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Mutig? Nein, logisch

Die Wahl von Vladimir Petkovic zum neuen Fussball-Nationalcoach ist die richtige. Klar ist aber auch: Er wird sich anpassen müssen.

Neuer Trainer für die Schweizer Nationalmannschaft: Der 50-jährige Vladimir Petkovic.
Neuer Trainer für die Schweizer Nationalmannschaft: Der 50-jährige Vladimir Petkovic.
Keystone
Rücktritt: Nach der WM in Brasilien wird Ottmar Hitzfeld sein Amt abgeben.
Rücktritt: Nach der WM in Brasilien wird Ottmar Hitzfeld sein Amt abgeben.
Keystone
Von Sitten nach Rom: Ein Angebot von Sion-Boss Christian Constantin lehnte Petkovic ab und wurde stattdessen von Lazio Rom verpflichtet.
Von Sitten nach Rom: Ein Angebot von Sion-Boss Christian Constantin lehnte Petkovic ab und wurde stattdessen von Lazio Rom verpflichtet.
Keystone
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Es war ein mutiger Entscheid, als seinerzeit die Young Boys Vladimir Petkovic zum Trainer machten, einen Mann, der zuvor erst in Bellinzona tätig und unerfahren war. Und es schien noch mutiger, als ihn Lazio Rom verpflichtete, nicht einer mit einem grossen Namen kam, sondern ein für die Italiener unbekannter Schweizer. In der Hauptstadt waren sie entrüstet.

Und ist es jetzt mutig, dass der Schweizer Fussballverband Petkovic zum Nachfolger von Ottmar Hitzfeld im nächsten Sommer bestimmt? Nein. Es ist eine logische Wahl. Aber er war nur die Nummer 3. Lucien Favre oder Marcel Koller hiessen die Wunschkandidaten, und beide wären eine ideale Besetzung gewesen. Favre war aber gar nicht bereit zu verhandeln, blieb lieber in der Bundesliga, Koller hatte schlaflose Nächte und war hin- und hergerissen, bis er sich für Österreich und gegen die Schweiz entschied.

So kam Vladimir Petkovic ins Spiel, der bosnische Kroate mit Schweizer Pass, wie er sich nennt. Einer mit viel Ausstrahlung, auch mit einer pädagogischen Ausbildung, er hat im Tessin als Sozialarbeiter gearbeitet, und einer, der konsequent, andere sagen stur, seinen Weg geht. Er kann etwas verschlossen und auch misstrauisch wirken, aber auch herzlich sein. «Ich habe schon immer mehr leisten müssen als andere», hat er einmal gesagt. Er sieht sich als harter Arbeiter.

Konsequent oder eben: stur

In den Gesprächen war der Verband rasch überzeugt und beeindruckt von Petkovic, von dessen Ideen und Vorstellungen, wie er das Erbe Hitzfelds antreten will. Trotzdem aber dauerten die Verhandlungen länger, weil Petkovic – konsequent oder eben: stur – seine Forderungen stellte und vor allem selber entscheiden wollte, mit wem er zusammenarbeitet. Und er hat sich durchgesetzt: Michel Pont, der loyale Assistent von Hitzfeld und zuvor schon von Kuhn, muss gehen, Antonio Manicone ist wie schon bei Lazio der Vertrauensmann an der Seite von Petkovic.

Einen ersten Personalentscheid hat er also gefällt. Jetzt wird er Coach und Personalmanager einer Mannschaft, die er im nächsten Sommer kaum verändern muss und die ihre beste Zeit vielleicht noch vor sich hat. Hitzfeld hat ein Klima geschaffen, in dem sich die vielen jungen Talente entwickeln konnten, er ist offener geworden, gab mehr Freiheiten, weil er spürte, dass die heutigen Spieler mit ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen dies brauchen. Auch Petkovic wird sich anpassen müssen.

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