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Hooligan-Urteile: «Weder hart noch mild»

26 Basler Fussballfans wurden für den Gewaltausbruch nach der verlorenen Meisterschafts-Finale FC Basel gegen den FC Zürich am 13. Mai 2006 bestraft.

Die Basler Fans stürmen mit dem Schlusspfiff auf den Rasen; im Vordergrund flüchtet Basels Medienchef Josef Zindel.
Die Basler Fans stürmen mit dem Schlusspfiff auf den Rasen; im Vordergrund flüchtet Basels Medienchef Josef Zindel.
Keystone
Die Polizei griff spät ein und konnte nicht alle Basler Fans daran hindern, die feiernden FCZ-Spieler anzugreifen.
Die Polizei griff spät ein und konnte nicht alle Basler Fans daran hindern, die feiernden FCZ-Spieler anzugreifen.
Keystone
Nach einer gewissen Zeit hatte die Polizei die Situation im St.-Jakob-Park unter Kontrolle; vor den Toren ging die «Schlacht» der rivalisierenden Fan-Gruppen noch lange weiter.
Nach einer gewissen Zeit hatte die Polizei die Situation im St.-Jakob-Park unter Kontrolle; vor den Toren ging die «Schlacht» der rivalisierenden Fan-Gruppen noch lange weiter.
Keystone
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Das Basler Strafgericht begründete die drei bedingten Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Monaten und die bedingten Geldstrafen von bis zu 210 Tagessätzen mit schwerem Verschulden. Die Behörden begrüssten die Urteile.

Der Strafrechtsprofessor und Nationalrat Daniel Jositsch bezeichnet die in Basel gefällten Urteile «weder als hart noch als mild. Sie fielen in jenem Rahmen aus, die man hatte erwarten können», erklärt Jositsch gegenüber Redaktion Tamedia.

Für die «Schande von Basel» im St.-Jakob-Park mussten sich 25 Männer und eine Frau verantworten. Sie waren zusammen mit Hunderten losgestürmt, um ihren Frust über die in letzter Sekunde verlorene Meisterschaft abzureagieren. Es gab 115 Verletzte und über 400 000 Franken Sachschaden.

Das Verschulden wiegt schwer

Das Verschulden der Einzelnen wiege sehr schwer, erklärte Einzelrichter Lukas Faesch. «Wer eine Niederlage seiner Mannschaft nicht erträgt, hat im Stadion nichts zu suchen, solche Subjekte sind keine Fans», sagte er. Das Vertrauen rund um den Fussball sei durch ihr Verhalten schwer beschädigt.

Am härtesten bestraft wurden jene, denen neben Gewalt und Drohung gegen Beamte, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch auch mehrfache Gefährdung des Lebens nachgewiesen werden konnte: Mit zwölf Monaten Gefängnis bedingt auf drei Jahre wurde ein 39-Jähriger bestraft, der von der Terrasse der Hattrick Sport Bar vor dem Stadion eine Holzbank und einen Tisch aus sechs Metern Höhe auf die Jakobsstrasse geworfen hatte. Der einschlägig bekannte Hooligan hatte dies bestritten und von einem «Doppelgänger» gesprochen, was aber mit Bildmaterial und Zeugenaussagen widerlegte wurde. Neun Monate bedingt erhielt ein 29-Jähriger, der vom gleichen Ort aus eine Holzbank auf die Strasse warf. Das Gericht sprach in beiden Fällen von einem «perfiden, skrupellosen und feigen» Vorgehen. Neun Monate bedingt gab es für einen 22-Jährigen, der Absperrgitter beschädigt und Fackeln gegen die Polizei geschleudert hatte.

Auch hohe Geldstrafen

Auch die durchwegs bedingten Geldstrafen fielen hoch aus, entspricht doch ein Tagessatz einem Tag Gefängnis: 210 Tagessätze zu 50 Franken fasste ein 33-Jähriger, der Steine gegen die Polizei schleuderte. 200 Tagessätze zu 30 Franken erhielt ein 23-Jähriger, der Absperrgitter in eine Unterführung warf. An dieser Tat war auch ein 22-Jähriger beteiligt, der zusätzlich für Stein- und Flaschenwürfe 200 Tagessätze zu 110 Franken fasste. 200 Tagessätze zu 130 Franken gab es für einen 37-Jährigen, der auf dem Spielfeld Metallteile gegen Zürcher Fans und Polizei geschleudert hatte.

Mit 120 Tagsätzen zu 30 Franken wurde ein 25-Jähriger bestraft, der auf dem Spielfeld den Zürcher Meistertorschützen Iulian Filipescu mit Fusstritten attackiert haben soll. Diesen Vorwurf liess das Gericht fallen, da der Angeklagte vom Zürcher Spieler ebenfalls angegriffen wurde und einen Rippenbruch erlitt. Ein 23-Jähriger, dem ein Angriff auf Filipescu nicht nachgewiesen werden konnte, wurde wegen Beteiligung am Krawall mit 100 Tagessätzen zu 130 Franken belangt. Die einzige Frau erhielt 120 Tagessätze zu 90 Franken. Die 29-Jährige hatte bei einer Tramhaltestelle eine Bierbüchse gegen die Polizei geworfen. In fünf Fällen gab es Bussen zwischen 500 und 1200 Franken.

Behörden begrüssen das Urteil

Das Basler Sicherheitsdepartement begrüsste die Schuldsprüche in allen Fällen. Dies sei ein deutliches Signal gegen Randalierer und die anhaltenden Gewalt an Sportveranstaltungen, erklärte Regierungsrat Hanspeter Gass auf Anfrage.

AP/fal

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