Neues Stadion, neues Team

In Biel herrscht Aufbruch. Zur Eröffnung der Tissot-Arena fehlten einzig die Tore.

Fast 5000 Zuschauer kamen in die neue Bieler Tissot-Arena. Auf ein Tor warteten sie bei der Premiere vergeblich.

Fast 5000 Zuschauer kamen in die neue Bieler Tissot-Arena. Auf ein Tor warteten sie bei der Premiere vergeblich. Bild: Keystone

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Der Star des Abends war aus Beton. 80 Millionen Franken schwer ist die Bieler Tissot-Arena, in der künftig Fussball, ­Eishockey und Curling gespielt wird und die den lokalen Steuerzahler dank einer privaten Partnerschaft und Kantonssubventionen nur zwei Landverkäufe gekostet hat. Es war prächtiges Sommerwetter, als am frühen Samstagabend zum ersten Mal ein Spiel dort stattfand. Vor schöner Kulisse: 4754 Zuschauer waren gekommen. Aber ein paar Plätze waren auch ausserhalb des Gästesektors leer geblieben, und das zeigt, dass die Arena mit ihrer Kapazität von 5200 Leuten in der richtigen Dimension gebaut worden ist.

Es kann alles schnell gehen. Auch im Fussball. Ein paar Wochen ist es nur her, da spielten der FC Biel und der FC Wil zum letzten Mal gegeneinander. Es war eine Partie zwischen zwei Mannschaften gewesen, die verzweifelt um den Klassen­erhalt in der Challenge League kämpften. Tempi passati. Die Teams sind nicht wiederzuerkennen. In der Ostschweiz spricht man nun Türkisch, eine Investorengruppe um den Milliardär Nazif Günal hat das Ruder übernommen. In Wil spielen nun ehemalge Stammspieler von Arsenal (André Santos, am Samstag gesperrt) und Fenerbahce Istanbul (Egemen Kokmaz, Selcuk Sahin). Das Budget soll dem Vernehmen nach von 2,5 auf 10 Millionen Franken angehoben worden sein, die Türken wollen so bald wie möglich in die Super League und auf die ­europäische Bühne.

Ganz so gross wird in Biel nicht angerichtet. Aber es ist trotzdem ein neuer Club geworden, seit der Zürcher Anwalt und Investor Carlo Häfeli die Chance erkannt hat, die ein neues Stadion bietet («in Zürich kann ich noch lange darauf warten»). Häfeli besitzt eine Spielervermittlungsagentur und will Talente aufbauen, um sie mit Gewinn zu verkaufen. Bestand bis vor zwei Jahren noch fast das ganze Bieler Kader aus Spielern der erweiterten Region, stand am Samstag noch einer in der Startformation: Ivo Zangger. Nun ergänzen so illustre Namen wie Kwang Pak, Beg Ferati (beide einst beim FC Basel) sowie Gaëtan Karlen (Sion und Thun) die junge, talentierte Mannschaft. So lange das Team erfolgreich ist und Häfeli an Bord bleibt, wird man über Abhängigkeit und fehlende ­regionale Verankerung hinwegsehen.

Nicht das erhoffte Spektakel

Auch YB war bei der Eröffnung präsent: Talentspäher Stéphane Chapuisat sah zwei Mannschaften, die in dieser Saison kaum etwas mit dem Abstieg zu tun ­haben werden. Und vor allem sah der Stürmertrainer das eine oder andere ­Versprechen. Vom 19-jährigen Astor ­Kilezi beispielsweise wird man noch ­hören, wenn seine Entwicklung nicht ­stagniert. Um über die ganze Spieldauer ein hohes Tempo zu ­gehen, war es am Samstag zu warm. Aber taktisch und technisch war es eine Partie, die den ­Vergleich mit einer durchschnittlichen Super-League-Begegnung nicht zu scheuen brauchte. Das Publikum, lange Zeit damit beschäftigt, sich in der neuen Heimstätte zurechtzufinden, wurde nach einer Stunde gar laut und lebhaft. Man wollte den ersten Treffer im neuen ­Stadion sehen.

Umsonst. Es wurde nicht das Spektakel, das man sich erhofft hatte. Mit einer 4:5-Niederlage in Lausanne (nach einer 4:1-Führung) und einem 3:2-Sieg in Aarau (nach 0:2-Rückstand) hatten die Seeländer entsprechende Erwartungen geschürt. Aber Trainer Patrick Rahmen war im Verlauf der Woche zur Erkenntnis gelangt, «dass wir nicht jedes Mal drei oder vier Tore erzielen können». Dafür seien die Gegner zu stark. «Wil sowieso». Den ersten Treffer in der neuen Arena stellte er dann auf Mittwoch in Aussicht. Dann kommt Le Mont als Gast. (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2015, 09:11 Uhr

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