Hoffen und beten für einen Titel, «den die Fans verdient haben»

30 Grad Unterschied, kein Weihnachtsspeck und viel Pathos. Die Young Boys haben das Training wieder aufgenommen. Ihr Trainer Adi Hütter redet auffallend ungern vom Cup.

Raus aus der warmen Höhle, rein in die eisige Kälte der Realität. Die Young Boys bereiten sich auf die Mission Cupsieg vor.

Raus aus der warmen Höhle, rein in die eisige Kälte der Realität. Die Young Boys bereiten sich auf die Mission Cupsieg vor.

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Bei beissender Kälte trafen sich am Mittwoch am späteren Nachmittag 24 Young Boys zum Trainingsauftakt nach der Winterpause auf dem geheizten Plastikrasen des Stade de Suisse. Bevor die Spieler an den Ball durften, gab es Ansprachen von Sportchef Christoph Spycher und Trainer Adi Hütter. Doch über das konkrete Saisonziel für die Rückrunde habe man an diesem ersten Tag noch nicht gesprochen, merkte Hütter an.

Das werde man erst während des Trainingslagers in Spanien tun. «Natürlich haben wir im Cup gegen Winterthur, das ich respektiere, eine gute Chance, weiterzukommen. Aber damit haben wir noch lange nicht den Cup gewonnen. Primär interessiert mich das erste Spiel der Rückrunde gegen Sion, das auch berechtige Ambitionen auf Platz 2 hat.»

Nicht dabei beim ersten Training waren Yvon Mvogo, Marco Wölfli, Loris Benito, der weiterhin an seinem linken Mittelfussbruch laboriert, und Nicolas Bürgy. Sie weilen zurzeit über dem Bielersee im Fussballer-WK in Magglingen. Und weiterhin nicht dabei war auch der am Knie verletzte Gregory Wüthrich. Dafür sah man Thomas Fekete wieder. Sein Leihvertrag mit Aarau lief Ende Vorrunde aus; wegen Verletzung kam er aber bei den Aargauern nur wenig zum Einsatz. Angeschlagen sind zurzeit Sven Joss und Yuya Kubo.

Heute Donnerstag müssen die Spieler auf die Waage, damit festgestellt werden kann, ob sie sich Weihnachtsspeck angefuttert haben. «Wir haben strikte Richtlinien, wer zu schwer ist, wird gebüsst», sagt Hütter. Aber er mache sich keine Sorgen. «Das erste Training hat mir gut gefallen, die Spieler hinterliessen einen guten Eindruck. Das ist auch nicht so schwer, denn die Trainingspause betrug ja lediglich drei Wochen.»

Zu grosses Kader

Insgesamt umfasst das Kader der Young Boys momentan 29 Spieler. Etwas viel für 18 Meisterschaftsspiele und maximal drei Cupspiele. «Das Transferfenster ist bis zum 31. Januar offen», sagt Hütter. «Wir haben ein qualitativ gutes Kader, dennoch müssen wir abwarten, ob es Gelegenheiten gibt, nicht nur Spieler abzugeben, sondern vielleicht auch einen Spieler zu verpflichten.» Der Konkurrenzkampf behagt dem Trainer. «Die Spieler, die in der Vorrunde gute Leistungen zeigten, haben einen Bonus. Aber das heisst nicht, das sie eine Stammplatzgarantie haben.»

Doch für Sportchef Spycher geht es in erster Linie darum, «Lösungen zu finden», wie er es formuliert, für Spieler wie den von Hütter bereits im Herbst aussortierten Milan Vilotic, der weiter mit der U-21 trainieren wird, Milan Gajic oder auch Rückkehrer Fekete, den YB wieder an einen Verein ausleihen möchte.

Nicht der erste Schnee für Nuhu

Im Gegensatz zu früheren Jahren muss YB in diesem Frühjahr keine Spieler an Nationalmannschaften abstellen, die am Africa-Cup teilnehmen, der am 14. Januar in Gabon beginnt. Die Elfenbeinküste ist mit Mittelfeldspielern derart gut versorgt, dass Sekou Sanogo kein Thema ist. Und auch der 21-jährige Verteidiger Kasim Nuhu hat vom Nationalcoach von Ghana nichts gehört. Für Hütter wäre das auch zu früh. «Nuhu hat bei uns sehr gute Spiele gemacht und gezeigt, dass er für YB eine Verstärkung ist. Aber jetzt muss er sich erst einmal bei uns bestätigen.»

Dick eingemummt absolvierte Nuhu am Mittwoch das Training im Stade de Suisse. Erst am Dienstag ist er aus dem warmen Ghana zurückgeflogen. «Der Temperaturunterschied beträgt gut 30 Grad Celsius», meint er. «Aber das bedeutet nicht, dass ich damit grosse Probleme habe.» Und er betont: «Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich Schnee sehe.»

Nuhu, der von Mallorca an YB ausgeliehen ist, hat nach eigenen Angaben auch schon in Spanien, etwa bei Auswärtsspielen in Bilbao, garstiges Wetter angetroffen. «Es gibt Spieler aus Afrika, die haben bei Kälte Probleme mit der Muskulatur. Bei mir ist das aber nicht der Fall.» Mit für europäische Ohren etwas Pathos sagt er: «Ich hoffe und bete, dass wir in der Rückrunde einen Titel holen. Unsere Fans hätten das verdient.»

Ab dem 13. Januar wird sich dann auch Nuhu wieder an wärmeren Temperaturen erfreuen dürfen. Dann beginnt das achttägige Trainingslager im spanischen Jerez, wo unter anderen gegen den Zweitbundesligisten Hannover 96 getestet wird.

Der Bund

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