In der Hektik verschafft sich YB Luft

Unter Interimstrainer Harald Gämperle gelingt YB beim 3:1 gegen Thun der erste Saisonsieg. Nur der Platzverweis von Hoarau trübt den engagierten Auftritt der Stadtberner.

Der eingewechselte Tabakovic schliesst den perfekt gespielten Konter in der 83. Minute erfolgreich ab und stellt mit dem 3:1 den ersten YB-Sieg sicher.

Der eingewechselte Tabakovic schliesst den perfekt gespielten Konter in der 83. Minute erfolgreich ab und stellt mit dem 3:1 den ersten YB-Sieg sicher.

(Bild: Keystone)

Als Schiedsrichter-Assistent Sandro Pozzi kurz vor der Pause mit wehender Fahne über den Platz in den Thuner Strafraum zu seinem Schiedsrichter ­Stephan Klossner rannte, bedeutete das Unheil für YB: Der Assistent meldete Klossner die Tätlichkeit von Hoarau. Der Franzose, der zuvor von Schindelholz am Leibchen gezupft und provoziert worden war, hatte sich mit einem Schlag gegen den Hals des Thuners revanchiert.

Das Verdikt war klar: rote Karte für Hoarau, hitzige Worte, Lamento unter den Spielern und ein Pfeifkonzert gegen den Schiedsrichter. Und nur Sekunden später Jubel und Trubel bei YB. Gajic schlug die Freistossflanke vor das Tor, Nuzzolo irritierte Goalie Faivre und der Ball fand den Weg ins Netz.

So ging YB bei der Premiere unter ­Interimstrainer ­Harald Gämperle doch noch mit einer 2:1-Führung in die Pause. Die Berner waren drei Tage nach der Entlassung von Uli Forte mit dem Vorsatz in das Berner Derby gestartet, mit Vehemenz und Tempo die Initiative an sich zu reissen. Das Führungstor nach 13 Minuten durch Vilotic, der den Ball nach einem Freistoss von Bertone hinter die Linie bugsierte, sorgte bei den gestressten Young Boys wohl für erste Erleichterung. Doch so richtig befreit spielte YB auch danach nicht auf. Die Turbulenzen der letzten Tage hatten offensichtlich Spuren hinterlassen. Und praktisch mit der ersten Möglichkeit glich Thun durch einen Kopfball von Rapp vorübergehend zum 1:1 aus. Die YB-Abwehr, zuvor nie richtig unter Druck, zeigte erneut einen Blackout, wie schon so oft in dieser noch jungen Saison.

Hoaraus Tat «unentschuldbar»

Auch die heftigen Diskussionen von Sportchef Fredy Bickel mit einem Schiedsrichter-Betreuer auf dem Platz beim Gang in die Halbzeitpause zeugten nicht von Ruhe und Gelassenheit. Bickel indes relativierte den Disput nach ­Spielende. Er sei selbst überrascht gewesen, als er die Szene im Fernsehen gesehen habe. Dabei sei es ihm nur darum gegangen, von Bergen vor einer verbalen Entgleisung und Gelb-Rot zu bewahren. Der YB-Captain war nach dem Halbzeitpfiff gegenüber dem Schiedsrichter ziemlich aufgebracht. Und Bickel betonte: «Der Platzverweis von Hoarau ist korrekt. Seine Tat ist unentschuldbar. Das darf einem Routinier nicht passieren.»

Dabei hätten die Thuner in der Summe mehr Anlass gehabt zu hadern. Beim ersten YB-Tor kam YB zu einem Freistoss, der wohl keiner war, und beim Treffer zum 2:1 stand Nuzzolo knapp im Abseits und irritierte den ­Thuner Goalie Faivre.

In Überzahl aber taten sich die Oberländer nach der Pause schwer. Ein fulminanter Weitschuss von Schindelholz, der vom Pfosten abprallte, war die beste Möglichkeit der Gäste, die sich dann in der 84. Minute durch einen Konter über Zakaria, Nuzzolo und Tabakovic zum 3:1 erwischen liessen.

Einwechselspieler Zakaria gewann in dieser Aktion den entscheidenden Zweikampf und der ebenfalls eingewechselte Tabakovic traf ins Tor. So sind auch die personellen Entscheidungen von Gämperle aufgegangen, der hinterher sehr ruhig und gelassen den Kampfgeist, die Solidarität und das gute Defensivverhalten lobte.

Leonardo Bertone sprach von kleinen taktischen Retouchen. «Ich spielte etwas offensiver als unter Forte, Gajic dagegen hatte die defensivere Rolle.»

Bickels Erleichterung

Entscheidend aber war: Diesmal hatte YB in den kritischen Szenen das Wettkampfglück. Und in der zweiten Halbzeit, als die Mannschaft in Unterzahl vor eigenem Publikum sich logischerweise auf das Kontern verlegte, sah YB besser aus als die umständlich agierenden und etwas matt wirkenden Thuner.

Er sei froh um diesen Sieg, das setze ihn bei der Trainersuche weniger unter Zeitdruck, sagte Bickel. Und Gämperle sprach von den sieben Spielen, die in den nächsten drei Wochen auf YB warten. «Ich kenne meine Aufgabe, ich versuche mit der Mannschaft möglichst erfolgreich durch diese Phase zu kommen. Aber ich habe auch keine Mühe, danach wieder ins zweite Glied zurückzutreten.»

Der Bund

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