Jetzt ist es definitiv: Der Videobeweis kommt in die Schweiz

Die Swiss Football League hat der Einführung von Videoassistenten zugestimmt. Projektleiter ist ein illustrer Deutscher.

Bald auch in der Schweiz: Schiedsrichter der Serie A benutzen den VAR.

Bald auch in der Schweiz: Schiedsrichter der Serie A benutzen den VAR.

(Bild: Keystone Luca Bruno)

Florian Raz@razinger

Am Freitag haben sich die Vereine der Swiss Football League mit grosser Mehrheit für die Einführung des Videobeweises ausgesprochen. Bereits seit Oktober arbeiten zwei Projektleiter an der Einführung. Und auch die Finanzierung der Vorbereitungsphase ist organisiert. «Die Grundstimmung ist positiv», sagt Liga-Präsident Heinrich Schifferle nach Vorgesprächen mit Clubs.

Geplant ist, dass die Video Assistent Referees (VAR) ab der kommenden Saison im Einsatz stehen. Das klingt zunächst nach genügend Zeit, ist in Wirklichkeit aber ein sportlicher Zeitrahmen. Jede Liga, die den VAR einführen will, muss sich penibel an ein äusserst detailliertes Handbuch der Regelhüter des International Football Association Board (Ifab) halten.

Ein einziges Testspiel könnte 20'000 Franken kosten

Diese Vorschriften haben es in sich. Unter anderem werden Schiedsrichter und Videoassistenten bei Juniorenspielen üben. Das bedeutet, dass für diese Partien gleich viele TV-Kameras aufgebaut werden müssen, wie sie bei einem Spiel der Super League zum Einsatz kommen. Als Preis pro Testübertragung stehen vorerst 15'000 bis 20'000 Franken im Raum. Noch laufen die Verhandlungen darüber, wer die Bilder für die VAR liefern wird. Und damit auch über den Preis der Testphase. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Schweizer Videoassistenten schliesslich in Volketswil beheimatet sein werden. Dort, wo auch der Teleclub zu Hause ist, dem die Liga die Rechte an den Bewegtbildern bis 2021 verkauft hat.

Ligapräsident Schifferle war zunächst selbst überrascht von den Kosten, die alleine die Vorbereitungen auf den Videobeweis mit sich bringen. Insgesamt dürften an die 1,5 Millionen Franken anfallen, um nur schon beim Ifab eine Bewilligung für den Einsatz des VAR im regulären Ligabetrieb beantragen zu dürfen.

Eine Saison kostet über eine Million Franken

«Für Schweizer Verhältnisse ist das eine teure Sache», stellt Schifferle fest. Allerdings hat sich die Liga mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) geeinigt. Der SFV wird den Grossteil der Projektkosten übernehmen. Wenn der VAR dann einmal im Einsatz ist, wird es dafür an der Liga liegen, den laufenden Betrieb zu finanzieren. Dieser wird pro Saison zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Franken kosten.

Für die Projektphase sind zwei Leiter auf Mandatsbasis angestellt. Während Gesamtleiter Reto Häuselmann aus der Privatwirtschaft kommt, ist ein Mann mit illustrem Namen für die Ausbildung der Schiedsrichter zuständig: Hellmut Krug leitete in seiner aktiven Zeit unter anderem den Final der Champions League 1998 und pfiff EM- und WM-Spiele. Später leitete er die Schiedsrichterabteilung des Deutschen Fussballbundes (DFB). Und vor allem war er bei der Einführung des Videobeweises in der Bundesliga Projektleiter. Krug besitzt also ohne Frage das nötige Know-how für seine Aufgabe in der Schweiz.

Er geriet in seiner Heimat aber auch immer wieder negativ in die Schlagzeilen. 2017 wurden ihm kurz nacheinander erst Mobbing und Vetternwirtschaft vorgeworfen und danach auch noch, dass er als Leiter des Videobeweises zugunsten von Schalke in die Arbeit des zuständigen VAR eingegriffen habe. Der DFB entlastete ihn in beiden Fällen öffentlich. Trotzdem musste Krug aus der Schiedsrichterkommission Elite zurücktreten und die Leitung des Projekts Videobeweis abgeben.

Schweizer sollen aus deutschen Fehlern lernen

Schifferle sieht in Krugs Vorgeschichte kein Problem, sondern einen Vorteil: «Er hat schon einmal ein solches Projekt aufgebaut. Und er hat miterlebt, welche Fehler begangen wurden.» Schifferles Hoffnung: dass auch deswegen in der Schweiz nach der Einführung des VAR nicht dieselbe Aufregung herrschen wird wie letzte Saison im ersten Halbjahr nach der Einführung in Deutschland. 

Eines ist aber klar: Auch mit der Einführung des VAR wird es zu Diskussionen über strittige Szenen kommen. Das weiss auch Schifferle, wenn er sagt: «Bislang liegen die Schiedsrichter mit ihren Entscheidungen zu rund 90 Prozent richtig. Wenn wir diese Quote mit dem Videobeweis auf 96 Prozent steigern, wäre das ein Erfolg.»

Kommt der VAR in der Champions League früher? 

Auch in der Champions League war die Einführung des Videobeweises auf kommende Saison geplant. Auf Druck der Grossclubs arbeitet der europäische Verband Uefa nun aber daran, den VAR bereits nach der Winterpause ab den Achtelfinals einsetzen zu können.

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