Mit der Kapitänsbinde in Regenbogenfarben

In Sachen Toleranz will der VfL Wolfsburg Haltung zeigen. Doch im Team gibt es auch Gegner. Zum Beispiel Josip Brekalo.

Kapitän mit Regenbogenbinde: Wolfsburgs Torwart Koen Casteels.

Kapitän mit Regenbogenbinde: Wolfsburgs Torwart Koen Casteels. Bild: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images

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Auch die Kapitänsbinde hat mittlerweile den einen oder anderen modischen Trend mitgemacht. Von den klassischen drei Streifen, wie sie einst Kaiser Franz Beckenbauer trug, hat sie sich weiterentwickelt zu einem Statussymbol in verschiedenen Signaltönen, National- oder Vereinsfarben. Mit C-Aufdruck, mit Fairplay-Logo, als schicke Werbe-Banderole für Sportartikelfirmen.

Die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben ist eine jüngere Errungenschaft, die farbliche Extravaganz mit politischem Anspruch verbindet. Immer wieder wird sie von Kapitänen getragen, deren Teams ein Bekenntnis zur Vielfaltsgesellschaft setzen wollen. Und das will nun auch der VfL Wolfsburg, was eigentlich alle gut finden müssten. Eigentlich.

Josip Brekalo findet das Symbol eher deplatziert

Zum Saisonstart hat der Klub verkündet, in allen VfL-Teams von der U10 bis zu den Profis bei Männern und Frauen werde das Mannschaftsoberhaupt fortan die Regenbogenbinde tragen. «Wir stehen als Verein für eine tolerante Gesellschaft», sagte Geschäftsführer Jörg Schmadtke, man wolle «ein deutliches Zeichen setzen».

Angefangen hatte alles mit der Bitte von Nilla Fischer, der schwedischen Spielführerin der hochdekorierten VfL-Frauen-Auswahl, die Regenbogenfarben bei Pflichtspielen am Arm tragen zu dürfen. Sie durfte. Und nun werden also alle Kapitäne mit dem bunten Stoff für die gute Sache ausgerüstet. Am vergangenen Samstag beim 2:1 gegen den FC Schalke 04 trug ihn zunächst Mittelfeldspieler Josuha Guilavogui, nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung Torwart Koen Casteels.

Der Profifussball ist ein Abbild der gesellschaftlichen Vielfalt, Menschen jeder Herkunft, Farbe und Neigung spielen zusammen. Die Wolfsburger Aktion ist ein hübscher Fingerzeig darauf, dass die Klubs sich dessen bewusst sind. Nur einen Haken gibt es. Die Vielfalt im Wolfsburger Team ist so gross, dass es darin auch Gegner der kleinen Menschenrechtskampagne gibt. Josip Brekalo, 20, kroatischer Flügelspieler und am Samstag ein tätiger Mitstreiter beim VfL-Sieg, kann mit Homosexualität so wenig anfangen, dass er sagt: «Ich bin sehr religiös erzogen worden. Wenn jemand eine andere Art zu leben bevorzugt, dann ist das okay für mich, weil das seine Sache ist. Aber ein spezielles Symbol für die Einstellung anderer Leute muss und möchte ich nicht tragen.»

Dazu passte, dass Negativ-Kommentare zu der VfL-Initiative auf Instagram zeitweise mit dem Gefällt-mir-Symbol von ihm versehen waren. Brekalo sagt, er sei das nicht gewesen und verweist auf «Telefonprobleme». Dass die VfL-Aktion seiner «christlichen Überzeugung» widerspreche, dementiert er nicht. Die Wolfsburger Toleranz-Fussballgesellschaft muss damit leben, dass nicht jeder im Klub der gleichen Moral folgt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2018, 11:12 Uhr

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