Magnin, die hochgelobte Lösung aus dem eigenen Haus

Der neue Trainer kümmerte sich bislang um die U-21, jetzt ist er erstmals Chef auf Profistufe. Wer ihn kennt, schwärmt von ihm.

Bestritt 62 Länderspiele für die Schweiz: Ludovic Magnin (rechts) mit Ex-FCZ-Trainer Uli Forte. Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Bestritt 62 Länderspiele für die Schweiz: Ludovic Magnin (rechts) mit Ex-FCZ-Trainer Uli Forte. Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Peter M. Birrer@tagesanzeiger
Ueli Kägi@ukaegi

Kurz vor der EM 2008 wird Ludovic Magnin von DerBund.ch/Newsnet gefragt: «Wenn Sie Trainer wären, hätten Sie Freude an einem Spieler, wie Sie einer sind?» Der Mann, der damals im Nationalteam auf der linken Seite verteidigt, antwortet: «Ich hätte schon Freude. ­Natürlich, wenn mir etwas nicht passt, sage ich das. Manchmal kann das stören. Elf wie ich, das wäre nicht möglich.»

Aus Magnin, der 62 Länderspiele für die Schweiz bestritt, ist ein Trainer geworden. Er hat beim FCZ im Nachwuchs angefangen, seit gestern trägt er beim Verein die Verantwortung für die Super-League-Mannschaft. Die Zürcher haben so grosses Vertrauen in ihn und seine ­Fähigkeiten, dass sie dem 38-Jährigen einen Vertrag bis 2020 gegeben haben. FCZ-Insider sagen, für die Canepas sei es schon länger klar gewesen, dass Magnin einmal der Nachfolger von Forte werde.

Dass die Clubführung auf Magnin setzt, überrascht alte Weggefährten des Westschweizers nicht. Stéphane Henchoz, einst Mitspieler im Nationalteam, sagt: «Er sorgte als Spieler für eine positive Atmosphäre in der Mannschaft und war nur schon darum so wertvoll. Er hat den grossen Vorteil, dass er beim FCZ die Strukturen kennt, das Potenzial der Jungen, und darum ist für mich klar: Er wird sich auch auf höchster Stufe als Trainer durchsetzen.» Oder Markus Babbel, der 2007 als Spieler mit Magnin beim VfB Stuttgart Meister geworden ist und ihn danach beim gleichen Verein kurze Zeit auch trainiert hat, bemerkt: «Magnin packt das, hundertprozentig. Alles andere würde mich doch sehr überraschen.»

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Als Spieler besitzt Magnin nicht das Talent der Yakins, er ist kein Künstler, sondern ein unnachgiebiger Arbeiter, der sich selber einschätzen kann – und Humor hat. «Ich bin die total perfekte Nummer 10. Nur sehen das die Trainer nicht», sagt er einmal. Seine Bereitschaft, das Maximum aus seinem Körper zu pressen, bringt ihn weit. Er profitiert in Yverdon von Ausbildner Lucien Favre, wechselt zum FC Lugano und wird in der Schweizer U-21 von Werder Bremen ­entdeckt. Thomas Schaaf holt ihn ­Anfang 2002 nach Norddeutschland, wo sich Magnin unbekümmert präsentiert. «Sehr ehrgeizig, sehr verbissen, aber auch sehr lustig», sagt sein damaliger Coach heute, «Ludovic hatte einen klaren Plan.»

Ricardo Rodriguez überholt ihn

In der Bundesliga wird er 2004 mit Bremen Meister und Cupsieger, später geht er nach Stuttgart, bevor ihn im Januar 2010 der FCZ verpflichtet. Magnin ist der Grossverdiener, erfüllt die hohen Erwartungen aber nicht und wird bald vom 19-jährigen Ricardo Rodriguez verdrängt. 2012 hört er auf und beginnt gleich als Nachwuchstrainer. In dieser Rolle arbeitet er so, wie er als Spieler gewesen ist: fleissig, leidenschaftlich, hungrig.

Er finde einen guten Umgang mit den Spielern, sei klar in der Ansprache und doch herzlich im Umgang. Und er soll taktisch so versiert sein, dass sich nicht selten Lucien Favre meldet, um mit ihm über Fussball zu reden. So berichten und schwärmen nahe Beobachter. Daniel ­Gygax ist einer von ihnen. Er spielte mit Magnin in der Nationalmannschaft und hatte als U-14-Trainer beim FCZ immer wieder mit ihm zu tun. Er sah, was ­Magnin bei der U-18 leistete und danach bei der U-21, er sagt: «Er war als Spieler extrem verbissen und zielorientiert, aber auch jederzeit für Spässe zu haben.» Als Trainer funktioniere Magnin sehr ähnlich: «Er verlangt viel, ist fokussiert – und kann ein paar Sekunden nach einer klaren Ansage wieder einen Witz reissen. Als Spieler kann man sich einen solchen Trainer nur wünschen.»

Magnin ist daran, die Uefa-Pro-Lizenz zu erlangen, im Sommer wird die Ausbildung abgeschlossen sein. Er gehört wie Raphael Wicky (Basel) oder Gerardo Seoane (Luzern) zur Generation aufstrebender Trainer, die nicht meinen, mit dem Diplom sei ihre Ausbildung ab­geschlossen. Er saugt alles auf, was er an Informationen bekommen kann, er präsentiert sich so, dass Daniel Gygax fragt: «Wieso soll das mit Ludovic Magnin und der ersten Mannschaft nicht klappen?»

Magnin wird heute um 13 Uhr den ­Medien präsentiert.

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