Lesben haben es einfacher

Warum Fussballerinnen weniger verkrampft mit ihrer Homosexualität umgehen als Fussballer.

Sie wollte kein Klischee sein: Lara Dickenmann (Mitte) freut sich mit ihren Teamkolleginnen über ihren Treffer gegen Schottland (5. April 2018). Bild: Patrick Hürlimann /Keystone

Sie wollte kein Klischee sein: Lara Dickenmann (Mitte) freut sich mit ihren Teamkolleginnen über ihren Treffer gegen Schottland (5. April 2018). Bild: Patrick Hürlimann /Keystone

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Lara Dickenmann ist Fussballerin, als solche ziemlich gut – keine Schweizerin hat mehr Länderspiele bestritten. Lange hat sie mit sich gerungen. Mit 13 bemerkte sie ihre Homosexualität, mit 17 öffnete sie sich ihren Eltern, doch es dauerte nochmals 15 Jahre, ehe sie nun, mit 32, die Öffentlichkeit suchte. In einem Porträt des Schweizer Fernsehens sprach sie erstmals über ihre Liebe zu Frauen. «Ich habe mich lange selbst verleugnet und war nicht bereit, das zu akzeptieren», sagte sie. «Ich wollte nie die sein, die Fussball spielt und auch noch lesbisch ist.» Sie wollte kein Klischee sein.

Es waren Worte mit einer Deutlichkeit, wie man sie von männlichen Fussballern selten hört. Wie es unter Fussballern auch so gut wie keine Coming-outs gibt. Umgekehrt dagegen outete sich die Schweizer Nationalspielerin Ramona Bachmann während der WM 2015. Schwedens Captain Nilla Fischer organisiert in ihrer Heimat schwul-lesbische Veranstaltungen. Bei den Männern ist solches unvorstellbar.

Nur: Wieso denn eigentlich? Nur schon statistisch ist es ja ausgeschlossen, dass es unter all den Spitzenfussballern, zum Beispiel allen 736, die kürzlich die WM in Russland bestritten, keine Schwulen hat.

Es hat viel mit dem Druck zu tun, der ungleich grösser auf Fussballern als auf Fussballerinnen lastet. Und viel damit, wie die Öffentlichkeit über diese Fussballer denkt. Thomas Hitzlsperger, der langjährige deutsche Nationalspieler, hat die Klischees einmal so beschrieben: «Perfekt. Diszipliniert. Hart. Hypermännlich.» Anlass war sein Coming-out im Jahr 2014. Homosexuelle dagegen, so das Vorurteil, wären zickig, weich, sensibel; konkret: «Weicheier.» Und deshalb passten Profifussball und Homosexualität «natürlich nicht zusammen». Ein «schwuler Pass» ist auch 2018 noch ein schlechtes Zuspiel.

Hitzlsperger wartete mit seinem Coming-out bis nach der Karriere, doch wer will ihm das verübeln? Anfang Woche sagte Arsenals Hector Bellerin der «Times»: Nachdem er seine Haare wachsen liess, hätten ihn Fans als «Lesbe» beleidigt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt