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Mit 64 plötzlich Bundesliga-Trainer

Kann ein Debütant, der im Frühling das Pensionsalter erreicht, die Fussballer von Darmstadt 98 vor dem Fall ins Bodenlose bewahren?

Der gute Mensch von Darmstadt: Ramon Berndroth reiste für seinen Club auch schon mal spontan nach China.
Der gute Mensch von Darmstadt: Ramon Berndroth reiste für seinen Club auch schon mal spontan nach China.
Keystone

Es ist ein interessantes Experiment: Nicht einer der bewährten Bundesliga-Feuerwehrmänner, sondern der als äusserst liebenswert bekannte und auf höchster Ebene als Chef unerfahrene Ramon Berndroth soll den kriselnden SV Darmstadt 98 bis zur Winterpause wieder auf Kurs bringen. Das letzte Trainerengagement des 64-Jährigen datiert aus der Saison 2009/10. Damals wurde er am 16. Spieltag der Regionalliga Süd nach einer 2:7-Niederlage gegen die Stuttgarter Kickers als Coach der zweiten Mannschaft des FSV Frankfurt entlassen.

Warum also Berndroth? Weil die Darmstädter Clubführung ihm zutraut, in der verunsicherten und auch kämpferisch nicht mehr überzeugenden Mannschaft den Funken der Fussball-Leidenschaft neu zu entfachen. Nicht mir autoritärem Gehabe, sondern mit Gelassenheit, Sachverstand und Einfühlungsvermögen. «Die Überschrift ist Wir-Gefühl», sagt der Coach selbst.

Die Amtszeit des Spätberufenen, der seit 2014 als Nachwuchskoordinator der Darmtädter arbeitet, ist auf drei Spiele begrenzt: Freiburg (a), FC Bayern (h) und Hertha BSC (a) heissen die Gegner. «Ich bin hier bei Darmstadt 98 schon öfter für Sonderaufgaben verwendet worden. Unter anderem musste ich mal im März nach China, Trainer ausbilden», sagt Berndroth. «Das hat Tradition. Wenn die Herren kommen und sagen, wir haben nun diese Aufgabe für mich, da zeige ich mich gerne flexibel.»

Sein Alter will Berndroth nicht zum Thema machen. Als ein Hindernis sieht er es sowieso nicht. «Meinen ehemaligen Chef Jupp Heynckes hat Uli Hoeness damals auch nochmal gerufen, als er schon fast Rentner war. In den fünf Jahren war er dann erfolgreicher als jemals zuvor», gibt er zu bedenken.

Sein Plus sei die Erfahrung im Umgang mit schwierigen sportlichen Situationen: «Ich hatte oft Mannschaften, die waren in der Liga eher die schlechteren. Da kommst du erstmal über die Disziplin. Wenn du dann noch gute Stürmer hattest, warst du oben. Aber das nur nebenbei. Du musst immer erstmal über die Kompaktheit kommen.»

Heynckes, der mit den Bayern 2013 als 68-Jähriger Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann, ist längst nicht der einzige Trainersenior, der grosser Erfolge feiern konnte. Otto Rehhagel war 65, als er Griechenland 2004 zum Triumph an der EM führte, Luis Aragonés beim Gewinn der Europameisterschaft 2008 mit Spanien sogar noch fünf Jahre älter.

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