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La Libération de Grädel

Fussballgott Grädels Welt wird durchgeschüttelt. Jean-Paul Sartre spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Manchmal wird Grädels Weltbild heftig erschüttert. Dann stürzen vor seinem inneren Auge ganze Gebirgszüge ein und es eröffnen sich ungeahnte neue Perspektiven. Ein Auslöser für so ein Erdbeben war neulich gerade ein Zeitungsartikel über die linksliberale französische Zeitung «La Libération»: in dieser seien die Sportberichte zu den Anfangszeiten tatsächlich gänzlich ohne Resultate und Ranglisten erschienen. Jean-Paul Sartre und den anderen Gründern des Blattes war der Leistungsgedanke im Sport offenbar sehr suspekt.

Es gab Augenblicke im Leben des Max Grädel, in denen eine solche Art der Nachrichtenüberbringung nur angemessen gewesen wäre. Damals, im Zeitalter vor Natel und Internet, als er in den Ferien das letzte Münz zusammenkratzte, eine Telefonkabine aufsuchte und die ominöse Nummer 164 anrief. Mancher Ferienabend bei den Grädels hätte damals sicher harmonischer geendet, hätte sich die nette Tonbandstimme einfach ein Beispiel an der «Libération» genommen.

Je mehr Grädel über Sinn und Unsinn dieser Art, über den Sport zu berichten, philosophierte, desto mehr begann er sich mit diesem im Kern zutiefst pazifistischen Ansatz der «Libération» anzufreunden, und er stellte sich vor, wie der Fussball (um den es in dieser kleinen Kolumne ja zumeist geht) tatsächlich endlich einen völkerverbindenden Beitrag leisten könnte, wenn es denn endlich einmal kein oben und kein unten mehr geben würde. Kein schneller und kein langsamer, keinen ersten, keinen zweiten und schon gar keinen letzten. Stattdessen nur die pure Essenz eines schönen Spiels, gelungene Ballstafetten und schöne Tore, egal von wem und in welcher exakten Anzahl.

So geht Grädel nun gerne mit gutem Beispiel voran, erwähnt das Resultat von Sion - YB von gestern Abend an dieser Stelle mit keinem Wort und fordert jetzt dann gleich per Leserbrief diese Zeitung auf, dauerhaft seinem Beispiel zu folgen. Danach könnte er eigentlich Christian Constantin anrufen und ihn für seinen Kampf gegen diese destruktive Logik des Totomaten, der die Trainer reihenweise arbeitslos werden lässt, zu gewinnen versuchen. Mit Grädels Ansatz müsste sich der Dopingsumpf ausserdem quasi im Vorbeigehen auch noch trockenlegen lassen. Halleluja!

Lesen Sie folglich nächste Woche an dieser Stelle: Grädels Zehnpunkte-Programm zur dauerhaften Sicherung des Weltfriedens.

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