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Neue Supermacht Paris im Gigantenvergleich

Kader, Liga, Coach und Glamour-Faktor: Wie das Team um Neymar & Stars gegenüber Real, Barça und Bayern abschneidet. Der Experten-Check.

Darf es ein bisschen mehr sein? Die Fussballbehörden aus Nyon nehmen auch den Transfer von Neymar unter die Lupe. (25. August 2017)
Darf es ein bisschen mehr sein? Die Fussballbehörden aus Nyon nehmen auch den Transfer von Neymar unter die Lupe. (25. August 2017)
Geoffroy van der Hasselt, AFP
Die Vergangenheit lässt ihn noch nicht los: Neymar, nun im Einsatz für Paris Saint-Germain. (20. August 2017)
Die Vergangenheit lässt ihn noch nicht los: Neymar, nun im Einsatz für Paris Saint-Germain. (20. August 2017)
Bertrand Guay, AFP
Gegen Aufsteiger Amiens gewannen die Pariser aber auch ohne Neymar: Edinson Cavani (hinten) und Javier Pastore besorgten mit ihren Toren den 2:0-Sieg.
Gegen Aufsteiger Amiens gewannen die Pariser aber auch ohne Neymar: Edinson Cavani (hinten) und Javier Pastore besorgten mit ihren Toren den 2:0-Sieg.
Keystone
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Es ist so gut wie fix, des Wahnsinns nächstes Kapitel. Kylian Mbappé soll von Monaco nach Paris wechseln. Für 180 Millionen. Ob das Geld dieses Jahr oder erst nächstes bezahlt wird, spielt da keine grosse Rolle mehr. Nach Neymar ist Mbappé die zweite Verrücktheit von Tamim bin Hadam Al Thani, dem Emir von Katar, gemeinsam kosten sie 400 Millionen Euro. 400 Millionen, die einem grösseren Ganzen dienen. PSG soll eine Macht im Weltfussball werden und somit ein würdiger Botschafter für Katar. Nur: Sind die Franzosen wirklich auf Augenhöhe mit den Granden wie Real Madrid, Bayern oder Barça?

1. Glamour

Mit Neymar hat PSG mehr Social-Media-Follower verpflichtet, als die restlichen Clubs der Ligue 1 gemeinsam zusammenbringen. 169 Millionen Abonnenten folgen den Einträgen des 25-Jährigen, damit ist er hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi auf Rang 3 und toppt sogar noch Zlatan Ibrahimovic. Sollte der Mbappé-Deal tatsächlich klappen, würde ein nächster, zuletzt hoch gehypter, Star folgen. Doch auch mit dem 18-Jährigen an der Seite Neymars versprüht der sechsfache französische Meister nicht den Glanz von Real Madrid. Immerhin: Mit dem Brasilianer hat PSG den möglicherweise aktuell trickreichsten und somit unterhaltsamsten Fussballer in seinen Reihen.Fazit: Dank Neymar spielt hier PSG mittlerweile in einer Liga mit den Grossen mit, ist aber noch lange nicht der Massstab.

Video: Neymar schlug gleich im Startspiel zu

Der Brasilianer zeigte gleich zu Beginn seiner Paris-Ära mit einem Traumpass, was er draufhat. (13. August, 2017)

2. Kader

Zweifelsohne ist Neymar eine grosse Verstärkung für PSG. Der Dreizack im Sturm, Neymar/Cavani/Di Maria, braucht kaum einen Vergleich zu scheuen. Und mit Dani Alves wurde auch die rechte Abwehrseite nochmals massiv verstärkt – trotz seiner 34 Jahre kann der Brasilianer an guten Tagen für den Unterschied sorgen. Das bewies er im vergangenen Halbfinal der Champions League, als er an allen vier Toren von Juventus gegen Monaco beteiligt war. Wenn die Franzosen vergangene Saison schon ein Anwärter auf den Champions-League-Titel waren, müssen sie in diesem Jahr umso mehr zum engen Favoritenkreis gezählt werden.

Doch Achtung: Die Königstransfers haben auch ihre Schattenseiten. Kurzfristig ist es zumindest fraglich, ob Mbappé die beiden Starstürmer Neymar und Cavani besser ergänzt als Di Maria, Draxler oder Lucas. Noch unklarer ist, ob die drei Letztgenannten überhaupt als PSG-Spieler ins Wochenende gehen. Denn auch ohne Mbappé fehlen über 170 Millionen, um das Financial Fairplay zu erfüllen. Auch wenn es höchst unsicher ist, ob die Uefa ihr eigenes Reglement durchzieht, darf man vom Verkauf von einigen PSG-Spielern ausgehen.

Und plötzlich wendet sich das Blatt: Zwar haben die Pariser eine durchaus konkurrenzfähige Stammelf – auch wenn ein Thiago Motta oder Javier Pastore möglicherweise bei Bayern München oder Manchester United nicht alle 63 Pflichtspiele über die volle Distanz absolvieren dürften – allerdings fällt die Breite im Kader den neuen Stars zum Opfer. Ist Christopher Nkunku in der Lage, in einem wichtigen Spiel Marco Verratti zu ersetzen? Fällt bei Real Madrid dagegen Cristiano Ronaldo aus, schiesst Marco Asensio gegen Valencia zwei Tore; im Mittelfeld stehen Isco, Kovacic und die U-21-Sensation Ceballos bereit, sollten Kroos, Modric oder Casemiro ausfallen. Und auch die Bayern haben nahezu jede Position doppelt mit Topspielern besetzt. Einen grossen Nachteil im Vergleich zu den Topclubs hat PSG aktuell noch auf der Goalieposition. Weder Trapp noch Areola befinden sich auf Augenhöhe mit Reals Navas, Bayerns Neuer, Barças ter Stegen oder auch Buffon (Juve), Courtois (Chelsea) oder De Gea (ManUnited).Fazit: Im Direktvergleich mit Bayern, Real oder auch Barça scheint die beste Elf von PSG leichte Nachteile zu haben – auch wenn sie durchaus konkurrenzfähig ist. Der Grat zwischen einem Ausscheiden im Achtelfinal der Champions League und dem Titel kann äusserst schmal sein, zumal die wenigsten Spieler im Team PSG Erfahrungen mit den ganz grossen Matches haben. Auch mit Neymar (und vielleicht Mbappé) ist der Henkelpott für die Franzosen mit diesem Kader alles andere als ein Selbstläufer.

