Soll Shaqiri wirklich spielen?

Xherdan Shaqiri trifft nur noch selten – und ist auf dem Weg zum Problemfall. Wie ein früherer Trainer den 25-Jährigen vor dem WM-Qualispiel einschätzt.

Was über ihn berichtet wird, sei «alles falsch», sagt Shaqiri.

Was über ihn berichtet wird, sei «alles falsch», sagt Shaqiri.

(Bild: Keystone)

Ueli Kägi@ukaegi

Es geht um Xherdan Shaqiri. Ein Spiel steht an. WM-Qualifikation mit der Schweiz. Und Bernard Challandes ist sofort mittendrin. «Das Problem mit Shaqiri ist immer: Wie fit ist er heute? Und wie geht es seinem Kopf?»

Es geht Shaqiri gut. Körperlich. Und mental. Sagt zumindest Shaqiri. Der Schweizerische Fussball-Verband hat mit ihm zur Medienkonferenz geladen am Mittwoch in Lausanne, um die Fragen rund um den 25-Jährigen zu diskutieren. Shaqiri hat bei seinem Club in Stoke seit dem 21. Januar nicht mehr gespielt. Es zwickte ihn wieder einmal. Dieses Mal in der Wade. Es gibt aber auch Mutmassungen, dass Shaqiri gar nicht so lange verletzt gewesen sei, stattdessen habe er in Stoke auch disziplinarische Probleme gehabt.

Shaqiri findet, es sei «alles falsch», was über ihn berichtet werde. Er lebe professionell. Und er hätte schon spielen können am vergangenen Wochenende für Stoke gegen Chelsea (1:2). Trainer Mark Hughes verzichtete.

Seit Wochen ohne Einsatz

Jetzt ist es nicht mehr Stoke, sondern die Schweiz. Shaqiri soll in Genf gegen Lettland (18 Uhr) spielen. Von Beginn an, trotz der jüngsten Verletzungsgeschichte? Obwohl er seit Wochen ohne Einsatz ist? Auf jeden Fall, findet Challandes. «Er hat im Spiel nach vorne alle Qualitäten, die die Schweiz braucht.» Der frühere U-Nationalcoach und Meistertrainer des FC Zürich (2009) schiebt aber gleich die Frage nach: «Kann Shaqiri das auch zeigen?»

Challandes’ Zweifel führen zur Frage, wann Shaqiri letztmals entscheidend und stark war in einem Spiel mit der Schweiz. Gegen Polen hat er im EM-Achtelfinal 2016 auf fantastische Weise das 1:1 erzielt. Der Treffer fiel in seiner einzigen guten Halbzeit während des gesamten Turniers. Seit Sommer 2015 ist Shaqiri in 13 Partien überhaupt nur noch dieses eine Tor gelungen. Davor hatte er eine Serie von 14 Partien mit 9 Treffern gehabt.

«What a goal!» Das 1:1 im EM-Viertelfinal gegen Polen. Video: Youtube

In den aktuellen vier WM-Qualifikationsspielen fehlte Shaqiri zweimal verletzt, die Schweiz besiegte Europameister Portugal auch ohne ihn 2:0. Challandes fällt zu Shaqiris jüngsten Leistungen mit dem Nationalteam ein: «Er war so lala.»

Für den 65-jährigen Jurassier ist auch klar, dass Shaqiri nach Wochen ohne Wettbewerbsspiele kaum in der Lage sein kann, gleich wieder konstant starke Leistungen zu zeigen. In einem Match allein aber könne dem Offensivspieler durchaus ein überzeugender Auftritt gelingen.

Der Trainer Challandes würde Shaqiri in diesen Tagen genau beobachten im Training. Er würde oft mit ihm sprechen, ihn starkreden, er würde Shaqiris Hunger spüren wollen, seine Lust auf das Spiel auch. Und wenn dann sein Bauchgefühl ihm sagen würde, Shaqiri sei bereit – und Challandes ist überzeugt, dass es genau so wäre –, dann würde er ihn eben von Beginn an einsetzen. Aus Überzeugung, einerseits. Aber auch, weil die Alternativen fehlen.

Besser nur für die letzten 30 Minuten einwechseln

Eine andere Variante könnte sich Ruedi Zbinden vorstellen. Der Chefscout des FC Basel hat Shaqiris Aufstieg aus nächster Nähe und seinen Weg zu den Bayern, zu Inter Mailand und zu Stoke dann aus der Distanz verfolgt. Zbinden würde Shaqiri am Samstag eher nicht von Beginn an einsetzen, «weil es immer schwierig ist nach einer so langen Zeit ohne Spiele». Eine Einwechslung für die letzten 30 Minuten, wenn der Gegner schon müde gespielt ist, das wäre für Zbinden die ideale Lösung: «Shaqiri ist ein Ausnahmespieler. Mit seinen Dribblings und Pässen kann er aus dem Nichts heraus etwas machen.»

Shaqiri hat in der Vergangenheit pikiert reagiert, wenn Kritik gegen ihn aufkam nach durchschnittlichen, unauffälligen Leistungen. Challandes findet, die Schweiz dürfe von Shaqiri aufgrund seiner besonderen Qualitäten auch besondere Leistungen erwarten. Er sagt: «Er ist einer, der das Spezielle machen kann. Also sage ich: Tu das auch!»

Ob Shaqiri dazu in der Lage ist, gerade jetzt, nach dieser jüngsten Vergangenheit? Challandes glaubt daran. Er erwartet Shaqiri voller «Leidenschaft und Verrücktheiten» am Samstag. Und ganz allgemein sagt Challandes: «Fussballer verdienen viel, sie sind manchmal auch etwas schwierig. Aber sie sind nicht dumm. Sie verstehen in solchen Momenten, dass sich ihnen eine wunderbare Chance bietet. Die Schweiz steht auf Platz 1, die WM lockt. Und der Spieler reist danach mit ganz anderem Gefühl zurück zu seinem Verein.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt