Hütter-Zauber an der türkischen Riviera

Hütters und Peintingers Tanz mit dem Ball, Ärger mit Paderborn, kalte Ohren, Gewinner und Verlierer: Streiflichter vom YB-Trainingslager in Belek.

Wenn nicht gerade der SC Paderborn ihre Velos entwendete, waren die Young Boys auf zwei Rädern unterwegs.

Wenn nicht gerade der SC Paderborn ihre Velos entwendete, waren die Young Boys auf zwei Rädern unterwegs.

(Bild: Manuel Geisser)

Ruedi Kunz

Die Neuen: Yoric Ravet, Philipp Zulechner und Benjamin Kololli sind nach der Winterpause zu YB gestossen. Wunderdinge haben sie bei ihrem neuen Club noch nicht vollbracht. Der Stärkste des Trios ist wenig überraschend Ravet, der eher noch eine Spur schneller und nicht minder trickreich ist als sein Vorgänger Renato Steffen.

Im Vergleich zum Franzosen ist der vom SC Freiburg ausgeliehene Österreicher Zulechner bisher nur ein laues Lüftchen. Und auch der aus der Challenge League gekommene Kololli dürfte vorerst nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinauskommen.

Die Rückkehrer: Guillaume Hoarau und Steve von Bergen waren im Herbst monatelang verletzt ausgefallen. Rechtzeitig auf die Rückrundenvorbereitung haben sich die beiden Routiniers zum regulären Dienst zurückgemeldet.

In der Südtürkei machten sie das ganze Programm mit – und blieben schmerzfrei, wie sie mehrmals versicherten. Für die Young Boys sind das «good news», denn echte Führungsfiguren hat der Club nicht viele.

Die Gewinner: Ende Hinrunde hatte es so ausgesehen, als hätten es sich Raphaël Nuzzolo und Milan Vilotic mit Trainer Adi Hütter verspielt.

Nach drei Wochen Vorbereitung präsentiert sich die Situation für die beiden schon wieder weit freundlicher: Mit guten Trainingsleistungen haben sie bei Hütter Punkte gesammelt und gehörten zu jenen elf Spielern, die beim letzten Test gegen Graz (1:4-Niederlage) begannen.

Die Überzähligen: Im Gegensatz zu Alexander Gonzalez durfte Samuel Afum ins Trainingslager mitkommen, weil mehrere türkische Erstligisten in den letzten Wochen ein gewisses Interesse am Ghanaer gezeigt hatten und ihn in Belek beobachten wollten.

«Hätte Samy gegen Steaua Bukarest eine seiner zwei Topchancen genutzt, hätte er jetzt möglicherweise schon einen Vertrag im Sack», sagt YB-Sportchef Fredy Bickel. Doch nun reiste er gestern mit seinem Noch-Arbeitgeber in die Schweiz zurück.

«Für seine Karriereentwicklung wäre es enorm wichtig, dass sich in den nächsten Tagen etwas konkretisiert», hofft Bickel. Mit Gonzalez, der sich bis auf weiteres mit der U-21-Auswahl fit zu halten versucht, unterhält sich der Sportchef diese Woche über die Zukunft.

Das Österreicher-Quartett: Die Gruppe Austria hat sich im neuen Jahr verdoppelt. Zu Adi Hütter und seinem Assistenten Christian Peintinger sind neu Andreas Biritz (Physiotherapeut) und Philipp Zulechner gestossen.

Dass sie gemeinsam Gesellschaftsspiele machen oder essen gehen, scheint eher unwahrscheinlich, da Zulechner vom Status und vom Alter her nicht zu den drei anderen passt. Dass sich Hütter und Peintinger fast blind verstehen, wenn es um Fussball geht, zeigte sich in einem lockeren Trainingsspiel, in dem die beiden einstigen Profikicker Doppelpass an Doppelpass reihten.

Die YB-Fans: Über 20 YB-Supporter zwischen 21 und 71 Jahren reisten mit dem Team in die Südtürkei, um Trainings und Testspiele hautnah mitzuerleben. Als kleine Belohnung gibts jeweils im Teamhotel einen Apéro mit Spielern, Trainern und sportlicher Führung.

Und was eine nicht minder schöne Tradition geworden ist: einen Plauschmatsch zwischen dem YB-Staff und den Fans. In Belek waren die Kräfteverhältnisse klar verteilt: Der Staff unter Führung der Mittelfeldstrategen Hütter und Peintinger gewann 9:5.

Der Pechvogel: Kein Trainingslager ohne zumindest kleinere Blessuren und «Bobos». Bei YB traf es Sulejmani (schmerzhafte Prellung), Zulechner (Oberschenkel) und Benito (Hüfte). Keiner der drei habe «etwas Ernsthaftes abgekriegt», sagte Bickel wenige Stunden vor der Abreise.

Und Denis Zakaria, der die ganze Zeit mit einer Kniestütze trainierte? Er habe schon vor dem Trainingslager Schmerzen im Knie verspürt, «möglicherweise ein Problem der Überbelastung», vermutet Bickel.

Weitaus am ärgsten traf es Physio-therapeut Fred Stalens, der sich im Plauschmatch gegen die YB-Fans ohne gegnerische Einwirkung das Kreuzband riss.

Mütze und Handschuhe: Obwohl es an zwei, drei Tagen ordentlich Niederschläge gab, herrschten in Belek optimale Trainingsbedingungen. Die Naturrasenplätze präsentierten sich in tadellosem Gewand: topfeben wie englische Anlagen, sattestes Grün, ein Drainagesystem, welches auch nach stundenlangem Starkregen noch einwandfrei funktionierte.

«Was willst du mehr», rühmte Hütter. Wenn es denn ein Haar in der Suppe gab, dann war es der eiskalte Wind, der bei den abendlichen Testspielen gegen Steaua Bukarest und Sturm Graz durchs offene Stadion Gloria-Center wehte. Wer nicht Mütze, Handschuhe und dicke Winterjacke trug, der kam ins Schlottern – inklusive Trainerstaff an der Linie, welcher sich gemäss Bickel schier Ohren und Hände abfror.

Ärger mit Paderborn: Die YB-Delegation fühlte sich im 5-Stern-Hotel Regnum Carya sehr wohl und liess für das nächste Wintertrainingslager bereits wieder Zimmer reserviert.

Nicht richtig warm wurden die Berner mit den Berufskollegen des SC Paderborn (2. Bundesliga), die sich zum Teil wie Halbgötter aufführten in der Nobelherberge und sich auch schon mal ohne zu fragen Velos ausliehen, die für YB reserviert waren. Ob das Verhalten mit der Persönlichkeit von Trainer Stefan Effenberg zu tun hat, der nicht gerade für Anstand und Respekt bekannt ist?

Der Bund

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