Klopp reagiert gereizt auf Katar-Frage

Der Liverpool-Trainer mag seine Meinung zum umstrittenen Austragungsort der Club-WM nicht kundtun.

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Er ist kaum einmal um eine Antwort verlegen. Er hat in der Regel eine klare Meinung und teilt diese der Öffentlichkeit mit, oft mit Witz und Charme. Jürgen Klopp kann aber auch anders. Zum Beispiel, wenn es um ein heikles Thema geht wie Fussball in Katar, wo Gastarbeiter wie moderne Sklaven gehalten werden und schon zahlreiche von ihnen auf den Baustellen für die WM 2022 umgekommen sind.

Mitte Dezember wird der deutsche Trainer mit Champions-League-Sieger Liverpool an der Club-WM im Emirat spielen. Und weil dieser Wettbewerb bald bevorsteht, wollte die norwegische Zeitung «Verdens Gang» bei einer fünfminütigen Audienz auf dem Trainingsgelände Melwood von Klopp wissen, was er davon halte, dass dieses Turnier im Wüstenstaat stattfindet. «Diese Frage ist eigentlich nicht in Ordnung», entgegnete der 52-Jährige gereizt.

«Diese Dinge sollten im Voraus von der Fifa und anderen Entscheidungsträgern bedacht werden, die bestimmen, wo sie Turniere austragen», sagte Klopp weiter und ergänzte: «Als Fussballer sollte man sich um nichts kümmern müssen. Diese Dinge sollte die ganze Welt besprechen, bevor sie entschieden werden, statt uns nach unserer Meinung zu fragen, wenn schon alles entschieden ist.»

Es ist ja nicht so, dass sich Klopp dieser Debatte gänzlich verschliesst, aber er findet: «Was wir denken, ist nicht interessant. Jetzt werden wir die Club-WM dort spielen und in drei Jahren wohl die WM.» Weitere Fragen zu Katar blockte der wenig erfreute Pressechef der Reds übrigens ab, auch die Spieler durften nicht damit behelligt werden.

Absage an Nobelhotel

Die Club-WM beschäftigt Liverpool schon seit einigen Tagen. Anfang Woche hatte sich der Verein mit einer Hotel-Absage der Fifa widersetzt und dafür viel Lob geerntet. Der Weltverband hatte für den europäischen Vertreter das Marsa Malaz Kempinski gebucht, ein Nobelhotel in Doha. Liverpool sprach sich jedoch gegen einen Aufenthalt im Fünfsternehotel aus, weil der «Guardian» im Oktober 2018 aufgedeckt hatte, dass die Angestellten unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten müssen.

Und dann gab es noch ein ganz anderes Problem. Nachdem sich der Tabellenführer der Premier League Ende Oktober gegen Arsenal für den Ligacup-Viertelfinal qualifiziert hatte, erwog Klopp wegen drohender Terminkollisionen einen Rückzug aus diesem Wettbewerb. Inzwischen hat sich Liverpool damit arrangiert. So spielen die Reds am 17. Dezember bei Liga-Konkurrent Aston Villa, tags darauf tragen sie in Katar den Halbfinal der Club-WM gegen einen noch zu bestimmenden Gegner aus. Klopp hat schon signalisiert, dass sein Fokus auf dem kontinentalen Vergleich liegt, im Ligacup dürften deshalb vorwiegend Ersatz und Nachwuchsspieler zum Einsatz kommen.

Diese Gedanken dürften Klopp derzeit allerdings höchstens am Rande beschäftigen. Am Sonntag kommt Pep Guardiolas Manchester City nach Anfield (ab 17.30 Uhr im Ticker), der grösste und wohl auch in dieser Saison einzige Rivale im Kampf um den Titel. Ein Sieg gegen den Meister könnte wegweisend sein, führt doch Liverpool die Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung auf City an.


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red

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