Jetzt wehrt sich Favre gegen die Kritik

Der Schweizer BVB-Trainer kann nicht nachvollziehen, wie schnell Trainer an den Pranger gestellt werden. Eine Spitze gegen seine Kritiker ist auch dabei.

Lucien Favre befindet sich plötzlich wieder im Hoch mit Dortmund. (Bild: Keystone)

Lucien Favre befindet sich plötzlich wieder im Hoch mit Dortmund. (Bild: Keystone)

Als Favres Endspiel bezeichneten die Medien das Auswärtsspiel gegen die Hertha am 30. November und reichten bereits Namen von möglichen Nachfolgern herum. Favre liess sich nie aus der Reserve locken, äusserte sich kaum zu seiner Situation. Keine zwei Wochen später liegt der BVB auf Rang 3 in der Bundesliga und ist im Frühjahr in der Champions League und im Pokal noch dabei. Es scheint alles wieder im Lot, und so gab Favre im Interview mit der «Sport-Bild» gut gelaunt Auskunft. Eine Spitze an seinen Kritiker konnte sich der 62-Jährige nicht verkneifen. Auszüge aus dem Interview:

«Vor einem Jahr war ich gut, und jetzt bin ich schlecht?»

Friedhelm Funkel verteidigte Favre. Mit 505 Spielen ist der aktuelle Coach von Fortuna Düsseldorf der erfahrenste Bundesligatrainer derzeit und sagte, dass er es schlimm finde, wie mit Favre umgegangen werde. Er brach eine Lanze für den Trainerkollegen: «Das ist kaum auszuhalten. Wir müssen auch mal an den Menschen denken.» Favre sagte zu der ganzen Trainerdiskussion nur, dass die Welt völlig verrückt geworden sei. «Vor einem Jahr war ich gut, und jetzt bin ich schlecht? Soll das die Wahrheit sein? Ich habe Mühe, das zu glauben.»

«Es ist schwer, Storys zu verkaufen, wenn es nicht mal ein bisschen Blut gibt.»

Die Medien seien heute sehr schnell negativ, und der Mensch habe grundsätzlich das Problem, einen Schritt zu weit zu gehen, so Favres Ansicht. Alles müsse immer schneller, höher, weiter sein. «Ich beschäftige mich aber kaum damit. Ich schaue nach vorn und und vertraue mir selbst – das ist am wichtigsten.»

«Ich habe die gleiche Philosophie wie Rafael Nadal.»

An sich selber gezweifelt habe Favre nie. «Ich habe die gleiche Philosophie wie Rafael Nadal. Er sagt: Ich gewinne oder verliere , aber ich werde mich in jedem Spiel weiterentwickeln – und dann kommt der Rest automatisch.» Wenn man 100 Prozent – nicht nur 90 – gebe, werde man langfristig Erfolg haben, so der 62-Jährige.

«Alex Ferguson ist immer zu Pferderennen gegangen.»

Um zu entspannen, brauche jeder Trainer ein Hobby, gab Favre zur Antwort auf die Frage, wie man den Druck ausblenden könne. Er braucht dazu ein Beispiel von Sir Alex Ferguson, der während seiner Zeit als Trainer von Manchester United immer zu Pferderennen ging, um abzuschalten. Und Favre? «Ich bin gerne in der Natur, interessiere mich sehr für ökologische Fragen, wie wir in Zukunft leben wollen.» Aber derzeit reiche seine Zeit nicht einmal dazu, ein Buch zu lesen.

«Du ärgerst dich und musst dich total beherrschen.»

Es sei ihm bewusst, dass die Medien manchmal dächten, dass er sie nicht möge. Aber das sei nicht die Wahrheit. Er respektiere jeden Menschen. «Natürlich ist es manchmal schwer, auf provokante Fragen zu antworten und ruhig zu bleiben, wenn es nicht läuft. Du bist unter Druck, ärgerst dich und musst dich total beherrschen. Aber Sie kennen mich: Ich kann lachen, ich kann feiern. Es bleibt manchmal nur zu wenig Zeit, dass mich alle wirklich kennen lernen.» Allerdings: Beherrschen musste er sich in den letzten Wochen häufiger, denn er stand arg im Gegenwind.

«Ich vertraue mir.»

Der Vorwurf von Experten, Medien und Fans war, dass Favre kein Titel-Trainer sei. «Ich habe gelernt, dass man auch weniger fundierte Meinungen akzeptieren und damit leben muss», so Favre in der «Sport-Bild». Er habe keine Sekunde lang das Gefühl gehabt, gefeuert zu werden. «Ich vertraue mir», begründete er das.

«Im Fussball geht es manchmal schnell.»

«Sport-Bild» zeigte Favre erst ein Foto von Jürgen Klopp mit Meisterschale. Dann Favre mit derselben Schale in der Hand. Dem ehemaligen Meistertrainer des FC Zürich gefiel die gelungene Bildmontage. Er gefalle sich mit der Schale in der Hand sogar einen Tick besser als das Original, sagte er lachend, und Klopp habe nach drei Jahren den ersten Titel mit dem BVB gewonnen. «Das Gute ist: Im Fussball geht es manchmal schnell. In Zürich waren wir 2003 nach sechs Monaten Tabellenletzter mit einer Mannschaft, die im Schnitt 21,5 Jahre alt war. In den Jahren danach haben wir den Pokal geholt, wurden zweimal Meister.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia-Fussball-Podcast

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