In einer Selbstverständlichkeit

YB geht an der Liga-Spitze unbeirrt voran. Das 5:1 gegen Sion offenbart das immense Berner Selbstvertrauen.

Berner Glücksgefühle nach dem 5:1: YB-Doppeltorschütze Jean-Pierre Nsame tänzelt mit seinen Mitspielern vor der Fankurve.

Berner Glücksgefühle nach dem 5:1: YB-Doppeltorschütze Jean-Pierre Nsame tänzelt mit seinen Mitspielern vor der Fankurve.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Hinterher, da gibt es im Fussball oft Uneinigkeiten. Am frühen Sonntagabend, nach einem diskussionslosen 5:1 von YB über Sion, gab es im Stade de Suisse nur eine: Sind die Berner so stark? Oder die Sittener so schwach? Tatsächlich wohnten die etwas mehr als 18 000 Zuschauer dem vielleicht gerade ungleichsten Duell in der Super League bei. Hier die Young Boys, ein in diesen Wochen nicht nur stolzer, sondern vor allem auch unnachgiebiger Tabellenführer. Dort der FC Sion, eine uninspirierte Ansammlung von Fussballern, die nicht recht zu wissen scheinen, was sie miteinander anfangen sollen, mit einem neuen Trainer, der «vor einem Berg Arbeit steht», wie Gabri selber nach seinem Debüt sagte.

Jubelnde Berner und konsternierte Walliser also waren keine allzu mutige Vorhersage. Dennoch überraschte, wie harmlos die Gäste auftraten und wie früh die Young Boys klare Verhältnisse schufen. Fassnacht traf nach neun Minuten aus bester Position den Ball nicht, es war eine Art Warnung für die Szene zwei Minuten später, welche dann Sulejmani zum Tor nutzte. Exemplarisch für den Erfolgswillen bei YB war, wie sich Verteidiger Mbabu vor dem 1:0 durchsetzte, wie er einen Ball erlief, der schon verloren schien, wie er ihn von der Grundlinie kratzte und perfekt zur Mitte brachte, wo Sulejmani schliesslich ohne Mühe vollendete. Und weil Assalé zwar erst das Tor mit einem Kopfball verpasste, doch dann auf Vorlage von Sanogo traf, fragte sich der Betrachter nach knapp 20 Minuten, in welchem Resultat diese einseitige Veranstaltung wohl gipfeln könnte.

Das Blackout blieb Randnotiz

Der Kantersieg schien beschlossene Sache – bis in der 36. Minute aus heiterem Himmel das 1:2 fiel. YB-Hüter von Ballmoos hatte einen Aussetzer und griff nach einem langen Ball nicht ein, auch Verteidiger Bürki wartete zu – lachender Dritter war Sion-Flügel Cunha. Der Brasilianer brachte den Ball zur Mitte, Kasami traf zum Anschluss. Vom Unvermögen und vom Zeitpunkt her hätte so eine Szene hervorragend als Bruch in die Partie gepasst. Hätte. Denn wie gross die Gefahr war, dass die Young Boys nun ins Wanken geraten würden, zeigten sie gleich selbst. Der Berner Druck blieb unverändert und nur zehn Minuten nach dem Gegentor war Nsame nach feiner Einzelleistung für den spektakulärsten Moment des Spiels besorgt. Erst spielte er Sions Ricardo aus, dann hämmerte er den Ball in der nahen Torecke zum 3:1 unter die Latte. Ist der Trainer ob so viel Gelassenheit in heiklen Momenten bisweilen selber beeindruckt von seinem Team? «In meiner Zeit hier habe ich auch schon erlebt, dass uns solche Ereignisse aus der Bahn geworfen haben», sagte Hütter. «Aber es ist gerade schwierig, uns in unserem Selbstvertrauen zu verunsichern. Und dieses Selbstvertrauen haben wir uns hart erarbeitet.»

Und so blieb das Blackout von von Ballmoos letztlich eine Randnotiz, das Gegentor an sich der einzige Makel einer ansonsten restlos souveränen Vorstellung. YB-Trainer Hütter hob später die exzellente Balance in seiner Mannschaft hervor: «Wir haben es gut verstanden, schnell umzuschalten, und hätten gar noch öfter treffen können.» Tatsächlich verzeichnete YB in der ersten Phase des Spiels sogar weniger Ballbesitz – was aufgrund der vielen Chancen vor allem für den Zug der Berner aufs Tor sprach.

Mit breiter Brust nach Basel

Der blieb auch nach dem vorentscheidenden 3:1 unvermindert stark. Es ist beeindruckend, mit welcher Unnachgiebigkeit die YB-Offensive derzeit zu Werke geht. Sulejmanis Penaltytor zum 4:1 und Nsames Schlusspunkt zum 5:1 waren Ausdruck des Berner Torhungers, ebenso ist es das Torverhältnis von 32:11.

Unter Druck agiert diese Equipe jedenfalls unvermindert stark. Die Konkurrenz war in dieser Runde ja für einmal vor den Young Boys an der Reihe. Das 0:0 zwischen Zürich und dem FCB am Samstagabend war ein gutes Resultat für YB gewesen, hatte ein klein wenig aber auch den Siegzwang erhöht. Sieben Punkte Vorsprung sind es jetzt auf den Meister und Verfolger, die Berner werden nächsten Sonntag mit entsprechend breiter Brust nach Basel zum Spitzenspiel reisen.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt