«Nun hat der Himmel einen Engel zurückerhalten»

Ehemalige Schweizer Nationalspieler und Weggefährten erinnern sich an Köbi Kuhn.

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Benjamin Huggel (links), Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Ich habe sehr viele tolle Erinnerungen an Köbi Kuhn. Er hat mich schliesslich zum Nationalspieler gemacht. Ich weiss sogar noch genau, was er damals zu mir gesagt hat. Christian Gross informierte mich damals, dass ich aufgeboten sei. Als ich Kuhn dann das erste Mal gesehen habe, sagte er: ‹Ha! Da hatte Christian Gross aber mehr Freude wie Sie!› Da musste ich schon das erste Mal lachen. Es war überhaupt immer lustig. Speziell war natürlich auch die Sache damals in der Türkei und meine Sperre an der WM 2006, wo heute noch alle sagen, das sei das schönste Gemeinschaftserlebnis gewesen – und ich habe es verpasst.

In der Nati war es unter Kuhn wie in einer Familie. Er hat uns Spielern sehr viel Eigenverantwortung gelassen. Ich weiss auch noch, dass er sich nach den Spielen bei jedem – auch den Ersatzspielern per Handschlag bedankt hat. Später habe ich ihn einmal getroffen und gefragt, warum er das mache. Da hat er mir erklärt, dass es ihm immer so leid tue, nicht alle aufstellen zu können, die gut trainieren.

Es gab auch wirklich lustige Aktionen. Wenn wir in Feusisberg eingerückt sind, hat er zweimal trainieren lassen. Am Abend an der Bar haben wir dann abgemacht, dass wir am nächsten Morgen voll trainieren, dann dem Trainer sagen, dass wir müde sind und er doch das Training ausfallen lassen möge. So ist dann auch passiert. Er war ein wirklich netter Mensch und es tut mir sehr leid.»

Philipp Degen, Nationalspieler unter Köbi Kuhn

«Mit tiefem Bedauern habe ich vom Tod von Köbi Kuhn erfahren. Er war ein grossartiger Trainer und Mensch, dem ich sowohl sportlich als auch menschlich sehr viel zu verdanken habe. Unter ihm für die Schweiz zu spielen war immer etwas Besonderes. Ich werde ihn vermissen! Seiner Familie wünsche ich viel Kraft in diesen schweren Stunden.»

Daniel Gygax (Mitte), Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Ich war gerade im Training mit der U-16 des FCZ. Als ich in die Kabine kam, hatte ich mehrere Anrufe in Abwesenheit, unter anderem von meiner Frau. Da lief es mir kalt den Rücken runter, das war ein Schock, eine schlimme Nachricht. Man bekommt ja nie so genau alles mit. Ich dachte, es ginge ihm besser. Köbi machte mich zum U-21- und A-Nationalspieler. Wir hatten durch den FCZ immer eine Verbindung, er war immer an den Spielen. Ich habe mehrmals gelesen, dass ich Alice Kuhns Lieblingsspieler gewesen sein soll, da ich sie an den jungen Köbi erinnere. Von ihr habe ich das aber so nie gehört.

Mein letzter Kontakt mit Köbi war an seiner Buchvernissage in Zürich, vor rund zwei bis drei Monaten. Er hatte schwere Zeiten hinter sich, das merkte man. Er war nicht mehr so fit wie früher. Trotzdem war er noch immer für einen Spruch zu haben, das zeichnete ihn aus.

Als Nationaltrainer hat er uns an der langen Leine gehalten, war für Spässe zu haben und für uns Spieler wie ein Grosspapi. Wir hatten eine freundschaftliche Beziehung, das half uns. Und er drückte auch mal beide Augen zu.

Mir bleiben die schönen, coolen Momente mit ihm. Und ich erinnere mich an Köbi Kuhn als Menschen, nicht an die FCZ-Legende.»

