54 Minuten lang geht Petkovics Taktik auf, doch dann ...

Der Coach nutzt das Länderspiel in England, um ein neues System zu testen. Die Schweizer erspielten sich gute Chancen, doch ein Eckball machte alles zunichte.

Entscheidung kurz nach der Pause: Marcus Rashford mit seinem Siegtreffer. (Video: SRF)

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Mit breiter Brust waren die Schweizer nach Leicester gereist, aufgeputscht durch das 6:0 am Samstag gegen Island. Sie trauten sich auch in England viel zu, wo sie schon elfmal gespielt, aber noch nie gewonnen hatten. Drei Unentschieden aus den Jahren 1971, 1996 und 2013 waren der bescheidene Ertrag.

Und jetzt? Ist die Bilanz kein wenig besser, im Gegenteil. Die Schweizer verloren zum neunten Mal auf englischem Boden – und das gegen eine Mannschaft, die alles andere als unwiderstehlich aufgetreten war. Das einzige Tor an einem recht stimmungsarmen Abend gelang Marcus Rashford in der 54. Minute.

Ein paar Wechsel im Vergleich zum 6:0 gegen Island waren von Coach Petkovic angekündigt. Vier wurden es, mit Lichtsteiner, Djourou, Freuler und Gavranovic als neuem Personal für Mbabu, Embolo, Zuber und Seferovic. Vor allem aber bastelte der Trainer ein neues System. Statt eines 4-2-3-1 wählte er ein 3-5-1-1. Lichtsteiner und Rodriguez waren die Aussenläufer, und Shaqiri war der Freigeist hinter Gavranovic.

Petkovic sprach vor der TV-Kamera von einem «kalkulierten Experiment und Risiko». Und er sagte: «Manchmal müssen die Spieler leiden. Aber ich bin überzeugt, dass es gut kommt.»

Und es kam bis zur Pause ganz gut. Gavranovic nahm schon nach sieben Minuten Tarkowski den Ball ab und spielte ihn sofort nach vorne, Shaqiri hatte Platz und Zeit zum Abschluss. Sein Schuss landete am Pfosten.

64 Prozent Ballbesitz

Die Schweizer gewannen daraus an Selbstvertrauen, sie liessen den Ball sehr lange sicher laufen. Gut, nicht immer mit viel Raumgewinn, aber sie zeigten die Geduld, den richtigen Moment für den Pass in die Tiefe zu finden. In neuer Formation und Zusammensetzung hinterliessen sie einen guten Eindruck, Petkovic klatschte ihnen am Spielfeldrand wiederholt aufmunternd zu.

Gavranovic war zwar nicht oft am Ball und entsprechend wenig zu sehen. Er hatte viele weisse Leibchen um sich herum. Doch wenn er sich bemerkbar machen konnte, wurde es schnell gefährlich für den Gegner. Nach einem Steilpass von Zakaria vergab er einen besseren Ertrag, weil er sich den Ball ein wenig zu weit vorlegte. Gleich danach, in der 31. Minute, düpierte er Tarkowski und Walker und scheiterte erst an Goalie Butland. Rodriguez’ Schuss flog dann nur um einen Hauch am Tor vorbei.

64 Prozent betrug der Ballbesitz der Schweizer bis zur Pause. Spätestens seit der Weltmeisterschaft wissen wir zwar, dass Ballbesitz nicht immer für die grosse Glückseligkeit sorgen muss, aber dieser Wert war doch ein Zeichen, wie wohl sich die Schweizer im King-Power-­Stadion von Leicester fühlten.

Mehmedis Fehler

Englands Coach Gareth Southgate hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Nations-League-Spiel drei Tage zuvor gegen Spanien gar auf neun Positionen überarbeitet. Er wollte Spielern wie Delph, Welbeck oder Loftus-Cheek den Auslauf geben, den sie bei ihren Clubs in der Liga nicht erhalten. Dafür verzichtete er anfänglich auf seinen Captain und Star Harry Kane, der ist nach 61 Einsätzen in den letzten zwölf Monaten überspielt. Was England zu bieten hatte, war bis zur Pause ziemlich bescheiden. Sommer war nur bei einem Abschluss von Rose nennenswert geprüft.

Zum Start in die zweite Halbzeit kamen Moubandje und Mehmedi für Akanji und Rodriguez. Jetzt liessen die Schweizer deutlich nach, während der Gegner zusetzte. Es dauerte nur bis zur 54. Minute, bis sich sein Aufwand niederschlug. Dabei schien die Gefahr nach einem Corner gebannt. Walker kam nochmals zum Flanken, und auf einmal stand Rashford völig frei vor Sommer und hatte keine Mühe, das 1:0 zu erzielen. Rashfords Glück war, dass Mehmedi im dümmsten Moment seine ­Deckung aufgab und gleich um viele Meter von ihm wegrannte.

Gavranovic verpasste es danach bei einem Konter, den Ball in guter Position unter Kontrolle zu bringen. Dafür war es Shaqiri, der zur besten Möglichkeit seit langem kam. Seinen wuchtigen Schuss aus zehn Metern konnte Stones mit letztem Einsatz in Corner abfälschen.

Petkovic wechselte nach gut einer Stunde weiter aus. Zuber, Edimilson und Ajeti kamen für Freuler, Zakaria und Gavranovic. Freuler hatte erneut einen sehr diskreten Auftritt, der die Frage aufwarf, ob er wirklich genug Substanz mitbringt. Zakaria wiederum war weit weniger wirkungsvoll als noch gegen Island. Zuletzt wurde auch noch Shaqiri ersetzt. Mit ihm ging der alles in allem beste Schweizer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2018, 23:40 Uhr

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