Lotombas schneller Aufstieg

Der 18-Jährige trifft am Sonntag auf den Club, bei dem er sich für die Aufgabe in Bern empfohlen hat.

Das Bild hat Aussagekraft: Jordan Lotomba (hier mit Kevin Mbabu) will mit YB abheben.

Das Bild hat Aussagekraft: Jordan Lotomba (hier mit Kevin Mbabu) will mit YB abheben.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Vor dem Tor von Dynamo Kiew steigen Jordan Lotomba, 18 Jahre alt, und Guillaume Hoarau (33) hoch. Im Sprung lenkt Ersterer den Ball mit dem Kopf Richtung Tor, sein älterer Mitspieler touchiert diesen noch, was danach passiert, ist Geschichte.

Der Treffer brachte YB ins Playoff der Champions League. Er war die Koproduktion eines talentierten Aussenspielers, der gerade einmal eine Saison in der Super League gespielt hat, und eines renommierten Stürmers, der die Erfahrung von etwa 130 Spielen in der Ligue 1 mitbringt. Die Entstehung des Tors ist sinnbildlich für den Kurs, den YB mit Christoph Spycher als Sportchef eingeschlagen hat: Jung und hungrig soll das Team sein. Neben den entwicklungsfähigen Talenten braucht YB aber auch Routiniers, die Sicherheit und Beständigkeit in die Mannschaft bringen.

Jung ist Jordan Lotomba. Mit Jahrgang 1998 ist er der jüngste Spieler im Kader. Seine Fussballkarriere hat in Champagne, einer Gemeinde nahe Yverdon, begonnen. Als er etwa sieben Jahre alt war, ging er zu Yverdon. Er besuchte das Ausbildungszentrum des Schweizer Verbands in Payerne und stiess als 15-Jähriger zu Lausanne Sport. Mit 16 debütierte er im letzten Match der Saison 2014/15 in der ersten Mannschaft. In der folgenden Spielzeit kam er zuerst in der U-21 zum Einsatz, spielte immer öfter in der Challenge League – und stieg 2016 auf. «Es war das erste Mal, dass ich mit einem Team etwas gewonnen hatte. Ich war sehr zufrieden und freute mich darauf, gegen Clubs wie Basel oder YB zu spielen», erinnert sich Lotomba. In seiner ersten Super-League-Saison setzte er sich bei Lausanne endgültig durch. Dann führte sein Weg nach Bern.

Lernen, allein zu sein

Seit gut einem Monat ist er nun hier. Er wohnt allein in der Stadt. «Ich wollte eine Veränderung und ich muss auch lernen, allein zu sein», sagt der junge Mann, der bisher bei seiner Familie oder einer Gastfamilie gelebt hat. Noch kann Lotomba nicht Auto fahren, deshalb ist er öfter auf dem Velo anzutreffen. Fahrrad fahren, Basketball, mit Freunden etwas unternehmen, das macht er in seiner Freizeit gerne. Auch besucht er einen Deutschkurs. Seine Lehre bei einem Sportgeschäft hat er unterbrochen. «Vielleicht mache ich in einem Jahr weiter. Aber das ist nicht sicher», sagt der Fussballer, die Arbeit sei mit den Trainings schwierig zu vereinbaren. Wenn Lotomba so weitermacht, wie er seine Zeit bei YB begonnen hat, dann dürfte der Lehrabschluss auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Seinen Hunger hat der Schweizer Nachwuchsnationalspieler schon unter Beweis gestellt. Er bestritt drei Partien. Neben der erfolgreichen Einwechslung am Mittwoch gegen Dynamo Kiew hatte er sich bereits in der letzten Viertelstunde im Hinspiel der CL-Qualifikation sehr gut ins Team eingefügt und in der Meisterschaft gegen GC die vollen 90 Minuten auf dem Platz gestanden, inklusive des Assists für Fassnacht zum 1:0. Die ersten Spuren hat der polyvalente Spieler also hinterlassen. Er spielt gerne auf der Aussenbahn, sowohl im Mittelfeld wie in der Verteidigung. Er möge es, den Ball zu sehen und den Mitspieler vor sich zu haben, sich dem Gegenspieler entgegenzustellen, aber auch den Ball zu erhalten und etwas zu kreieren.

Zuerst kommt der kleine Gegner

Lotombas Tor hat die Champions-League-Auslosung für YB spannend gemacht. Mit dem ZSKA Moskau ist der Co-Schütze zufrieden. «Es ist eine grosse Mannschaft. Wir müssen mit der gleichen Mentalität wie gegen Dynamo antreten, dann können wir es schaffen.»

Zunächst aber wartet am Sonntag mit Lausanne ein kleiner Gegner. «Es wird schon speziell sein, gegen die Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe, anzutreten. Ich kenne sie und weiss, wie sie spielen. Auf der anderen Seite ist es eine Mannschaft wie jede andere auch», relativiert er. Die Erinnerung an Fabio Celestinis Team ist für Lotomba, aber auch für YB eine gute, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Lotomba gelang der Durchbruch am Genfersee, die Berner konnten in der vergangenen Spielzeit 7:2 und 2:0 gewinnen, als die Waadtländer zu Gast waren.

Der Bund

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