«Ich würde YB nicht einmal gratis übernehmen»

Reiche Berner Unternehmer wie Willy Michel wollen kein Geld in YB stecken. Auch Stadionbauer Bruno Marazzi will nicht mehr investieren.

Die reichsten Berner zeigen kein Interesse an den Young Boys.

Die reichsten Berner zeigen kein Interesse an den Young Boys.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Adrian Sulc@adriansulc

Gut zwei Dutzend Familien im Kanton Bern besitzen mehr als 100 Millionen Franken. Dies besagt die jährliche Liste der reichsten Schweizer der Zeitschrift «Bilanz». Doch längst nicht alle der Millionäre und Milliardäre kommen als Mäzene oder Investoren für YB infrage: Eine ganze Reihe von ihnen lebt aus steuerlichen Gründen in Gstaad und jettet ansonsten eher um die Welt, als in Bern ein Fussballspiel zu besuchen.

So etwa Ernesto Bertarelli, Bernie Ecclestone oder Laurence Graff. Doch auch unter den «echten» Bernern auf der Reichsten-Liste ist kaum Interesse für eine Beteiligung an der Sport und Event Holding AG auszumachen: Kunststoff-Unternehmer Jobst Wagner winkt ab, ebenso Walter Inäbnit, Chef der Haag-Streit Holding, Investor Erwin Reinhardt-Scherz und Harry Borer, der frühere Besitzer der Bieler Rolex-Fabrik.

Borer sagt, mit seinen 89 Jahren wolle er keine neuen Eisen ins Feuer legen. «Wenn ich jünger wäre, wäre das etwas anderes.» Willy Michel, der mit seiner Burgdorfer Ypsomed zum Milliardär wurde, ist gemäss eigenem Bekunden kein Fussballfan und an einem Kauf von YB «absolut nicht interessiert».

«Ich würde YB nicht einmal gratis übernehmen», sagt Michel und fügt an, da müsste man Geld einwerfen, und dies mache er bereits mit seinem Museum Franz Gertsch in Burgdorf. Ebenfalls auf der «Bilanz»-Liste steht Bruno Marazzi, der mit seinem Bauunternehmen das Stade de Suisse erstellt hat und während vier Jahren auch Besitzer von YB war. «Für mich ist das Thema abgeschlossen», sagt Marazzi auf Anfrage.

Er wolle kein weiteres Mal Hand bieten, YB zu übernehmen. Bereits zweimal habe er beim Verkauf vermittelt: Als er den Club an Benno Oertig verkaufte und später, als dessen Aktien an die Brüder Rihs übergingen. Marazzi besucht zwar nach wie vor YB-Spiele, doch er ist von seinem Club enttäuscht. «YB ist zu schlecht, gemessen daran, was die Mannschaft kostet.»

Er glaube nicht an eine «Berner Lösung», sagt Marazzi, und er kenne auch keine Berner, die für YB viel Geld in die Hand nehmen würden.

Marazzi warnt vor Stadion-Verkauf

Um den Club für Investoren erschwinglicher zu machen, könnte das Stadion separat verkauft werden. Doch Marazzi warnt vor einer solchen Lösung: «Wenn man Stadion und Club auseinandernimmt, ist der Club in einigen Jahren pleite.»

Das Stade de Suisse – «immer noch das schönste der Schweiz» – verkaufte er YB einst für einen symbolischen Franken (die Baukosten hat er mit der Mantelnutzung wieder hereingeholt). Der Club müsse keine Miete zahlen und könne sich mit der Vermietung des Stadions gar noch querfinanzieren. Das geschehe aber zu selten, findet Marazzi: «Es sollte im Stadion mehr grosse Events geben.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt