Je später der Abend

Der FC Thun verspielt gegen GC nach einem Zwei-Tore-Vorsprung in der Nachspielzeit den zehnten Saisonsieg.

Der späte Schreckensmoment für den FC Thun: Tarashajs Schuss muss Goalie Faivre zum 2:2 passieren lassen.

Der späte Schreckensmoment für den FC Thun: Tarashajs Schuss muss Goalie Faivre zum 2:2 passieren lassen.

(Bild: Keystone)

Es war kalt geworden nach einem schönen Frühlingstag im Berner Oberland. Und nach der Enttäuschung des verpassten Sieges fühlten sich die tiefen Temperaturen zu später Stunde in der Thuner Stockhorn Arena noch etwas kühler an. In der letzten der drei Nachspielminuten verwertete der eingewechselte Shani Tarashaj einen Abpraller zum Ausgleich für die Grasshoppers und liess damit die Thuner Spieler ratlos auf dem Kunst­rasen und das Publikum fassungslos auf den Tribünen zurück.

Frontino nutzt seine Chance

Dabei hatte das Spiel für Thun optimal begonnen. Bei den Einheimischen kam wieder einmal Gianluca Frontino von Anfang an zum Einsatz, in der Rückrunde war bisher meistens Neuzuzug Karlen auf der Position des hängenden Stürmers hinter Sadik zum Zug gekommen. Und wie so oft entpuppte sich der Personalentscheid von Trainer Urs ­Fischer als richtig. Frontino brachte seine Mannschaft nach Vorarbeit von Ferreira schon in der 10. Minute in Führung.

Die Grasshoppers bekundeten Mühe ins Spiel zu kommen und die Berner vergaben mehrere Gelegenheiten die Führung auszubauen. Für Sulmoni und Frontino war es in der 22. Minute fast schwieriger, das Tor nicht zu erzielen. Kurz nach der Pause erhöhte Andreas Wittwer nach einer herrlichen Vorarbeit, die mit geschickten Zuspielen von Ferreira und Sutter endete, doch noch auf 2:0, das Spiel schien seinen vorbestimmten Weg zu nehmen.

Doch nach der Partie war Andreas Wittwer nicht mehr ums Feiern, trotz seines sehenswerten Tors war ihm die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: «Mit dem 2:0 kurz nach der Pause schien alles für uns zu laufen. Anschliessend hatten wir das Spiel im Griff. Nach dem vermeidbaren 2:1 haben wir irgendwie den Mut verloren, dabei hätten wir genügend Möglichkeiten gehabt, das 3:1 zu erzielen. Jetzt bleibt uns nur der eine Punkt, mit dem wir nicht zufrieden sind. Ich werde mich noch lange ärgern, das ist wirklich sehr, sehr schade.»

Fischers Ärger über Ballverluste

Verärgert zeigte sich auch Urs Fischer: «Nach diesem Spiel können wir nicht zufrieden sein. Wir hatten zahlreiche und in meinen Augen sehr gute Chancen, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Aber heute haben wir eindeutig zu viele Fehler gemacht», sagte der Thuner Trainer. «Wie beim Ballverlust, der dann wenige Sekunden vor Schluss noch zum Ausgleich führte. Wir waren allgemein zu wenig genau. Das müssen wir besprechen und im nächsten Spiel unbedingt besser machen.»

Die Rückkehr von Benjamin Lüthi

Die Zufriedenen waren in der Stockhorn Arena nach der Partie in der Minderheit, zu ihnen zählte aber Benjamin Lüthi, langjähriger Thun-Spieler und Sohn des Präsidenten Markus Lüthi. Er war nach seinem Abgang bei Thun lange ohne Klub geblieben, ehe er dann Anfang Dezember als Vereinsloser bei GC anheuerte. Sein Engagement bei den Hoppers begann dann mit einer Verletzung, er stand am Samstag erst zum zweiten Mal in der Startaufstellung. Gar zum ersten Mal in seiner Karriere spielte Lüthi gegen seinen ehemaligen Klub und gehörte nach dem Last-Minute-Punkt­gewinn zu den eigentlichen Siegern.

Für Lüthi war die Rückkehr speziell: «Es war am Anfang recht komisch, doch nach ein paar Minuten habe mich dann zurechtgefunden. Die acht Monate ohne Fussball waren eine schwierige Zeit und ich habe gelernt, alles ein bisschen ruhiger zu nehmen.» So hörte Sohn Benjamin auch nicht auf den SMS-Ratschlag von Vater Markus, der ihm am Vorabend mit einem Augenzwinkern riet, nicht zu früh ins Bett zu gehen.

Der Bund

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