Im YB-Wirbel geht Lausanne unter

Beim 7:2 gegen den Aufsteiger begeistern die Young Boys ihre Fans. Doch Guillaume Hoarau droht eine längere Verletzungspause.

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Er sei wie ein Papa, der an den Match gehe, um seine Buben tschutten zu ­sehen, sagte Fabio Celestini vor dem Auftritt seiner Lausanner Equipe im Stade de Suisse der Zeitung «Le Matin». «Ich bin stolz, was sie schon geleistet ­haben und glücklich herauszufinden, was noch folgen wird.»

Nach dem Spiel und dem 2:7-Debakel zeigte sich der 41-jährige Trainer enttäuscht, aber nicht desillusioniert. «Wir haben uns viel zu viele individuelle Fehler geleistet», sagte er zum leichtfertigen Spiel seiner jungen Fussballer. «Sowohl zu Hause, wie auswärts spielen wir immer mit demselben Geist, mit derselben Philosophie.» Und das bedeutet: Mitspielen, immer das Konstruktive suchen. «Heute haben wir gesehen, dass das auch gründlich danebengehen kann.» Doch nach Bern zu kommen, sich hinten hineinzustellen und zu versuchen, ein 0:0 zu ergattern, das sei nicht seine Art Fussball zu spielen, erklärte Celestini gefasst. «Und als Mannschaft hätte uns eine destruktive Spielweise heute auch nicht weitergebracht.»

Eklatante Abwehrfehler

Es war ein Abend, bei dem das Spielglück auf der Seite der Young Boys stand. Das frühe 1:0 erzielte Hoarau aus Abseitsposition, Lecjaks fulminanter Schuss zum zwischenzeitlichen 5:1 prallte von der Lattenunterkante ins Tor (59.). Doch den Untergang der Lausanner leiteten Abwehrfehler ein, welche sich die Gäste im Stade de Suisse leisteten; diese waren gar haarsträubend bis grotesk. Vor allem der Brasilianer Marcus Diniz verlor phasenweise die Orientierung. Der 28-jährige Verteidiger, einer der wenigen Routiniers bei Lausanne, der einst bei der AC Milan angeheuert hatte und letzte Saison bei Padova im Sold war, spielte mit zu viel Risiko.

Vor dem 0:2 setzte er seinen Teamkollegen Manière mit einem Pass im Strafraum derart unter Druck, dass dessen versuchter Befreiungsschlag nur bis zu Sutter geriet, wonach dieser den Ball zum 2:0 für Ravet auflegte. Noch krasser war der Fehlpass vor dem 0:3 in der 36. Minute, als Diniz den Ball quer durch den Strafraum spielte, was eine ideale Vorlage für Thorsten Schick wurde. Und beim siebten YB-Tor spielte Goalie ­Castella den Ball in die Füsse von Frey – aber das war dann bei diesem Spielstand auch egal.

Ravet: ein Tor, drei Assists

«Es gibt Abende, da gelingt fast alles, auch wenn der Gegner uns diesmal durch Fehler drei Tore geschenkt hat», sagte Yoric Ravet, der bei fünf der sieben YB-Toren beteiligt war, eines selbst erzielte und zudem dreimal den letzten Pass spielte. Aber Ravet wie auch Trainer Adi Hütter betonten, dass YB mit dem hohen Pressing die Lausanner zu diesen Fehlern gezwungen habe.

Spätestens mit dem vierten YB-Tor durch Scott Sutter in der 48. Minute war die Partie entschieden, welche den knapp 15?000 Zuschauern mit total neun Toren Spektakel bot. Lausanne war schlicht nicht in der Lage, das ersatzgeschwächte YB ernsthaft zu fordern. Dabei herrschte bei YB nicht nur Frohmut. Die Verletzung von Guillaume Hoarau, der in der 21. Minute durch Thorsten Schick ersetzt wurde, ist ein weiterer, herber Schlag für die Berner.

Auf sie wartet am Mittwoch im Rückspiel des Playoffs für die Champions League gegen Mönchengladbach eine Herkulesaufgabe. Den Young Boys stellt sich die Herausforderung, in einem ­Stadion bestehen zu müssen, das auch für die Bundesliga-Teams als eine Festung gilt, in dem normalerweise nur die Bayern gewinnen.

Denn auch gegen die fragilen Lausanner erwies sich die YB-Abwehr nicht ­beruhigend sattelfest, so auch beim ersten Lausanner Treffer durch Campo, als ­Wüthrich zu spät kam, um einen Querpass abwehren zu können.

Aber das spielte für die YB-Fans alles keine Rolle. Sie feierten nach dem 7:2 ihre Spieler ausgelassen, die sich nun aufmachen nach Deutschland, wo eine ganz andere Aufgabe auf sie wartet.

Der Bund

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