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«Jetzt ist es mein Spitz, der so aussieht»

Heute trifft der FC Breitenrain auf dem Spitalacker auf YB. In den Reihen des Quartiervereins stehen mehrere Spieler, die mit dem grossen Nachbarn verbunden sind, so auch Raphael Kehrli und Roberto Zingarelli.

Der eine bald 40 und früher bei YB, der andere 20 und von YB ausgeliehen: Raphael Kehrli und Roberto Zingarelli vom FC Breitenrain.
Der eine bald 40 und früher bei YB, der andere 20 und von YB ausgeliehen: Raphael Kehrli und Roberto Zingarelli vom FC Breitenrain.

Er hat eine lange YB-Vergangenheit, wird bald 40, ist der Teamälteste beim FC Breitenrain, hat im Fussball schon viel erlebt - und freut sich trotzdem wie selten zuvor auf ein Spiel. Das heutige Berner Cupduell ist auch für Raphael Kehrli ein besonderer Moment. «Es wird eine einmalige Ambiance herrschen», kommt er ins Schwärmen. Früher, mit YB und dem FCB, habe er im Cup auch in kleinen Dörfern gespielt. «Doch jetzt», sagt er, «ist es mein Spitz, der so hergerichtet ist wie damals die Plätze auf dem Lande.»

Er empfiehlt allen in seiner Mannschaft, «dieses besondere Drumherum zu geniessen» und «die Wertschätzung für eine Liga, die sonst nicht so viel Aufmerksamkeit erhält». Mit seiner Erfahrung weiss er auch, was der Aussenseiter tun muss, damit heute Stimmung aufkommt: «So lange wie möglich dagegen halten. Es fägt für die Zuschauer, wenn es lange 0:0 steht. Und wenn wir gar in Führung gehen, wird es interessant.»

YB zum Aufstieg verholfen

Raphael Kehrli war einst von Spähern in einer Kantonalauswahl entdeckt worden und als B-Junior früh zu YB gestossen. Schon mit 17 debütierte er in der ersten Mannschaft. Er, ein «bringer», also ein schmächtiger Bursche aus einer wohlbehüteten Umgebung, fand sich plötzlich unter erwachsenen Männern wieder.

«Es war damals eine grosse Welt für mich», erinnert sich Kehrli. Dennoch habe er nie enormen Druck verspürt, «ich habe nicht kämpfen oder mich aufdrängen müssen». Während er bei YB spielte, absolvierte er das Lehrerseminar und unterrichtete danach auch noch. Doch bei seiner nächsten Station, dem FC Basel, sei es undenkbar gewesen, noch einer anderen Arbeit nachzugehen.

Nach der behaglichen Zeit bei YB sei er beim FCB, damals mit Christian Gross an der Seitenlinie, «drangekommen». Auf eine Saison in Basel folgten ein Zwischenstopp beim FC Luzern und ein längeres Engagement in Yverdon. Dort spielte er in den Auf-/Abstiegsrunden gegen YB. 2:3 und 4:2 endeten die Spiele für die Waadtländer.

Bei der 2:3-Niederlage hatte der Innenverteidiger gar das 1:0 erzielt, aber auch den Penalty verursacht, den Sermeter zum Siegestor verwandelte. Er habe YB damit zum Aufstieg verholfen, scherzt Kehrli.

2004 wechselte er zum FC Biel und nahm die Lehrertätigkeit wieder auf. Nach vier Jahren in der Uhrenstadt - dort spielte er auch mit seinem heutigen Trainer Gian-Luca Privitelli zusammen - stiess er zum FC Breitenrain.

Warum mit 40 aufhören?

Obwohl Raphael Kehrli im September 40 Jahre alt wird, scheint er noch lange nicht genug zu haben. «Ich habe kein Interesse, andere Sportarten auszuüben. Ich bin nicht verletzt, in meinem Job kann ich keine Karriere machen», erklärt Kehrli, wieso es für ihn bisher keinen Grund gegeben hat, aufzuhören. ¨ Auch die Arthrose im Fuss hindert ihn nicht am Fussballspiel. Kehrli hat auch kein Problem damit, wenn er nicht zum Einsatz kommt. Wie zuletzt bei der Niederlage in La Chaux-de-Fonds, wo er erst in der 89. Minute für seinen jüngeren Bruder Nicolas Kehrli aufs Feld kam, der seit 2011 bei Breitenrain spielt und ebenfalls eine YB-Vergangenheit hat.

Die Kehrlis spielten beide in der ersten Mannschaft der Young Boys. Immer wieder finden neue Talente aus dem YB-Nachwuchs den kurzen Weg zum FC Breitenrain. Ein aktuelles Beispiel ist Roberto Zingarelli, der für diese Saison an «Breitsch» ausgeliehen ist. 20 Jahre ist der Flügelspieler, aus seinem Ziel, Fussballprofi zu werden, ist noch nichts geworden. Als Junior des FC Biel wurde er in der 8. Klasse von YB entdeckt. Er wollte aber zuerst die Schule in Biel beenden. Erst danach ging er nach Bern. Von der U-15 bis zur U-21 durchlief er alle Nachwuchsstufen bei YB.

Als Nuno Da Silva letzten Herbst zum FC Aarau wechselte, brauchte der FCB einen Ersatz. Zingarelli, bei YB in der U-21 selten eingesetzt, wechselte zum Quartierverein. Er blieb auch nach der Winterpause, obwohl sein Vorgänger zurückgekehrt war. Mit dem Wechsel von Da Silva zum FC Thun hat Zingarelli nun wieder bessere Einsatzchancen.

Young Boys statt Old Boys

Zingarelli ist optimistisch, dass er es als Profi noch packt. «Irgendwann schaffe ich es, egal wann», sagt er. Zuversichtlich stimmen ihn Beispiele wie die von Da Silva oder Christian Fassnacht, denen der Durchbruch im Teenageralter ebenfalls nicht gelungen war.

Gleich nach der Cupauslosung habe ihm jemand gesagt, dass die Old Boys der Gegner seien. Umso grösser war danach seine Freude, als er erfuhr, dass nicht die Old Boys, sondern die Young Boys der Gegner in der ersten Hauptrunde sind. «Ich kenne fast alle Spieler bei YB, einige sind gute Kollegen», sagt Zingarelli, der Ende Juni am Burkhalter Cup das Tor zum 1:0-Sieg über YB erzielt hat.

Davon träumt er auch diesmal. Auch wenn er in den Tagen vor dem grossen Cuphit noch angeschlagen war: Er hofft, dass er gegen den Club, bei dem er einen Nachwuchsvertrag hat, heute erneut zeigen kann, was er draufhat.

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