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Nun eskaliert der Streit um Neymar

PSG provoziert, Barça klagt, Neymar versucht die Wogen zu glätten – und aus Madrid kommt ein Seitenhieb.

«Er hat unterzeichnet!», freut sich die französische Zeitung «L'Equipe». Schliesslich kommt Neymar ins Land, genauer zu PSG – Paris St Germain.
«Er hat unterzeichnet!», freut sich die französische Zeitung «L'Equipe». Schliesslich kommt Neymar ins Land, genauer zu PSG – Paris St Germain.
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Anders sieht es im Land aus, das er verlässt. «Er geht, wie er gekommen ist», so das Fazit des «El País»-Journalisten. Neymar war vier Jahre bei Barcelona unter Vertrag und erzielte 123 Tore.
Anders sieht es im Land aus, das er verlässt. «Er geht, wie er gekommen ist», so das Fazit des «El País»-Journalisten. Neymar war vier Jahre bei Barcelona unter Vertrag und erzielte 123 Tore.
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Auch «Blick» feiert vor allem den Rekordbetrag von 222 Millionen.
Auch «Blick» feiert vor allem den Rekordbetrag von 222 Millionen.
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Es schien von Anfang an ein Racheakt zu sein. Ein Akt der Vergeltung, den PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi breits vor Jahren angekündigt hatte, als Barça den Innenverteidiger Thiago Silva in die katalanische Metropole locken wollte. «Wenn Barça Thiago holt, kaufe ich Messi», lautete damals die Drohung des 43-Jährigen.

Fünf Jahre später baggerten die Spanier an Mittelfeldstar Marco Verratti solange, bis PSG genug hatte. Verratti musste bleiben und sein Berater gehen – dieser erfuhr davon in den sozialen Medien – und wenige Tage später wurde das Pariser Interesse an Neymar publik. Und darauf sagte Al-Khelaifi, angesprochen auf die Personalie Neymar: «Dazu will ich mich nicht äussern. Wir in Paris respektieren die Verträge.» Ein klarer Seitenhieb. Verratti hat keine Ausstiegsklausel. Neymar schon. Um auch am Vollzugstag des Transfers keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sandte PSG via Twitter eine klare Provokation in Form von Verrattis hochgehaltenem Daumen nach Barcelona.

Doch damit nicht genug. Als Neymar in den sozialen Medien vorgestellt wurde, packte die PR-Abteilung von Paris einen nächsten Seitenhieb unter das Video. In Anlehnung auf Gerard Piqués «se queda» («er bleibt») vor einer Woche schrieben die Franzosen: «Se firma». «Man unterschreibt».

Und der FC Barcelona? Lange ignorierten die Vereinsverantwortlichen die Spekulationen. «Die 222 Millionen Euro Ausstiegsklausel ist unmöglich zu bezahlen, wenn man das Financial Fairplay einhalten möchte», sagte etwa Präsident Josep Maria Bartomeu, und sein Vize Jordi Mestre doppelte nach: «Neymar bleibt zu 200 Prozent in Barcelona.» Nun, er blieb nicht. Ein Stich ins Herz der stolzen Katalanen, ein Transfer, der alte, verheilt geglaubte Wunden aufreisst. Maradona, Ronaldo, Romario und nicht zuletzt Figo sind einige Beispiele an Topstars, die Barça gegen den Willen des Vereins verliessen. Diese Zeiten seien vorbei, glaubte man in Barcelona. Aus Arroganz? Naivität?

Tief gekränkt plant der 24-fache spanische Meister nun den Gegenschlag. Im Communiqué zu Neymars Abschied schrieb der Club zum Schluss: «Wir übergeben die Details der Operation an die Uefa, damit die Verantwortlichen diesen Transfer überprüfen können.»

