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«Im richtigen Moment richtig zugeschlagen»

Dank Eren Derdiyok gewann der FC Basel in Barcelona den ersten Punkt in der Champions League. Der umworbene Stürmer will alte Fehler nicht mehr wiederholen.

Vor dem Spiel: Der FC Basel tritt im Camp Nou mit nur wenig Kredit an.
Vor dem Spiel: Der FC Basel tritt im Camp Nou mit nur wenig Kredit an.
Keystone
Kein Durchkommen: Die Basler konnten in der ersten Halbzeit kaum offensive Akzente setzen, standen aber defensiv sehr solid.
Kein Durchkommen: Die Basler konnten in der ersten Halbzeit kaum offensive Akzente setzen, standen aber defensiv sehr solid.
Keystone
Freude und Dank: Die Spieler freuen sich mit den FCB-Fans über den sensationellen Punkt.
Freude und Dank: Die Spieler freuen sich mit den FCB-Fans über den sensationellen Punkt.
Keystone
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Dass Präsidentin Gigi Oeri die Partnerinnen der Spieler zum Match nach Barcelona eingeladen hatte, soll zwar beruhigend gewirkt haben. In den Augen einiger Fussballer war die lange Nacht gestern Mittwochmorgen trotzdem noch abzulesen. Freien Ausgang hatte Christian Gross seinem Personal gegeben nach dem 1:1 im halbvollen Camp Nou am Dienstag, «und der wurde genutzt», sagte der Trainer am Morgen danach und schmunzelte.

Gross selbst war im Hotel sitzen geblieben. Grosse Spiele gehen ihm an die Substanz. Und als er gestern Mittag bereit stand für den Rückflug nach Basel, war er nicht euphorisch, nur zufrieden und ruhig. Ob er «stolz» sei auf diese Leistung beim FC Barcelona, wollte ein Reporter wissen. Nein, antwortete er, stolz sei das falsche Wort. «Trainer zu sein, ist ein wunderbarer Beruf. Und er ist vor allem dann schön, wenn du positive Resultate erzielst.» Dieser Punkt tue gut. «Wir haben ihn nicht gegen irgendeinen Gegner geholt.»

Nicht die Sprengkraft wie 2002

Ein 1:1 in Barcelona nach dem 0:5 vor zwei Wochen in Basel, das ist ein unerwartetes und starkes Resultat. Ein Zeichen einer Mannschaft, die vor allem bewies, wie solid sie verteidigen kann. Und die für ihre Arbeit belohnt wurde, als Eren Derdiyok mit seinem Halbvolley auf feine Weise der Ausgleich gelang.

Dieses 1:1 ist gut für Basel und den auf europäischer Ebene in diesem Jahr oft leidgeprüften Schweizer Fussball. Aber dieses 1:1 hatte nicht die Sprengkraft vergangener heroischer Basler Taten wie das 3:3 gegen Liverpool im Herbst 2002, das den Einzug in die Zwischenrunde der Champions League sicherte. Dafür spielt die Mannschaft vor allem auf dem Weg zum gegnerischen Tor nicht bestechend genug. Dafür war der FC Barcelona mit dem 5:0 in den Köpfen zu nachlässig. Dafür ist die Ausgangslage in dieser Champions-League-Gruppe auch nach dem 1:1 nicht gut genug. Der FC Basel braucht in Donezk in drei Wochen einen Punkt, um wenigstens noch Chancen auf Platz 3 zu haben, wenn er im letzten Match Sporting empfängt. Die Portugiesen sind wie Barcelona bereits für den Achtelfinal qualifiziert.

Von einer «top Teamleistung» sprach Gross. Er fand, dass vieles aufgegangen sei für sie an diesem Abend. Dass sie auch gelernt hätten in den ersten Runden. Und dass sie «Überzeugung, Energie und Hochkonzentration» brauchen, wenn sie nächstens in die Ukraine reisen.

Lob für Costanzo, Marque und Streller

Costanzo im Tor, Marque in der Innenverteidigung und Huggel als Balleroberer waren starke Figuren in Barcelona. Dann wurde Derdiyok eingewechselt. Als der 20-Jährige nach 70 Minuten für Streller auf den Rasen lief, tat er das noch mit der Idee, weitere Gegentreffer verhindern zu wollen. 12 Minuten später gelang ihm wie bei seiner Nationalmannschaftspremiere im Februar im Wembley gegen England auch im Camp Nou sein Tor.

Wenn Derdiyok erklären soll, wieso er ein Goalgetter für die schönsten Stadien ist, dann sagt der leise, manchmal fast scheue junge Mann nur: «Ich habe im richtigen Moment richtig zugeschlagen. Dafür braucht es ein gewisses Glück.» 2006 hatte Derdiyok noch in der 2. Liga bei den Old Boys gespielt; nach dem Wembley-Tor war eine kleine Welt auf den Stürmer hereingebrochen. Dass im Sommer und erneut vor wenigen Wochen Transferverhandlungen mit Bundesliga-Klubs öffentlich wurden, schadete ihm und seiner Leistung. Daraus will er lernen. Und so mag er in diesen Tagen nichts mehr wissen von Hoffenheim oder Leverkusen. Er lässt seinen Manager die Arbeit tun, bis der Moment gekommen ist, um sich wieder Gedanken zu machen über einen Wechsel - wenn tatsächlich eine konkrete Offerte vorliegt und sich diese den rund 10 Millionen Franken Ablösesumme nähert, die sich der FC Basel vorstellt.

Natürlich hätte Derdiyok im Camp Nou gerne von Anfang an mitgespielt. Er hielt es trotzdem für richtig, dass Gross im 4-1-4-1 mit nominell nur einer Spitze antreten liess. Nationalstürmer Derdiyok akzeptiert, dass er in Basel die Nummer 2 ist hinter Nationalstürmer Streller. Aber er sagt auch: «Ich muss den Konkurrenzkampf annehmen. Im Fussball kann sich alles schnell verändern.»

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