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Im Wettfieber

Fussballgott Grädel ist unbedarft ins Wettgeschäft eingestiegen.

Grädel wettet jetzt überraschend auch. Als Inspiration dienen ihm Professionals aus der Welt des grossen Fussballs, die erzählen, wie sie in den edlen Hotelhallen vor den Fahrstühlen stehen und sich in der Prophetie üben, welche Lifttüre sich zuerst öffnen wird: links, rechts, Mitte? Oder die Spieler stehen nach Flügen grüppchenweise zusammen und vereinbaren Wetten, welcher Koffer zuerst aufs laufende Band fällt. Einsatz: ein paar Tausend Euro – oder auch mehr, wer weiss das schon?

Das Wettprojekt hat die Dynamik in seinem Leben beflügelt. Wetter sind ja «Durchblick-Profis», – und Grädel hat gemerkt, wie viele Menschen in seinem Umfeld der Begehrlichkeit erliegen – auch er ist davor nicht gefeit, überall durchblicken zu wollen. Sokrates Satz «Ich weiss, dass ich nichts weiss» (kann) muss als verlorene Tugend bezeichnet werden.

Psychische Dynamik des Wettens

Grädel ist unbedarft mit seiner Frau ins Wettgeschäft eingestiegen. Wer einen vom anderen in die Höhe geworfenen Schneeball in der Luft zuerst trifft, muss kochen und abwaschen. Ganz lustig eigentlich. Grädel kochte und wusch ab. Es war einfach nicht vorauszusehen, dass seiner Frau ein solcher Glücksschuss gelingen würde.

Komplizierter in der psychischen Dynamik war die Wette um ein Nachtessen. Wer schaltet während einer Woche den TV-Apparat abends weniger oft ein. Grädel fand die Wette eine gute Idee, weil sie beide ja schon öfters darüber diskutiert hatten, doch etwas weniger Zeit vor dem schwarzen Altar im Wohnzimmer zu verbringen. Die Wette führte allerdings zu einer gewissen Lähmung im Zusammenleben. Nach dem Essen sassen beide bisweilen am Tisch, es wurde halb acht, 19.30 Uhr – ja die Tagesschau lief schon, beide hörten das Signet im Kopf hallen und stellten sich die Schlagzeilen dazu vor –, aber keiner rührte sich von der Stelle. Kriegsstimmung wäre jetzt ein übertriebener atmosphärischer Ausdruck, aber ganz relaxed war die Stimmung nicht. Grädel verlor den Wettkampf ehrenvoll 2:3. Immerhin zwei Abende ohne Fernsehen – dank Grädels Initiative.

Nach diesen zwei Niederlagen hofft Grädel, mindestens seine dritte Wette mit seinen Kollegen nicht zu verlieren. Die Fragestellung ist: In welchem Spiel kassiert Bobadilla beim FC Basel seine erste Rote Karte? Im ersten, zweiten, zehnten? Grädel graust jetzt schon davor, im Bobadilla-Leibchen das Spiel YB - FC Basel im Stade de Suisse verfolgen zu müssen. Dies bitte nicht! Die Schlusssequenz gehört Grädels Frau. Sie sagte: «Grädel Mäuschen, lass uns dieses Projekt beenden, es nimmt zu schnell zu viel Eigendynamik an.»

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