Jetzt hat auch Favre seinen schmollenden Stürmer

Paco Alcacer ist unglücklich mit seiner Rolle bei Dortmund, und jetzt ist auch noch ein Konkurrent da. Für 40 Millionen kann der Spanier weg.

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Paco Alcacer sagt von sich selbst, ein fröhlicher und witziger Mensch zu sein. So hat er sich zumindest einmal in einem Interview beschrieben, im Sommer war das. Es ging da um seine Rolle bei Dortmund und die Frage, ob er damit klarkomme, auf der Bank zu sitzen. Tut er nicht, denn der Spanier fügte an: «Wenn ich auf der Bank sitze, mag ich nichts mehr. Dann bin ich ein komplizierter Typ, was mir selbst nicht gefällt.»

Es sind etwas mehr als fünf Monate vergangen, seit Alcacer diese Charakterstudie über sich selbst abgab. Und er müsste gerade – misst man seine Einsatzzeiten – ein sehr komplizierter Zeitgenosse sein. Über 90 Minuten durfte der Mittelstürmer letztmals im August ran, danach wurden es weniger und weniger. Im Dezember bestritt Dortmund fünf Spiele, 450 Minuten also. 440 davon verbrachte er eingekuschelt in eine wärmende Decke auf der Ersatzbank.

Trainer Lucien Favre braucht den Stürmer gerade nicht so häufig, wie dieser gerne selbst gebraucht werden will. Der Schweizer baut vor allem auf Marco Reus mit Julian Brandt, Jadon Sancho und Thorgan Hazard – auf dem Papier sind das keine Stürmer, und diese Maschinerie läuft mal besser, mal schlechter. Da gab es letztlich beispielsweise drei Tore gegen Wolfsburg, Paderborn und Leipzig, vier gegen Mainz, gar fünf gegen Düsseldorf. Aber auch keine gegen Schalke und Bayern.

Eiszeit zwischen Trainer und Stürmer

Nun scheint sich Alcacers Laune sogar noch zu verschlechtern. «Missmutig» soll der sonst so stolze Spanier über die Fussballplätze Marbellas trotten, wo Dortmund sein Trainingslager verbringt. Die «Bild» hat das beobachtet und schreibt, Alcacer würde sich «wegschmollen». Wie er das tut, ob er zum Beispiel mit verschränkten Armen dasteht und ein trotziges «Nein» von sich gibt, wenn Favre ihn auffordert, einen 50-Meter-Sprint zu machen, kommt aus dem Bericht nicht hervor. Dafür aber, dass zwischen den beiden «Eiszeit» herrscht.

Klar ist auch: Ein neuer Stürmer aus Norwegen ist ebenfalls in Marbella, und er wird wohl kaum dazu beitragen, dass sich die Laune des Spaniers in Kürze ändert. 20 Millionen Euro hat Erling Haaland gekostet, und er kommt mit 28 Toren aus 22 Spielen in dieser Saison von Salzburg nach Nordrhein-Westfalen. Es ist bei Dortmund gerade ein bisschen wie mit dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst? Alcacers Frust oder Haalands Verpflichtung? Ist der Norweger eine Ursache oder eine Folge?

Vielleicht ist es ja ein bisschen von beidem. Vielleicht haben sie sich bei Dortmund ja auch etwas falsch verstanden. Noch im November hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gesagt, es sei ein Fehler gewesen, im Sommer keinen zweiten Stürmer zu verpflichten. Da hatte Favre sich schon dazu entschieden, mit gar keinem solchen mehr zu spielen, und begann, Mario Götze oder Marco Reus ins Sturmzentrum zu stellen.

Wie einst Dembélé und Aubameyang

Alcacer wechselte bereits im August 2018 von Barcelona zu Dortmund, damals noch auf Leihbasis, für 21 Millionen Euro wurde er im Jahr darauf fest verpflichtet. Der Spanier fiel zu Beginn vor allem auf, weil er selten spielte und umso mehr traf. 18 Tore erzielte er in seiner ersten Bundesliga-Saison, nur Robert Lewandowski kam auf mehr. Zwölf davon machte Alcacer als Einwechselspieler, im Schnitt traf er alle 67 Minuten. Darum auch die Frage im eingangs erwähnten Interview, ob ihm die Bank gefalle.

Nun hat Dortmund Erfahrung mit Stürmern, die sich «wegschmollen» möchten. Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang fühlten sich einst zu Höherem berufen und erstreikten sich ihre Wechsel nach Barcelona und London. Sie hätten bei Dortmund Einsatzzeit zur Genüge erhalten, ihre Situation war anders als die von Alcacer jetzt – für 40 Millionen Euro kann er gehen, das ist die Schmerzgrenze des Vereins. 40 Millionen, um Paco Alcacer wieder fröhlich und witzig zu sehen.

mro

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