Ancillo Canepa (2. v. rechts), Präsident des FCZ:

«Wir hofften, dass er sich bald wieder erholen würde. Er machte auf uns einen so zuversichtlichen Eindruck. Er war mein fussballerisches Idol. Er hat den FCZ während vielen Jahren geprägt und war hauptverantwortlich für die vielen sportlichen Erfolge in den 60er- und 70er-Jahren. Wir sind sehr traurig.»

Marco Streller, Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Ich bin bestürzt und sehr traurig. Köbi Kuhn war ein grossartiger Trainer und wunderbarer Mensch. Wir wären damals für ihn durchs Feuer gegangen. Ich hoffe, er ist jetzt wieder bei seiner Alice und seiner Tochter Viviane. Mein tiefstes Beileid geht an die Angehörigen.»

Karli Odermatt (77), Gegner beim FC Basel, Mitspieler in der Nationalmannschaft:

«Die Nachricht von Köbi Kuhns Tod trifft mich sehr und macht mich nachdenklich. Wir kennen uns ja gefühlt unser ganzes Leben lang, über Jahrzehnte verband uns eine tiefe Freundschaft auf Distanz – und das schon zu jener Zeit, als wir auf dem Feld noch Rivalen waren und uns während der jeweils 90 Minuten in den Duellen zwischen seinem FCZ und meinem FCB mit gesundem Ehrgeiz bekämpften, während wir in der Schweizer Nationalmannschaft eine grossartige, lustige Zeit erlebten. Es ist erst drei Wochen her, dass mich Köbis Partnerin anrief und mir mitteilte, dass er mich noch einmal sehen will – am anderen Tag stieg ich ins Auto und fuhr zu ihm ins Spital.

Ich staunte, als ich sah, dass er über seinem Bett eine eben erschienene Seite des ‹Blick› aufgehängt hatte mit einer Geschichte über mich, was viel über unsere Verbundenheit und seine Art aussagte. Als ich Köbi sah, war mir sofort klar, dass es nicht gut um ihn steht. Aber der Mensch hofft – und so hofften wir beide, dass er das Spital wieder gesund würde verlassen können. Ich sagte zu ihm, wir würden dann eine Flasche Wein zusammen trinken – und Köbi lachte und meinte, das müsse dann aber eine grosse Flasche Wein sein. Jetzt wird daraus nichts. Es ist vorbei. Das macht mich unendlich traurig.»

Alex Frei, Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Mit Köbi Kuhn verliert die Schweiz eine der grössten Figuren, die unser Fussball je hervorgebracht hat. Für mich war er in meiner Aktivkarriere eine der wichtigsten Persönlichkeiten überhaupt: Ich habe ihn als Trainer der Schweizer U-18-Nationalmannschaft kennen und schätzen gelernt – und er hat mich fortan über die U-21 bis zur A-Nationalmannschaft und der Heim-EM 2008 stets begleitet. Dabei beeindruckte und beeinflusste er mich vor allem durch seine Art als Mensch. Er wusste stets, wie er mit mir umzugehen hatte und hat mich immer unterstützt. Mit Köbi Kuhn wurde ein Engel auf die Erde geschickt – und nun hat der Himmel einen Engel zurück erhalten.»

Jörg Stiel, Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Ich habe viele spezielle Erinnerungen an ihn. Das fängt in dem Jahr an, als ich aus Mexiko zum FCZ kam. Er sass da, in einem Büro im Letzigrund, ich ging zu ihm und sagte: ‹Grüezi, Herr Kuhn.› Er antwortete: ‹Ich bin der Köbi.› Das war 1994. Köbi wurde zu einer ganz wichtigen Person für mich.

