Mit YB der Sonne entgegen
50 Jahre lang galt der Film über die Reise der Young Boys nach Asien als verschollen. Jetzt ist er wieder aufgetaucht – sehen Sie einen exklusiven Ausschnitt.
Die Young Boys gehörten Anfang der sechziger Jahre zu den grossen europäischen Mannschaften. Viermal in Serie waren sie Schweizer Meister geworden; 1959 erreichten sie sogar den Halbfinal des Meistercups, der heutigen Champions League.
Zur Belohnung durften die Spieler Anfang 1961 eine ausgedehnte Fernost-Reise antreten. Einen Monat lang bestaunten sie Land und Leute und bestritten zwölf Freundschaftsspiele in Colombo, Singapur, Kuala Lumpur, Saigon, Hongkong, Bangkok und Kairo. Zehntausende strömten in die Stadien, um die Young Boys am Werk zu sehen.

Mit dabei war Filmoperateur Peter Saas, der das Team auf Schritt und Tritt verfolgte und aus den Aufnahmen den Dokumentarfilm «Der Sonne entgegen» produzierte. «Das wurde ein Kassenschlager», erinnert sich YB-Archivar Charles Beuret. «Der Film lief in drei Kinos gleichzeitig. Die Leute strömten ins Rex, ins Jura und ins Actualis.»
Auch Beuret liess sich als junger Mann von den Fernost-Abenteuern seiner Fussballhelden faszinieren. Doch als er den Film viele Jahre später fürs YB-Museum auftreiben wollte, waren die Rollen unauffindbar. Beuret gab Nachforschungen aller Art in Auftrag - es half nichts. Der Film blieb verschollen.
Entdeckung im Nachlass
Wie viele Kopien es gab und wo sie all die Jahre lagerten, ist nicht klar. Fest steht, dass der Nachlass von Peter Saas vor einigen Jahren ans Lichtspiel, die Kinemathek im Marzili, überging. Stapelweise Material musste gesichtet werden. Darunter befand sich auch ein Rohschnitt des sagenumwobenen YB-Films.
Auf welchen Schatz das Lichtspiel da gestossen war, erschloss sich den Betreibern nicht sofort. Erst als aus anderer Quelle eine Vorführkopie auftauchte, ging ihnen ein Licht auf. Die Lichtspiel-Betreiber suchten darauf den Kontakt zum BSC Young Boys, dessen Archivar Beuret sofort Feuer und Flamme war.
«In der feuchten Glut der Tropen»
Jetzt ist er also wieder da, der 64-minütige Farbfilm. Und die YB-Fans warten gespannt auf die Wiederaufführung Anfang Februar im Lichtspiel.

«Der Sonne entgegen» beginnt mit Bildern vom Training auf Schnee vor dem alten Wankdorfstadion. «Die nächsten Spiele werden nicht in der frischen Winterluft stattfinden», kommentiert eine Stimme aus dem Off, «sondern in der feuchten Glut der Tropen, nahe dem Äquator, in Ländern des ewigen Sommers. Mit dunkelhäutigen Menschen anderer Rasse, anderer Denkweise und Lebensart werden wir Fussball spielen.»
Kurz darauf präsentieren sich die Young Boys in Ceylon, besuchen den Chinesenmarkt in Singapur und die Schweizer Kolonie in Saigon, staunen über das Treiben in Hongkong und den schwimmenden Markt von Bangkok, besuchen den Tahrir-Platz in Kairo und vieles mehr.
Ende einer Ära
Der Film zementierte in Bern den Heldenstatus der YB-Meistermannschaft. Sportlich fiel die Bilanz durchzogen aus: Sieben Siege und fünf Niederlagen gab es unterwegs. Die nur 17 mitgereisten Spieler waren zusehends ausgelaugt. Mitunter musste sogar der 44-jährige Trainer Albert Sing mitspielen.
Nach der strapaziösen Reise fielen wichtige Spieler verletzt oder krank aus, Ende Saison reichte es nur noch zu Platz 2. So läutete die Fernost-Reise das Ende der grossen YB-Ära ein. Bis zum nächsten Titelgewinn sollte ein Vierteljahrhundert vergehen.
Und doch: «Was wir auf unserer Reise gesehen und erlebt haben, kann uns niemand mehr wegnehmen», sagte der Torjäger Geni Meier damals. «Es war einmalig.»
Geni Meier ist, wie andere Mitglieder der legendären Mannschaft, längst verstorben. Acht Spieler des Teams leben noch. Sie alle haben ihr Kommen zur «zweiten Premiere» im Februar angekündigt.
Vorführung «Der Sonne entgegen», Donnerstag, 4. Februar 2016, Kinemathek Lichtspiel. Mit Mit Charles Beuret und Christian Zingg. www.lichtspiel.ch
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