«Ich habe keine Angst vor Tschagajew»

Die unzimperlichen Methoden des neuen Klubbesitzers von Xamax beschäftigen selbst die Politik. Der Neuenburger Regierungsrat Philippe Gnaegi sagt gegenüber «Le Matin», er fürchte um das Image des Kantons.

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Der Neuenburger Regierungsrat und Sportminister Philippe Gnaegi schwieg bislang zu den undurchsichtigen Machenschaften des Tschetschenen. Nun scheint es auch ihm nach der jüngsten Entlassungswelle beim Traditionsverein zu bunt zu werden. Nach den turbulenten Anfangsmonaten hat er in einem Interview mit «Le Matin» sein Schweigen gebrochen.

Er sei beunruhigt über die Führung Tschagajews. Philippe Gnaegi fragt sich, ob so wichtige sportliche Werte wie Respekt, Ethik oder die Verankerung in der Bevölkerung bei Xamax noch vorhanden seien. Das Handeln der Klubführung würde sich negativ auf den Kanton abfärben. Denn «Xamax war schon immer die Speerspitze der Region». Seit dem Verkauf des Traditionsklubs vor drei Monaten kam es zu einer Reihe von Entlassungen und Rücktritten bei der Mannschaft und in der Administration. Das Trainerduo François Ciccollini und Sonny Anderson musste nach nur zwei Saisonspielen gehen. Selbst Marionetten-Präsident Andrei Rudakow, ein Vertrauter Tschagajews, genügte des Besitzers Ansprüchen nicht mehr. Immerhin darf Rudakow als Sportverantwortlicher bei Xamax bleiben.

Tschagajew noch nie getroffen

Für Gnaegi steht ein Einschreiten aber nicht zur Debatte. «Es ist nicht meine Aufgabe, mich in die Führung eines Privatunternehmens einzumischen», hält der Neuenburger Regierungsrat gegenüber «Le Matin» fest. Man sei aber offen für Gespräche. Ausserdem habe die Regierung stets gute Beziehungen zu allen Klubbesitzern gepflegt. Die Neuenburger Regierung wird sich gemäss Gnaegi im August dem Thema Xamax annehmen. Man werde dann auch sicherlich bereit sein, mit ihm das Gespräch zu suchen.

Getroffen hat der Sportminister den Tschetschenen noch nie. Auch zur Übernahmefeier wurde er nicht eingeladen. So weit gebe es aber keine diplomatischen Zwischenfälle. «Ich habe aber absolut keine Angst, Tschagajew zu treffen. Und ich glaube, ein Treffen ist notwendig», betont Philippe Gnaegi. Als Regierungsrat gehe es ihm einzig darum, wieder Ruhe in den Kanton zu bringen. Dem neuen Xamax-Trainer Joaquin Caparros wird die schwierige Aufgabe zukommen, den Klub auf die Erfolgsstrecke zurückzubringen und die Gemüter zu beruhigen. Es bleibt abzuwarten, ob Tschagajew dem Spanier dafür mehr als zwei Spiele Zeit geben wird.

jak

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