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Jenseits von Schweden

Wer weiss, vielleicht legt das Christkind YB ja den neuen Prytz unter den Weihnachtsbaum.

Grädel ist als YB-Fan bekanntlich bekennender Anhänger und eifriger Anwender des Konjunktivs. Der Konjunktiv sei die Sprache der Verlierer, liest man immer wieder, wenn Fussballer mit «hätti» irgendwelche Pleiten schönzureden versuchen. Wie der menschliche Organismus verfügt also auch die Sprache über eine Art Hormon, das sie in den schmerzvolleren Augenblicken ausschütten kann und das imstande ist, den gesunden Menschenverstand zumindest kurzzeitig etwas zu vernebeln.

Das funktioniert dann in etwa so: Hätte YB nach den ersten fünf erfolgreichen Spielen einfach stinkfrech weitergesiegt, dann hätte man jetzt 54 Punkte auf dem Konto, sagenhafte 25 mehr als Basel; der Stapi könnte schon mal unverbindlich anfragen, ob der Bundeshausbalkon im Frühling für eine Meisterfeier zur Verfügung stehen würde. Bei ständiger Überdosierung kann die Wirkung solcher Hormone natürlich umschlagen und zu einem Realitätsverlust führen. Die Wirklichkeit ist in Grädels Fall für einmal aber gar nicht so unerträglich: Zwei Punkte Rückstand auf den Leader zur Winterpause, da braucht es eigentlich wahrlich keine Drogen, um die Tabelle in Rosa wahrzunehmen.

Wie es damals war

Grädel könnte dazu einfach noch einige Fakten aus der Saison 85/86 zitieren. Da war bis zum Ende alles ganz eng beieinander, läppische fünf Punkte trennten Meister YB damals vom bereits nur noch fünftplatzierten GC. Die Vorrunde hatte YB nur als Fünfter beendet. Aber dann kam dieser Robert Prytz, und mit ihm nicht nur der letzte Meistertitel, sondern zuerst einmal etwas sprachliche Verwirrung auf die baufälligen Tribünen im alten Wankdorf. Pritz? Prütz? Neulich stiess Grädel im Internet auf ein filmisches Porträt der schwedischen Spielerlegende. Offenbar wird im Schwedischen das Y zum Ü. Die Frisur immer noch wallend wie damals und mit einem kleinen Bäuchlein zeigte sich Prytz da. Als einfacher Zügelmann arbeite er jetzt, er kämpfe mit einer Gesichtslähmung und mit seinem ehemaligen Agenten, der ihm noch drei Millionen schulde.

Wer weiss, vielleicht legt das Christkind YB ja den neuen Prytz unter den Weihnachtsbaum, wenn er denn nicht schon da ist und es bloss noch niemand richtig bemerkt hat. Gerade in der Adventszeit ist es doch legitim, auf ein grösseres oder kleineres Wunder zu hoffen, findet Grädel. Natürlich ist der Konjunktiv die Sprache der Verlierer. Aber ein kleines bisschen auch die von all denen, die noch Träume für die Rückrunde haben.

Nach der Achterbahnfahrt in der Vorrunde braucht Grädel Ferien. Er meldet sich frisch motiviert am 23. Januar wieder und wünscht frohe Festtage.

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