Im Thuner Biotop aufgeblüht

Marco Bürki befand sich bei YB auf dem Abstellgleis. Im Oberland ist der Verteidiger zum Stammspieler aufgestiegen. Nun wird sein Leihvertrag verändert.

Marco Buerki, rechts, gegen Andi Zeqiri Andi Zeqiri im Spiel Thun-Lausanne am 18. September 2015.

Marco Buerki, rechts, gegen Andi Zeqiri Andi Zeqiri im Spiel Thun-Lausanne am 18. September 2015.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Wenn vom Fussballer Bürki aus Münsingen die Rede ist, dann gilt die Aufmerksamkeit meist Roman Bürki, 25-jährig, Goalie, seit dieser Saison Nummer 1 bei Borussia Dortmund. Romans jüngerer Bruder Marco hingegen hat, obwohl er den gleichen Beruf ausübt, bisher kaum Schlagzeilen produziert.

Das hat mit seiner Karriere zu tun, die weit weniger spekta­kulär verlaufen ist. Nach einem verheissungsvollen Start auf Profistufe – Bürki war in der Rückrunde der Saison 2012/13 fast in allen Partien Fixstarter – lernte er die Schattenseiten des Berufs kennen. Uli Forte, der ab Sommer 2013 bei YB das Sagen hatte, setzte nicht auf den schnellen und athletisch starken Verteidiger. Im Oktober 2013 streikte der Körper: Ein Ermüdungsbruch des Mittelfussknochens beendete Bürkis Saison.

Dank Bruder mehr Gelassenheit

Damit nicht genug der Unbill: Die nächste Spielzeit war wenige Wochen alt, da tauchte Bürkis Name erneut auf der Verletztenliste auf. Der Mittelfussknochen hatte wegen eines Schlags wieder Schaden genommen und musste operiert werden. Nach monatelangem Ausfall war für Bürki bald einmal klar, dass er bei YB keine Perspektiven hatte. Also wurde nach einer Alternative gesucht, und die hiess FC Thun. Dort haben in den letzten Jahren etliche Spieler, die im Stade de Suisse aus diversen Gründen nicht mehr glücklich waren, wieder Tritt gefasst. Erinnert sei an die Gebrüder Schneuwly und Alexander González.

Bei Marco Bürki sah es ein halbes Jahr lang nicht danach aus, als fände er im sehr familiären Umfeld sein fussballerisches Glück. Unter Ciriaco Sforza kam er nur vereinzelt zum Einsatz, weil dieser mehr Vertrauen in das eingespielte Innenverteidigerduo Reinmann/Sulmoni hatte. Auch Sforzas Nachfolger Jeff Saibene rüttelte vorerst nicht an der Hierarchie, was Bürki zu schaffen machte. «Eigentlich dachte ich, ich bekäme eine faire Chance, mich zu zeigen.»

Anders als bei YB, wo er sich von negativen Gedanken habe leiten lassen, sei er diesmal positiv geblieben. «Ich habe mich im Training immer voll reingehängt und mich auch mal mit etwas ­anderem beschäftigt als mit meiner un­befriedigenden Situation.» Geholfen haben ihm seine Freundin, die wenig mit Fussball am Hut hat, und Gespräche mit dem älteren Bruder, mit dem er nach wie vor einen intensiven Kontakt pflegt. Er habe Romans Gelassenheit immer ­bewundert, erzählt der jüngere Bürki. Über dieses Thema hätten sie oft gesprochen in Krisenzeiten. Jetzt, da er auch dieses Wellental durchschritten hat, sagt Bürki: «In Thun ist es mir gelungen, gelassener zu werden.»

Möglich, dass der Verteidiger anders reden würde, hätte sich sein Status nicht geändert während der Rückrundenvorbereitung. Saibene mischte die Karten neu. Bürki stieg zum Fixstarter auf und blieb es auch, als es dem Team nicht wunschgemäss lief. «Marco hat sich in diesem Jahr in eindrücklicher Art und Weise entwickelt», schwärmt Saibene. Der Spieler selber sagt, er fühle sich körperlich fitter als zu YB-Zeiten. Das sei auch ein Verdienst von Konditionstrainer Pi Zürcher, bei dem für die Ausdauer viel auf dem Velo gearbeitet werde.

Ruhiges Umfeld als Nährboden

YB und Thun liegen geografisch nahe beieinander und spielen in der gleichen Liga. Und doch gibt es kleine, feine Unterschiede. Bürki, der bei YB gross geworden ist, erwähnt den ausgeprägten Teamgeist beim FCT. «Jeder kann es mit jedem. Jeder pusht den anderen.» Weiter ist ihm aufgefallen, wie gross der Ehrgeiz der zumeist Namenlosen ist. «Jeder will sich verbessern, damit er irgendwann den nächsten Schritt machen kann.»

Das ruhige und unaufgeregte Club­umfeld ist generell ein guter Boden, um sich weiterzuentwickeln. Bürki möchte es nutzen, um allmählich in die Rolle eines Führungsspielers hineinzuwachsen. Das würde seine Chancen erhöhen, das Interesse eines grösseren Vereins zu wecken. Und ja: Irgendwann möchte der jüngere Bürki so weit sein, dass er machen kann, was seinem Bruder und Vorbild Roman schon gelungen ist – im Ausland spielen.

Der Bund

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