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Nach Explosion: Fussballer spielt mit Armprothese

Der Österreicher Andreas Schicker gibt nach einem tragischen Unfall sein Comeback als Profifussballer.

Andreas Schicker hat eine ansehnliche Laufbahn hinter sich. Profi-Debüt mit 17 unter Jogi Löw bei Austria Wien und über ein Dutzend Länderspiele für die österreichische U-21-Auswahl. Für die Nationalmannschaft hat es am Ende nicht gereicht, aber in der ersten und zweiten Liga absolvierte er fast 300 Spiele.

Ein tragischer Unfall vor rund eineinhalb erschütterte die Karriere von Schicker nachhaltig. Es war einem Herbstabend, als er zusammen mit Freunden in seiner Heimatstadt Bruck an der Mur in der Steiermark unterwegs war und aus Jux mit einem Feuerwerkskörper spielte.

In der Dunkelheit unterschätze Schicker die Brenngeschwindigkeit der Zündschnur. Der Böller explodierte in seiner Hand und zerfetzte ihm die Finger. «Ich habe gleich gemerkt, dass was Schlimmes passiert ist», sagte Schicker gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen».

In einer 10-stündigen Operation versuchten Chirurgen, beiden Hände zu retten. Die rechte Hand von Schicker konnte die Ärzte wieder zusammenbasteln. Bei der Linken musste die ganze Hand inklusive des unteren Drittels des Arms amputiert werden.

Elektrische Armprothese erleichtert den Alltag

«Was ich da gemacht habe, war einfach ein riesiger Blödsinn», erzählte Schicker vier Monate nach dem Unfall in einem Interview mit dem ORF, «aber Gott sei Dank ist keinem anderen etwas passiert, sondern nur mir und ich habe die Rechnung dafür präsentiert bekommen.»

Die Rückkehr in den Profifussball war für den heute 29-Jährigen immer ein Ziel. Doch zuerst musste er die einfachsten Dinge wieder lernen. «Am Anfang war ich wie ein Kleinkind», erinnert er sich, «nicht mal allein essen konnte ich.» Eine elektrische Armprothese half ihm nach einer Weile, den Alltag wieder zu bewältigen. An Fussballspielen war damals nicht zu denken, denn die Prothese war zu schwer. Zusammen mit einem Orthopäden entwickelte Schicker dann eine Sportprothese, die leichter und weicher war. Mit dieser konnte er wieder Sport treiben.

Das Schicksal wollte es so, dass sein ehemaliger Verein, der SC Wiener Neustadt, für die laufende Saison einen Co-Trainer für die erste Mannschaft suchte. «Er war die Idealbesetzung, und wenn er es als Spieler schafft, sollte es uns recht sein», sagte Headcoach Günter Kreissl über seinen Neuzugang. Schicker holte die körperlichen Defizite in der Wintervorbereitung auf und kam seinem Ziel, wieder auf dem Platz zu stehen, immer näher.

Comeback gegen Austria Wien

Vor gut drei Wochen war es dann so weit. Der Aussenverteidiger gab sein Comeback und bestritt die komplette zweite Halbzeit für den SC Wiener Neustadt. Das Spiel gegen Austria Salzburg endete 2:2. Seit seiner Rückkehr machte Schicker zwei Spiele über 90 Minuten. Zur ganzen Situation sagt Schicker: «Ich wollte nie, dass es so ausschaut, als wollten der Verein und ich eine Geschichte machen für die Medien. Ich wollte einfach nur noch einmal auf dem Niveau spielen.» Das ist ihm gelungen. Feuerwerkskörper fassen er und seine Familie übrigens bis heute nicht mehr an. (jwi)

Ein modernes Fussballmärchen: Andreas Schicker feiert mit Armprothese Comeback im Profifussball! #SkyGoELhttps://t.co/lYFzGYSaVJ— Sky Sport Austria (@SkySportAustria) 4. März 2016

Schickers erster Auftritt nach seiner Verletzung. Quelle: Twitter

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