3. Ligakonkurrenz

Erschwerend kommt hinzu: In diesem Jahr dürfte PSG kaum gefordert werden in der heimischen Meisterschaft. Lucien Favres Nizza, das Überraschungsteam des Vorjahrs, befindet sich in einer Frühkrise, Monaco verliert alle seine Besten – und viel mehr ist in Frankreich nicht mehr zu finden. Lyon und Marseille sind nur noch ein Schatten ihrer besseren Tage.

Das erlaubt Trainer Unai Emery zwar, am Wochenende immer mal wieder einen Star zugunsten höherer, europäischer Aufgaben zu schonen, kann aber auch einen gefährlichen Gegeneffekt haben. Auch aus Marketinggründen suchte Neymar beispielsweise zuletzt beim 3:0 gegen Saint-Étienne eher den Beinschuss als den besser postierten Mitspieler, was gegen viele Gegner in der Ligue 1 noch gut gehen mag – gegen die Topclubs kann er sich das aber kaum mehr erlauben. Und auch Pep Guardiolas Bayern wurde es schon zum Verhängnis, dass sie bereits im März als deutscher Meister feststanden – in einem deutlich schwereren Wettbewerb als die Ligue 1.Fazit: Die französische Liga ist mit Abstand die schwächste der fünf Topnationen. Kurzfristig kann das ein Vorteil sein, doch wenn es in die entscheidende Phase geht, könnte sich rächen, dass PSG die Saison über selten gefordert wurde.

4. Trainer

Mit Unai Emery steht ein absoluter Fachmann an der Seitenlinie von PSG. Der 45-Jährige hat mit den drei Europa-League-Siegen in Folge mit Sevilla gezeigt, dass er auch Titel gewinnen kann. Die Detailversessenheit von Emery widerspiegelt sich auch mal darin, dass er seine Spieler die eigenen Partien bis zu zwölfmal anschauen lässt. Im Lauf der vergangenen Saison entwickelte sich das aggressive Pressing ebenso zur Waffe wie die Fähigkeit, nicht nur das Spiel mit viel Ballbesitz zu dominieren, sondern dank pfeilschnellen Spielern auch überfallartig umzuschalten. Das 4:0 zu Hause gegen Barcelona war ein Meisterwerk.

Doch so gut die Demonstration im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League war, so blamabel war das 1:6 im Rückspiel. Zwar hatten die Franzosen Pech mit einigen Schiedsrichterentscheidungen, doch das Ausscheiden war zu einem Grossteil selbst verschuldet. Zu zögerlich, zu ängstlich liess Emery seine Stars auflaufen. Erstmals verriet der stolze Spanier seine Prinzipien – und wurde dafür bitter bestraft. Es ist davon auszugehen, dass ihm dieser Fehler nicht mehr passieren wird.Fazit: Auch wenn Emery nicht das weltweite Renommee eines Mourinho, Conte oder Ancelotti hat, muss er sich vor seinen Konkurrenten keinesfalls verstecken. Trotz anfänglicher Kritik in Frankreich gehört er zu den Toptrainern des Kontinents.

5. Potenzial

Neymar gilt als legitimer Nachfolger der beiden Überfussballer Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Der 25-Jährige war bereits unter den Top 3 der Weltfussballerwahl. Es gilt nur als Frage der Zeit, bis er zum «The Best» gekürt wird. Und Mbappé wird schon als einer von denen gehandelt, die auf Neymar folgen können. Quasi als Erbe des Erben. Mit Marquinhos (23), Kimpembe (22), Kurzava (24), Verratti (24) oder Rabiot (22) verfügt PSG über weitere bereits sehr gute Profis mit Entwicklungspotenzial. Dahinter stehen der Argentinier Lo Celso (21) und das Eigengewächs Nkunku (19) in den Startlöchern. Von den Leistungsträgern sind einzig Dani Alves, Thiago Silva und Edinson Cavani über 30. Das Team dürfte in Zukunft also eher besser denn schwächer werden – und im Notfall fliesst vielleicht noch die eine oder andere Million aus Katar dazu.Fazit: Kaum ein Topteam in Europa schafft es, einen solchen Mix aus Jugend und Qualität in sein Kader zu verpacken. Beispielsweise ist bei Barça bis auf Goalie ter Stegen keiner der Leistungsträger unter 28 Jahre alt. Einzig Real Madrid scheint diesbezüglich noch besser aufgestellt zu sein. In diesem Sommer verzichtete Präsident Florentino Perez ausnahmsweise auf galaktische Transfers, investierte dafür in hochgehandelte Talente wie Dani Ceballos oder Theo Hernandez und holte die verliehenen Nachwuchsspieler Borja Mayoral und Jesus Vallejo zurück – dazu ist der 21-jährige Marco Asensio die Sensation der noch jungen Saison.

Generell scheinen die Chancen für PSG auf einen Champions-League-Titel in Zukunft noch realistischer als in diesem Jahr – sofern sie wegen des Financial Fairplay dann überhaupt noch mitspielen dürfen.

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