Nicht ob, sondern wann

Yoric Ravet traf beim 3:2 von YB in St. Gallen doppelt. Seine ersten Tore für die Young Boys hatte er schon länger im Gespür.

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Steve von Bergen scherzte: «Wir sind momentan Spezialisten für spannende Schlussphasen.» Adi Hütter würde um die letzten fünf Minuten der Partie gegen den FC St. Gallen gerne «den Mantel des Schweigens» hüllen. Spannend machte es nochmal, dass innert dreier Minuten aus einem komfortablen 3:0 für die Young Boys ein 3:2 wurde. «Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon etwas gezittert», gibt der YB-Trainer zu. «Ich war dann froh, als Schiedsrichter Drachta das Spiel abgepfiffen hat.» Ganz anders die Gemütslage bei FSG-Trainer Joe Zinnbauer: «Bis auf die letzten fünf Minuten hätten wir ewig spielen können und hätten kein Tor erzielt.» So setzte Danijel Aleksic in der 62. Minute einen Foulpenalty an den Pfosten, nachdem er sich mit Teamkollege Edgar Salli um die Ausführung gestritten hatte. «Edgar wollte auch ein Tor schiessen», erklärt Zinnbauer lapidar, «wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.» In diesem Fall ist das YB.

Erheblich beteiligt an dem Erfolgserlebnis in St. Gallen war Yoric Ravet. «Aus einem guten Kollektiv war er der Wegbereiter für den Sieg», lobt Adi Hütter dessen Leistung, «es freut mich für ihn und die Mannschaft, dass ihm die zwei Tore gelungen sind.» Nachdem Ravet gegen den FC Luzern mit drei Assists glänzte und gegen Sion einen Torerfolg nur knapp verpasste, sind ihm nun die ersten Ernstkampf-Tore im YB-Dress gelungen. Es sei gut, dass sich der Knoten gelöst habe, «mit jedem Match hatte ich mehr Gelegenheiten. Ich spürte, dass das Tor kommen würde, ich wusste bloss nicht wann. Heute Abend war es dann so weit», freut sich der Franzose, der fortwährend für Gefahr im St. Galler Strafraum sorgte.

Negative und positive Serien

Damit schoss Ravet die Young Boys aus einer Negativserie. Am Samstag war es genau fünf Jahre und sechs Tage her, dass YB in St. Gallen das letzte Mal gewinnen konnte. Damals entschieden Tore von Bienvenu und Mayuka die Partie zugunsten der Gäste. In der Saison 2011/12 kam es dann zu keinen Duellen, weil St. Gallen abgestiegen war. Nach dem Wiederaufstieg der Espen verlor der BSC in der AFG-Arena zweimal und teilte sich viermal die Punkte mit dem Heimteam. Auch die Begegnung in der Vorrunde endete 1:1. Er habe von dieser Durststrecke gehört, sagt von Bergen: «Es ist sehr gut, dass diese Serie zu Ende ist.» Weniger Bedeutung hatte sie für Ravet selbst. «In der Vorrunde habe ich mit GC hier gewonnen, also . . .»

Das Ende einer Serie bedeutet gleichzeitig die Fortsetzung einer anderen: YB ist in diesem Jahr noch ungeschlagen und hat nun fünf Siege aneinandergereiht. In der Meisterschaft gelang das zuletzt 2014. Unter Uli Forte gewannen die Berner die letzten fünf Meisterschaftsspiele des Jahres (und feierten in dieser Zeit zwei Europa-League-Siege). Fortes Amt hatte im letzten Herbst bekanntlich Adi Hütter übernommen. Die ersten vier Meisterschaftspartien nach seinem Einstand konnte die Mannschaft für sich entscheiden, dazu kam ein Sieg im Cup gegen Chiasso. Den Hunger, den Hütter nach dieser Serie der Zufriedenheit weichen sah, hat er am Samstag bei seiner Mannschaft wieder gespürt. «Ich bin sehr stolz.» Nach der Siegesserie Ende 2014 blieb YB in der Rückrunde übrigens acht weitere Super-League-Runden lang ungeschlagen. Erst am 11. April 2015 wurden die Young Boys wieder bezwungen. Auswärts. In St. Gallen.

Zwei Wochen Pause

Hütters Serie im Herbst fand ihr Ende nach der Länderspielpause. Aktuell steht wieder eine solche an. «Wir können uns jetzt etwas erholen », so Ravet. Das gilt auch für von Bergen, der nach seiner langen Verletzung kein Aufgebot für die Nationalmannschaft erhielt. «Petkovic hat mir ein SMS geschrieben. Klar bin ich enttäuscht, aber ich respektiere die Entscheidung», sagt der YB-Captain, der sich mit guten Leistungen wieder aufdrängen will.

Damit bietet sich YB erst am 3. April die Gelegenheit, die Ungeschlagenheit 2016 zu bewahren. „Wir wollen unsere positive Serie fortsetzten. Wir sind super zufrieden mit der Leistung in St. Gallen und müssen jetzt so weitermachen“, fordert Ravet und spricht damit auch für seinen Trainer. Einfach wird das nicht: Nach der zweiwöchigen Pause wartet auf den Zweitplatzierten der FC Basel

Der Bund

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