Als Goalie hatte ich gelernt, dass man einen Trainer braucht, der an einen glaubt. Und Köbi war das für mich. 2001 hatte ich nach Mönchengladbach gewechselt, und Köbi war neu Nationaltrainer, als wir in Luxemburg das Abschlusstraining für ein Spiel in der WM-Qualifikation hatten. Danach kam Köbi zu mir und sagte: ‹Du spielst morgen.› Ich sagte: ‹Okay, okay.’ Ich war ja völlig überrascht. ‹Und übrigens›, sagte er noch, ‹du bist Captain.› Ich sagte: ‹Es hat doch andere mit viel mehr Länderspielen.›

Köbi war das egal, er hat an mich geglaubt, obwohl ich bis dahin erst zweimal für die Nationalmannschaft gespielt hatte. Die Beziehung mit ihm war speziell, weil ich dank ihm Sachen erlebte, die ich sonst nicht erlebt hätte. Wir redeten zusammen nicht nur über Fussball, sondern über das Leben. Als Mensch zeichnete ihn aus, dass er einen Blick über den Sport hinaus hatte und es ihm nicht nur darum ging, das nächste Spiel zu gewinnen.

Ich war noch immer Captain, als wir 2004 nach Portugal an die EM reisten. Es muss vorher gewesen sein, als Köbi mir sagte: ‹Zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören ist auch ein Wert, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist.› Ich verstand, was er mir damit sagen wollte. Nach der EM beendete ich meine Karriere.»

Ottmar Hitzfeld (links), Nachfolger von Köbi Kuhn:

«Köbi wird immer eine Legende im Schweizer Fussball bleiben. Und er wird uns dank seiner menschlichen Qualitäten sehr fehlen. Den Angehörigen der Trauerfamilie möchte ich mein tiefstes Beileid aussprechen.»

Stéphane Henchoz, Nationalspieler unter Köbi Kuhn:

«Als Köbi neu Nationaltrainer war, hatten Ciriaco Sforza, Stéphane Chapuisat und ich Probleme mit ihm. Aber zwei Monate später besuchte er mich während drei Tagen in Liverpool, er verfolgte das Training, wir assen am Abend zusammen in der Stadt, und von da an hatten wir eine sehr, sehr gute Beziehung. Er war eine ehrliche Person, ein Mensch mit Empathie.

Bevor er die Nationalmannschaft übernahm, hatte sie während vier, fünf Jahren nicht mehr funktioniert. Ihm gelang es, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Kuhn war nie ein Polizist, er lauerte nie hinter der Türe, um zu sehen, wer abends aus dem Hotel ging. Aber er konnte etwas, was gute Trainer können: Er wusste etwas, ohne es sehen zu müssen. Er wusste es einfach!»

Gianni Infantino, Fifa-Präsident:

«Mit grosser Trauer habe ich vom Tod von Jakob ‹Köbi› Kuhn erfahren. Er war nicht nur ein grossartiger Fussballer und Trainer, er war vor allem ein liebenswerter Mensch mit einem grossen Fussball-Herzen. ‹Köbi-National› wird uns allen fehlen. Erst kürzlich noch haben wir uns unterhalten, und ich habe mich sehr über dieses Treffen gefreut. Ich werde unsere Gespräche immer sehr gerne in Erinnerung behalten.

Als einer der Fifa-Legenden war Köbi Kuhn an der Weltmeisterschaft in Russland im letzten Jahr unser Gast. Ja, das war er in der Tat, eine Legende! Und man weiss: bekanntlich sterben Legenden nie. Im Namen der Fifa und der ganzen Fussball-Familie sprechen wir seinen Angehörigen und Freunden unser tiefstes Beileid aus... Machs guet, Köbi, wir werden Dich nicht vergessen.»

Monika Kaelin, Entertainerin und Partnerin des ehemaligen FCZ-Profis und Nationalspielers Fritz Künzli (Mitte):

«Wir haben uns das letzte Mal vor zwei Jahren am Samichlausabend des FCZ 1000er Club getroffen, wo wir einen schönen Abend verbracht haben. Fritz und Köbi teilen eine erfolgreiche gemeinsame Zeit beim FCZ und bei der Nationalmannschaft waren sie immer im gleichen Zimmer. Das hat die beiden eng verbunden und auch nach dem Fussball haben wir die Freundschaft mit Köbi gepflegt. Es ist immer viel gelacht worden und wir hatten immer viel Spass. Es ist sehr traurig, dass der Tod Köbi aus dem Leben gerissen hat.»

olg/ths./hua/ete

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