 0:1 gegen Costa Rica. Das Walliser Kleinstadion taugt nicht als Bühne für grosse Ereignisse, darum reicht es, wenn Gibraltar zu Besuch kommt.

Die Hilfe von Kyle Goldwin

Eine gute halbe Stunde geht es für den Gast gut, die Schweizer sind gleich drückend überlegen und gehen fahrlässig mit ihren Chancen um. Edimilson Fernandes bringt den Ball aus zwei Metern nicht ins Tor, und Edimilson scheitert nachher am Goalie. Er ist einer von vier Neuen in der Startaufstellung im Vergleich zu Dublin, auch Loris Benito, Admir Mehmedi und Albian Ajeti er­halten einen Platz. Mbabu, Akanji, Freuler und Seferovic fehlen.

Nach 25 Minuten muss Gi­braltar seinen Goalie ersetzen, Kyle Goldwin, 34 und nicht den Eindruck hinterlassend, durchtrainiert zu sein, steht zwischen die Pfosten und leistet gross­zügig seinen Anteil, dass die Schweiz zu ihren Toren kommt. Erst springt er an einem Corner vorbei, und Denis Zakaria kann aus 4 Metern das 1:0 erzielen. Dann stürmt er vogelwild aus dem Tor, und Mehmedi kann den Ball ebenfalls mit dem Kopf zum 2:0 ablenken. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte legt Ricardo Rodriguez nach, er trifft nach einem schweren Fehlpass von Joseph Chipolina aus 22 Metern.

Das erste Tor: Zakaria trifft in der 37. Minute. (Quelle: SRF)

Das ist es eigentlich schon für diesen Match. Am Ende bringen die Zahlen zum Ausdruck, wie drückend überlegen die Schweiz gewesen ist. 39:2 Torschüsse, 22:0 Corner und 71 Prozent Ballbesitz, dafür 55 Befreiungsschläge des Aussenseiters. Er hat nicht den Hauch einer Chance. Yann Sommer im Schweizer Tor brauchte es gar nicht.

Mehmedi doppelt mit dem Kopf nach und erhöht in der ersten Hälfte auf 2:0. (Quelle: SRF)

In der zweiten Halbzeit fehlen dem Favoriten der letzte Schwung, die letzte Wucht und Überzeugung, um einen Kantersieg herauszuschiessen. Nur Mario Gavranovic gelingt es noch in der 85. Minute, eine von drei oder vier Chancen nach der Pause zu verwerten. Dann endet ein Anlass, der den Charakter eines Freundschaftsspiels gehabt hat.

Schär ist als zentraler Verteidiger der erste Spielmacher, Zakaria gefällt mit seinen langen Läufen, Xhaka gelingt nicht gleich jeder Pass, aber er ist trotzdem der Kopf im Mittelfeld. Embolo dagegen fällt durch, wie schon in Dublin, und lässt einen verwundert mit der Frage zurück, wie er sich mit Mönchengladbach in der Bundesliga behaupten will. Ajeti, der Ersatz von Seferovic im Sturmzentrum, ist so ungenügend wie Embolo, und es wird spannend zu sehen sein, wie er sich mit West Ham in der Premier League durchzusetzen gedenkt.

Die Reise zu Shaqiri

In einem Monat geht es für die Schweizer mit den Aufgaben weiter, die von ganz anderer Bedeutung sind als gegen Gibraltar. Es sind die eigentlichen Schlüsselspiele in dieser Qualifikation. Denn dann geht es innert dreier Tage auswärts gegen Dänemark und daheim gegen Irland.

Vielleicht schafft es die Führung der Mannschaft bis dahin, die Personalie Xherdan Shaqiri zu klären. Wenigstens hat nun Pierluigi Tami angekündigt, den in diesen Tagen unpässlichen Individualisten an seinem Arbeitsplatz in Liverpool zu besuchen.

Es könnte allerdings nicht schaden, wenn der Direktor des Nationalteams auf dieser Reise Verstärkung von Vladimir Petkovic bekäme. Keiner ist wichtiger, um dieses Thema zu beruhigen, als der Coach. Schliesslich hat er selbst vor einer Woche über das Verhältnis zwischen ihm und dem Spieler gesagt: «Es kann viel besser sein. Wir müssen uns gegenseitig öffnen.»

Der letzte Höhepunkt: Gavranovic verwertet den Abpraller zum 4:0. (Quelle: SRF)

Schweiz - Gibraltar 4:0 (3:0)
Tourbillon, Sitten. 8318 Zuschauer. SR Orel (CZE).
Tore: 37. Zakaria (Corner Xhaka) 1:0. 43. Mehmedi (Schär) 2:0. 45. Rodriguez 3:0. 87. Gavranovic (Mehmedi) 4:0.
Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Rodriguez; Xhaka (74. Vargas); Mehmedi, Zakaria, Fernandes, Benito (65. Steffen); Embolo (55. Gavranovic), Ajeti.
Gibraltar:Coleing (25. Goldwin); Sergeant, Roy Chipolina, Joseph Chipolina, Olivero; Annesley; Anthony Hernandez, Walker, Andrew Hernandez (58. Coombes), Britto (68. Pons); De Barr.
Bemerkungen: Schweiz ohne Seferovic (wird Vater), Akanji, Klose, Sow, Zuber (verletzt), Drmic, Lichtsteiner und Shaqiri (nicht im Aufgebot). Länderspiel-Debüt von Vargas. 16. Lattenschuss von Benito. Verwarnung: 71. Joseph Chipolina (Foul).

Resultate Gruppe D:
Schweiz - Gibraltar 4:0 (3:0)
Georgien - Dänemark 0:0

Tabelle:
1. Irland 5 6:2 11
2. Dänemark 5 15:5 9
3. Schweiz 4 10:4 8
4. Georgien 5 4:8 4
5. Gibraltar 5 0:16 0

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