Im Wallis wieder Rückhalt gefunden

Der Traum von der Premier League war für den ehemaligen YB-Spieler Elsad Zverotic kurz. Doch er haderte nicht und hat beim FC Sion Fuss gefasst.

Nach Premier wieder Super League: Elsad Zverotic gehört beim FC Sion zu den Leistungsträgern.

Nach Premier wieder Super League: Elsad Zverotic gehört beim FC Sion zu den Leistungsträgern.

(Bild: EQ Images)

Den YB-Fans bleibt er vor allem durch seinen Treffer an der Anfield Road in ­Erinnerung. Mit einem fulminanten Weitschuss erzielte Elsad Zverotic kurz vor Spielende den Ausgleich zum 2:2 gegen Liverpool in der Europa League. Es war ein denkwürdiger Auftritt der Young Boys am 22. November 2012 in diesem mythischen Stadion.

Neun Monate später wechselte Zverotic von Bern nach London. Seine neue Heimstätte war nun das Craven Cottage unmittelbar am Ufer der Themse. Doch der Traum vom englischen Fussball und dem FC Fulham ­dauerte nicht lange.

Kurzes Zwischenspiel

Zverotic war lediglich drei Monate bei Fulham, als Trainer Martin Jol, der sich für den Transfer des Defensivspielers starkgemacht hatte, entlassen wurde. Nachfolger Rene Meulensteen habe ihm und anderen Teamkollegen danach unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie in seiner Planung keine Rolle mehr spielten, erzählt Zverotic.

Auch wenn Meulensteen nur für drei Monate das Sagen hatte und danach durch den ebenfalls erfolglosen Felix Magath abgelöst wurde, blieb die Situation für Zverotic prekär. Auf der Ersatzbank musste er mit ansehen, wie Fulham abstieg.

Neuer Alltag

So war er froh, als das Abenteuer durch Sions Präsidenten Christian Constantin beendet wurde. Etwas frustriert, aber mit gut gefülltem Bankkonto kehrte der 29-Jährige im Februar 2015 in die Schweiz zurück. Zverotics Trainingsalltag spielt sich jetzt in Martigny ab. Eingeklemmt zwischen einer Strasse und dem Fluss Dranse liegt das Trainingsgelände des FC Sion. Karg eingerichtet mit einem Geräteschuppen, umzäunt von einem Drahtzaun. Auf der Strasse rollt der Verkehr hinauf zu einem Kreisel, bei dem man die Wahl hat, Richtung ­Chamonix, Grosser St. Bernhard oder Richtung Lausanne abzubiegen. Die Dranse führt milchig trübes Schmelzwasser. Links und rechts des Trainingsplatzes erheben sich steil die Berghänge. Auf der Schattenseite wächst dichter Wald, an der Sonnenseite kleben die Reben der Winzer.

Die Umkleidekabinen der Spieler befinden sich im zweihundert Meter vom Trainingsgelände entfernten Hotel La Porte d’Octodure, das Constantin gehört. Dort logieren auch einige Spieler.

Zverotic hat schon einiges erlebt mit dem FC Sion. Den Cupsieg vor einem Jahr in Basel, die Rückkehr in die Europa League, ein weiterer Auftritt an der Anfield Road mit einem Schweizer Club, der wieder mit einem Remis endete (1:1). Mittlerweile hat der montenegrinisch-schweizerische Doppelbürger den Vertrag beim FC Sion bis im Sommer 2018 verlängert.

Ärger vom 13. März ist noch da

Am Sonntag geht es im Tagesgeschäft der Super League wieder einmal gegen die Young Boys. Erst einen Punkt haben die Walliser in dieser Saison in drei Spielen gegen YB ergattert. In schlechter Erinnerung bleibt Zverotic die Partie vom 13. März im Stade de Suisse, als Sion 2:1 führte, durch drei Fehlentscheide des Schiedsrichter-Trios in einer Aktion aber völlig aus der Bahn geworfen wurde; eine Abseitsposition von Sulejmani wurde nicht geahndet, dafür YB ein unberechtigter Penalty zugesprochen, zudem sah Sions Goalie Vanins ­unberechtigterweise die Rote Karte. Sion verlor die Partie 2:3.

«Der Ärger ist jetzt noch da», sagt Zverotic. «Auch wenn wir wissen, dass uns das nicht weiterhilft.» Er hält viel von Trainer Didier Tholot. Und dieser ermahnte seine Spieler, keine Emotionen und negativen Energien mehr über diese unglückliche Niederlage zu verschwenden.

Für den FC Sion gilt es, Platz vier abzusichern, oder noch besser, den drittplatzierten GC anzugreifen. «Mit Rang drei würde uns eine Runde in der Qualifikation für die Gruppenspiele der Europa League erspart», sagt Zverotic.

Ein guter Weg aus der Ostschweiz

Sein Vater kam einst als Bauarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz. Elsad Zverotic wuchs in Wattwil auf, spielte danach bei Bazenheid, wechselte 2004 mit 18 Jahren zum FC Wil und vier Jahre später zum FC Luzern, bevor er zwei Jahre später bei YB anheuerte. Er ist 57-facher Nationalspieler von Montenegro.

Er denkt, er habe eine gute Wahl getroffen mit dem FC Sion. Mit seiner Frau und dem kleinen Sohn wohnt er im Dörfchen Fully. Den unberechenbaren und impulsiven Präsidenten Christian Constantin erlebt er als zuverlässigen und hilfsbereiten Patron. Zverotic beeindruckt vor allem Constantins Handeln. Denn ausführliche Gespräche führt er mit dem Clubchef selten.

Das hat einen simplen Grund: «Wenn es um wichtige Dinge geht, brauchen wir einen Übersetzer.» Die welschen Zeitungen liest er nicht, weil er die Sprache ungenügend versteht. Seine Französischlektionen bei einem Privatlehrer hat er unterbrochen, da er sich zurzeit ausschliesslich auf den Fussball konzentrieren will. Aber im Sommer werde er den Sprachkurs wieder aufnehmen, sagt Zverotic. Das Leben im Wallis ist zu gut, um nur die Hälfte zu verstehen.

Der Bund

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