Ist der Clásico der grosse Vorteil für Bayern und Chelsea?

Nächste Woche treten die Bayern und Chelsea zu den Rückspielen in der Champions League an. Ihre Gegner Real Madrid und Barcelona duellieren sich zuvor in der Primera Division. Über die Folgen für die CL sind sich die Experten uneinig.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Real Madrid und Barcelona haben sich im Gegensatz zu den Bayern und Chelsea in der heimischen Liga noch nicht aus dem Titelrennen verabschiedet. Am Samstag könnte beim Gipfel zwischen den beiden sogar eine Vorentscheidung im Kampf um die spanische Meisterschaft fallen. Leader Real führt die Tabelle mit vier Punkten vor den Katalanen an.

«Das kostet Substanz»

«Ich bin überzeugt, dass der Klassiker zwischen Barça und Real jetzt der ganz grosse Vorteil für die Bayern und Chelsea ist», sagt der zukünftige FCZ-Trainer Rolf Fringer, der das Hinspiel in München live im Stadion miterlebt hat. Für die Bayern sei die Meisterschaft bei acht Punkten Rückstand auf Dortmund drei Runden vor Schluss gelaufen. Auch Chelsea sei im Titelrennen in England draussen. Die beiden Teams könnten sich in der Meisterschaft am Samstag in den Spielen gegen Bremen und Arsenal getrost ausruhen. «Wenn Real den Klassiker gegen Barça verliert, schmilzt der Vorsprung auf einen Punkt. Und dann liegt das Momentum wieder bei den Katalanen», mutmasst Fringer. Deshalb müssten Real und Barcelona am Samstag noch einmal alle Kräfte mobilisieren. «Das wird enorm Substanz kosten.»

«Das spielt überhaupt keine Rolle»

Ganz anderer Meinung ist hingegen Ciriaco Sforza. «Dass Barcelona und Real am Samstag noch aufeinandertreffen, hat keine Auswirkungen auf die Champions League», sagt der Aargauer, der unter Ottmar Hitzfeld mit den Bayern die Champions League gewonnen hat. «Die Spieler von Real und Barcelona sind sich seit Jahren gewohnt, einen Ernstkampf nach dem anderen in einem Dreitages-Rhythmus zu bestreiten. Das sind alles austrainierte Profis, die auch mental unheimlich stark sind», sagt der vor einer Woche zurückgetretene Trainer der Grasshoppers. «Und es ist ja auch nicht so, dass Real und Barcelona gegen die Bayern und Chelsea drei oder vier Tore aufholen müssten.»

Ähnlich denkt der Spanienkenner Günter Netzer. «Dass Real noch gegen Barcelona in der Meisterschaft antreten muss, spielt für die Champions League überhaupt keine Rolle», sagt der ehemalige Star von Real Madrid. Das Spiel finde ja bereits am Samstag statt. «Real hat dann noch vier, Barcelona noch drei Tage Zeit, um sich zu regenerieren.» Für austrainierte Profis sei dies überhaupt kein Problem.

«Sie können sich nicht darauf verlassen, die Champions League zu gewinnen»

Luzerns Trainer Murat Yakin hingegen ist eher Fringers Meinung. «Kräftemässig könnte das Spiel zwischen Barcelona und Real durchaus Auswirkungen auf die Champions League haben», sagt der ehemalige Abwehrchef der Schweizer Nationalmannschaft. Am Ende einer Saison liessen die Kräfte immer mehr nach. «Und man darf auch nicht vergessen, dass Real und Barcelona ihre Hinspiele in der Champions League verloren haben. Sie können sich nicht darauf verlassen, die Champions League zu gewinnen. Umso mehr werden und müssen sie jetzt auch sämtliche Kräfte in den spanischen Spitzenkampf legen.»

«Barcelona und Real sind diesen Rhythmus gewohnt»

Jörg Stiel, Moderator des Fussballtalks «kick-it» im Schweizer Sportfernsehen (SSF), glaubt hingegen nicht, dass der spanische Klassiker Auswirkungen auf die Champions League hat. «Barcelona und Real sind auf jeder Position zwei-, wenn nicht dreifach mit Topspielern besetzt. Da kann man schon den einen oder anderen problemlos zur Schonung pausieren lassen», sagt der ehemalige Nationaltorhüter. Zudem seien die beiden spanischen Spitzenteams auch mental unheimlich stark. «Das sind Spieler, die es seit Jahren gewohnt sind, in jeder Woche drei Partien auf höchstem Niveau auszutragen. Nein, Barcelona wird am Dienstag gegen Chelsea parat sein. Das Gleiche gilt auch am Mittwoch für Real im Heimspiel gegen die Bayern.»

DerBund.ch/Newsnet

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