Neymar wurde diesen Sommer der mit Abstand teuerste Spieler der Fussballgeschichte. Paris St-Germain zahlte für den Brasilianer 222 Millionen Euro. Klicken Sie sich durch die zwölf teuersten Transfers.
Neymar wurde diesen Sommer der mit Abstand teuerste Spieler der Fussballgeschichte. Paris St-Germain zahlte für den Brasilianer 222 Millionen Euro. Klicken Sie sich durch die zwölf teuersten Transfers.
Reuters
Dieser Transfer liegt zeitlich am weitesten zurück: Im Sommer 2001 zieht es Zinédine Zidane (l.) von Juventus Turin zu Real Madrid. Real zahlt 76 Millionen Euro (83 Mio. Franken) – für diese Zeit eine extrem hohe Summe. Als Spieler hatte Zidane Weltklasseformat. Und auch als Trainer der Madrilenen ist der Franzose erfolgreich. Er hat bereits zweimal die Champions League und einmal die Meisterschaft gewonnen.
Dieser Transfer liegt zeitlich am weitesten zurück: Im Sommer 2001 zieht es Zinédine Zidane (l.) von Juventus Turin zu Real Madrid. Real zahlt 76 Millionen Euro (83 Mio. Franken) – für diese Zeit eine extrem hohe Summe. Als Spieler hatte Zidane Weltklasseformat. Und auch als Trainer der Madrilenen ist der Franzose erfolgreich. Er hat bereits zweimal die Champions League und einmal die Meisterschaft gewonnen.
Keystone
Der Brasilianer ist als einziger Spieler doppelt auf dieser Liste zu finden. Diesen Sommer war Paris Saint-Germain bereit, Neymars festgeschriebene Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro (250 Millionen Franken) zu bezahlen. Nach langem Spekulieren ist der Transfer von Barcelona in die französische Hauptstadt perfekt – und Neymar der teuerste Transfer in der Geschichte des Fussballs. Wie lange wird der Rekord halten?
Der Brasilianer ist als einziger Spieler doppelt auf dieser Liste zu finden. Diesen Sommer war Paris Saint-Germain bereit, Neymars festgeschriebene Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro (250 Millionen Franken) zu bezahlen. Nach langem Spekulieren ist der Transfer von Barcelona in die französische Hauptstadt perfekt – und Neymar der teuerste Transfer in der Geschichte des Fussballs. Wie lange wird der Rekord halten?
Keystone
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Und Barças Frust bekommt nun auch der Spieler zu spüren. Die innige, vierjährige Liebesbeziehung endet in einem schmutzigen Scheidungskrieg. Denn wie die Zeitung «Sport» schreibt, zerrt Barça Neymar nun vor Gericht. Es geht um die 26 Millionen Handgeld, die Neymar Senior für die Vertragsverlängerung, vereinbart vor einem Jahr, am 31. Juli hätte erhalten sollen. Während Spieler und Vater auf die komplette Auszahlung pochen, hat Barcelona den Betrag eingefroren und will maximal 20 Prozent davon auszahlen. Schliesslich haben die Neymars nur einen Fünftel der vereinbarten Kontraktlänge eingehalten. Ausserdem fühlen sie sich in den Büros des Camp Nou veräppelt. Denn der Bekanntgabe des Wechsels, zwei Tage nach dem abgemachten Auszahlungstermin, dürfte kein Zufall sein.

Hier kommt Neymar, um sich von seinen Teamkollegen zu verabschieden. Video: Tamedia/AFP

Neymar Jr. selber war am Donnerstagabend bemüht, die Wogen zu glätten. In einer emotionalen Abschiedsnachricht an Fans und Spieler von Barça bedankte er sich insbesondere bei Messi für die Zusammenarbeit: «Ich hatte die Ehre, mit dem grössten Athleten zu spielen, den ich in meinem Leben gesehen habe.» Der Entscheid sei ihm schwer gefallen, «aber ich habe in meinem Herz gespürt, dass die Zeit gekommen ist, den Club zu verlassen.» Gleichzeitig versuchte der 25-Jährige seinen Vater aus der Schusslinie zu nehmen, der für die Verträge zuständig ist und als Strippenzieher des Wechsels gilt: «Ich hoffe du akzeptierst meinen Entscheid und unterstützt mich weiterhin, so wie du es immer getan hast.»

Apropos Verträge. Wie es sich in Spanien gehört hat auch der Erzrivale eine Meinung zu den Geschehnissen. Die Sportzeitung «Marca», in Madrid so etwas wie Reals Hausorgan, erinnerte Barça subtil daran, dass dessen Präsident Florentino Perez etwas schlauer war: «Die Real-Stars haben echte Anti-Scheich-Klauseln.» Cristiano Ronaldo, Bale und Benzema dürfen für 1 Milliarde Euro gehen, Kroos, Modric, sowie der neuverpflichtete Ceballos für 500 Millionen. Diese Beträge halten die Öl- und TV-Milliarden aus Paris und England fern. Noch.

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