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Hütter alleine löst die Probleme bei YB nicht

Die Young Boys haben einen neuen Trainer – die Probleme im Verein müssen aber tiefer analysiert werden.

Muss weitere Schritte unternehmen: YB-Sportchef Fredy Bickel.
Muss weitere Schritte unternehmen: YB-Sportchef Fredy Bickel.
Adrian Moser

Beim BSC Young Boys haben sie bei der Besetzung des ­Trainerpostens in den letzten Jahren sehr vieles probiert. Vladimir Petkovic versuchte es mit schönem Fussball, Christian Gross mit der harten, physischen Variante, Martin Rueda mit der sanften Tour, Uli Forte zuletzt als kumpelhafter Motivator. Den lang ersehnten Titel brachte keiner von ihnen nach Bern. Und so behaupten Zyniker schon länger, den Übungsleiter, der zu YB passt und das Team zu einem Titel führen kann, gebe es gar nicht.

Der nächste Trainer, der gegen dieses Vorurteil ankämpfen will, heisst Adi Hütter. Der Österreicher ist in der Schweiz eine unbekannte Grösse. Der Leistungsausweis in seiner Heimat kann sich aber sehen lassen. Er gilt als Coach, der allein entscheiden will, der sich auf alles akribisch vorbereitet und von seiner Mannschaft Dominanz und viel Ballbesitz fordert. Das weckt Hoffnungen, dass sich YB in naher Zukunft nicht mehr nur als Spitzenteam sieht, sondern auch so spielt.

Irritierend ist, dass sich Hütter selber nicht als Ausbildungs­trainer bezeichnet. Das erstaunt, weil YB weiter auf den Nachwuchs setzen will, die Super League als Ausbildungsliga gilt und Sportchef Fredy Bickel von einem Typ «Fussballlehrer» sprach, als er das Anforderungsprofil für Fortes Nachfolger formulierte. Hütter muss nun den Beweis antreten, dass er der richtige Mann ist, auch wenn die Erfolgsaussichten in dieser Saison nach dem verpatzten Start bereits arg getrübt sind.

Mit einem neuen Trainer allein ist es nicht getan. Dafür haben die letzten Wochen zu viele Fragen aufgeworfen. Weshalb steigt der Sportchef mit einem Trainer in die Saison, von dem er nicht mehr überzeugt ist? Warum werden zwei teure Spieler verpflichtet, die nach zwei Monaten noch fast alles schuldig geblieben sind? Wie ist es zu erklären, dass die Mannschaft nicht fit wirkt und erneut durch unzählige Verletzungen geschwächt wird? Wieso haben so viele Spieler stagniert?

Das alles sind Aspekte, die intern eine detaillierte Auslegeordnung erfordern. Zu klären ist beispielsweise, ob im Staff Neubesetzungen nötig sind, ob wichtige Entscheidungen breit genug abgestützt sind, ob heikle ­personelle Abhängigkeiten bestehen, ob die sportlichen Gremien mit aus­reichend fussballerischer Substanz ­besetzt sind. Massive Einschnitte sind aber auch beim Kader dringend nötig. Genügsame, bequeme oder schlicht zu limitierte Spieler haben in einem ambitionierten Team keinen Platz.

Für den Schritt nach ganz vorne muss YB noch leistungsorientierter denken und handeln. Nur so wird Adi Hütter eine Chance haben, aus der langen Reihe der titellosen YB-Trainer auszuscheren.

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