Xhakas Abend: In orangen Schuhen und mit viel Einfluss

Nach turbulenten Wochen bei Arsenal ist Granit Xhaka gegen Georgien der Chef im Aufbau.

Dirigent und Organisator: Granit Xhaka.

Dirigent und Organisator: Granit Xhaka.

(Bild: Keystone Gian Ehrenzeller)

Fabian Ruch

Die Zeit läuft den Schweizern Mitte der zweiten Halbzeit davon, und irgendwie hinterlässt keiner den Eindruck, an diesem Abend in St. Gallen gegen Georgien ein Tor erzielen zu können. Am ehesten noch Granit Xhaka, vielleicht mit einem Weitschuss. Oder der eingewechselte St. Galler Stürmer Cedric Itten, das wäre zumindest eine schöne Geschichte.

Es ist in der 77. Minute Xhaka, der endlich mal wieder einen anständigen Angriff orchestriert, und es ist Itten, dem mit dem Kopf das erlösende 1:0 gelingt.

Das einzige Tor des Abends: Cedric Itten trifft zum 1:0. Video: SRF

In der personell arg geschwächten Schweizer Mannschaft ragt Granit Xhaka am Freitagabend nicht nur wegen seiner Klasse und seiner Vita heraus. Sondern auch wegen seiner grell leuchtenden orangen Schuhen. Er strahlt bereits während der Nationalhymne Selbstbewusstsein aus, breitbeinig und grimmig steht er da, und als das Spiel läuft, ist er wie immer der Chef im Aufbau.

Xhaka dirigiert und organisiert mit der Nummer 10, er verteilt die Bälle präzis, mal kurz und mal lang, agiert meistens nahe des Mittelkreises, zuweilen wie ein Feldherr, bald aber auch ungeduldig, weil nicht alle Mitspieler auf seine Ideen eingehen und die Schweizer einen ungenügenden Eindruck hinterlassen.

Am 27. Oktober bestritt Xhaka sein letztes Pflichtspiel für Arsenal, es war der Tag seines unrühmlichen Abgangs bei der Auswechslung gegen Crystal Palace, als er sich über Pfiffe der Zuschauer aufregte und mit dem Publikum anlegte. Seither verlor er Captainamt und Stammplatz bei Arsenal, eine Zukunft Xhakas in London ist schwer vorstellbar.

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Weil sein Lohn von rund zehn Millionen Franken jährlich aber nur für die wenigsten Vereine zu finanzieren ist, dürfte Arsenal nicht darum herumkommen, weiter einen Grossteil des Salärs zu übernehmen, sollte sich Xhaka in der Winterpause leihweise einem anderen Club anschliessen. Beispielsweise in Italien.

Interessenten können sich am Freitagabend in St. Gallen davon überzeugen, dass die Querelen bei Arsenal keinen Einfluss auf Xhakas Qualitäten haben. Nach 25 Minuten hat er gegen Georgien schon vier Schüsse abgegeben, ins Tor aber trifft auch er nicht. Und als ihm kurz vor der Pause ein Fehlpass unterläuft (oder vielmehr ein Mitspieler falsch läuft), sind leise Pfiffe zu hören. Sie dürften dem behäbigen Auftritt der Schweizer gelten und nicht Xhaka. Zumal dieser auch in der zweiten Halbzeit als fast einziger annähernd Normalform erreicht. Und schliesslich am Siegtor entscheidend beteiligt ist.

«Ich habe eine schwere Zeit hinter mir», sagt der Basler nach dem Spiel. «Und ich war sehr, sehr froh, dass ich die Woche da sein durfte». Die Zeit mit seinen Teamkollegen habe ihm gut getan. «Es war gut, einfach mal weg zu kommen, den Kopf zu befreien und Spass am Fussball zu haben.» Und: «Ich bin froh, dass ich wieder auf dem Platz stand.»


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